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Strings
Sendung vom 27. August 2012
Wer meint, dass Puppenfilme Kinderkram sind, der wird bei diesem DVD-Tipp eines Besseren belehrt. Vor acht Jahren drehte der dänische Regisseur Anders Rønnow-Klarlund einen Marionettenfilm für Erwachsene, der es in sich hat. "Strings" heißt der Film, und er hat nichts mit "Augsburger Puppenkiste" zu tun, sondern orientiert sich eher an Fantasyfilmen, Historienepen wie "Gladiator" oder den Dramen eines William Shakespeare.
Beitrag von Francesco Tornabene, Filmexperte
(27.08.12), 3'30
"Strings" entführt uns in eine düstere Welt, in der von Anfang an die Marionettengestalt der Figuren in die Handlung eingebaut wird. Die Puppen hängen an besonders dicken Fäden, die immer wieder thematisiert werden. Schneidet man zum Beispiel einer Figur die Fäden ab, dann ist sie tot. Da bekommen Aussagen wie folgende eine ganz besondere Bedeutung: "Dein Leben hängt an einem seidenen Faden!"
Dies trifft im Film vor allem auf das Leben der Sklaven zu, die als eine Art Ersatzteillager für die herrschende Schicht gefangen gehalten werden. Als Hal Tara, der Sohn des Herrschers Kharo, beim Kampftraining eine Hand abgeschlagen wird, geht sein General in dieses Lager und lässt einem Sklaven einfach eine Hand abnehmen, um sie Hal Tara einsetzen zu lassen.
Die eigentliche Handlung von "Strings" beginnt mit einem Selbstmord. Kahro, König von Hebalon, nimmt sich das Leben, weil er meint, dass er seinem Reich großes Leid zugefügt hat. Er will, dass sein Sohn Hal Tara auf den Thron kommt und Frieden und Gerechtigkeit schafft. Kahro hat seine Rechnung aber ohne seinen Bruder, den machthungrigen und hinterhältigen Nezo gemacht. Der wiederum wird unterstützt von dem skrupellosen und verbitterten General Ghrak. Diese beiden Bösewichte vertuschen den Selbstmord des Königs und reden seinem Sohn Hal Tara ein, dass der Herrscher von den verfeindeten Zerithern getötet wurde. Der Prinz macht sich nun auf den Weg, um sich zu rächen.
Viele Bilder, die dieser großartig inszenierte Film liefert, hat man so noch nie gesehen und wird sie deshalb nicht so schnell vergessen. Zum Beispiel die Schwertkämpfe zwischen den Figuren - oder jene Szene, die zeigt, wie ein Marionetten-Baby geboren wird. "Strings" ist vollkommen in der Erschaffung einer ganz eigenen Welt, die übrigens ganz bewusst nicht mit Computertricks entstanden ist. Auch wenn die Geschichte, die von Rache handelt, von Sklaverei, Befreiung und dem Finden der großen Liebe, nicht viel Neues bringt, wird man sich der Magie dieses kleinen Meisterwerks nicht entziehen können.
Das liegt sicherlich auch daran, dass dieser Puppenfilm sich über die Marionetten philosophisch mit dem Menschsein auseinandersetzt. Zum Beispiel geht es dabei um das Verbundensein aller Wesen, für das dieser Film fast schon spirituelle Bilder findet. Und unmerklich passiert ein kleines Wunder. Die Puppen haben eine starre Mimik, die Lippen bewegen sich beim Sprechen natürlich nicht, doch im Laufe der Zeit scheinen ihre Gesichter durch das brillante Spiel mit Licht und Schatten lebendig zu werden und man projiziert eine Vielfalt an Gefühlsäußerungen in sie hinein. Gefühle spielen in "Strings" ohnehin eine große Rolle, und man kann sie als Zuschauer immer gut nachvollziehen.
Strings
Originaltitel: Strings (Dänemark/Schweden 2004), ca. 92 Min.
Regie
Anders Rønnow-Klarlund
Bildformat
Widescreen (2.35:1) anamorph
Tonformat
DTS Audio 5.1 Deutsch
DTS Audio 5.1 Englisch
Untertitel
Deutsch
Bonusmaterial
Booklet
Making of, 60 Minuten
Trailershow
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