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Filmtipp

Nachtlärm

Genre-Mischung mit turbulenten Wendungen

Sendung vom 23. August 2012

Als seine Kinder noch Babys waren, gab es für den Autor Martin Suter kaum eine Nacht, in der sie ihn nicht aus dem Schlaf rissen. Eines Tages hörte Suter, dass es Babys geben soll, die nur dann friedlich schlafen, wenn die Eltern sie nachts im Auto durch die Gegend fahren. Diese Idee griff er auf, und daraus ist das Skript zu "Nachtlärm" entstanden, der heute in unseren Kinos startet.

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Beitrag von Francesco Tornabene

(23.08.12), 3'26


Es ist jede Nacht das gleiche Spiel. Livia und Markus schnappen sich ihr schreiendes Baby und setzen sich ins Auto. Erst wenn sie auf der Autobahn sind, kommt der kleine Tim zur Ruhe und schläft friedlich ein. Die ideale Schlafgeschwindigkeit ist dabei 130 Stundenkilometer. Während Tim ruhig wird, werden seine Eltern aber immer lauter. Jede Nacht diskutieren sie im Auto über ihre Beziehungskrise, wobei Livia Markus vorwirft, er würde nicht wirklich mit ihr reden.

Den Vorwurf, nicht über ihre wahren Gefühle zu reden, dürften viele Männer kennen. Es ist Martin Suter in seinem Drehbuch ohnehin bestens gelungen, das vom Schlafentzug entnervte Pärchen authentisch zu zeichnen. Amüsiert und gleichzeitig berührt beobachtet man die beiden in ihrem Bemühen herauszufinden, ob ihre Beziehung gescheitert ist. Als die beiden auf einer Raststätte halt machen, beginnt die eigentliche Handlung.


Turbulente Achterbahnfahrt durch die Nacht

Paar und eine Frau mit Kind; T&C Film Bild vergrößern

von Christoph Schaub

Während Livia zur Toilette geht, steigt Markus aus dem Wagen, um sich schnell Zigaretten zu kaufen. Den Zündschlüssel lässt er stecken. Bevor die beiden sich versehen, wird ihr Auto geklaut, samt Baby auf dem Rücksitz. Und so lernen wir ein neues Paar kennen: Claire und Jorge. Schon bald entdecken die beiden den immer noch schlafenden Tim.

Ab diesem Zeitpunkt wäre filmisch alles drin gewesen. Die Story könnte, zum Beispiel, als Actionkomödie weitergehen, als Thriller, als Horrorfilm, als Road-Movie oder als Beziehungsdrama, das durch die Ereignisse eskaliert. Regisseur Christoph Schaub wollte auf alle Fälle etwas Neues ausprobieren, und so mischt er alle Genres durcheinander und peppt das Ganze durch turbulente, unerwartete Wendungen auf. Dass diese teilweise absurde Achterbahnfahrt durch die Nacht nicht ins Lächerliche abgleitet, liegt hauptsächlich an den überzeugenden Darstellern, die in dem nächtlichen Chaos versuchen, mit den unberechenbaren Situationen klarzukommen.


Beziehungsprobleme und andere Katastrophen

Was nun folgt, ist eine turbulente Reise durch die Nacht, die trotz kleiner dramaturgischer Schwächen zu unterhalten weiß und die eines immer wieder klar macht: Hier wird nicht nach Hollywood geschielt, sondern man bleibt bewusst in der schweizerischen Provinz, wo nicht Eskapismus angesagt ist, sondern wo fast kammerspielartig die Probleme der Protagonisten im Vordergrund bleiben. Livia und Markus haben jedenfalls noch jede Menge Beziehungsprobleme aufzuarbeiten.
(Francesco Tornabene)


Filminfos

Nachtlärm
Originaltitel: Nachtlärm (BRD/Schweiz 2012), ca. 95 Min.

Regie
Christoph Schaub

Schauspieler
Alexandra Maria Lara, Sebastian Blomberg, Carol Schuler, Georg Friedrich u.a.





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