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Sons of Norway
Sendung vom 05. Juli 2012
Erwachsenwerden ist nicht einfach. Pubertät ist Rebellion - vor allem gegen die eigenen Eltern. Doch wie kann man in einem kleinen Vorort von Oslo Ende der 70er-Jahre rebellieren, wenn die Hippie-Eltern für alles Verständnis haben? Der Jugendliche Nikolaj flüchtet sich in die Punkszene - und diese Geschichte erzählt "Sons of Norway" auf sehr feinfühlige Art und Weise.
Beitrag von Karmalker, Filmexperte
(05.07.12), 4'11
Weihnachten 1978. Ein kleiner Vorort von Oslo. Vater Magnus, ein bärtiger Hippie mit langen rotblonden Haaren, hält im indischen Gewand die Weihnachtsansprache: "Jesus Christus sagt, wir Menschen seien klein und sündig, aber verehrte Gäste, wir sind Affen!". Passend dazu: der mit Bananen geschmückte Tannenbaum. Und das Weihnachtsmenü: auch aus Bananen. Irgendwie verrückt, diese Hippie-Familie. Da wundert es auch nicht, wenn die Kinder mit Protestplakaten im Wohnzimmer aufmarschieren und "Nieder mit dem Patriarchat" skandieren.
Sons of Norway, die Sommer-Tragikomödie aus Norwegen, dreht die Uhr zurück in die 70er-Jahre. Authentisch ausgestattet, gefilmt im Look verblichener Familienfotos, ist man bald mittendrin in der Zeit, als Flower Power, freier Sex, und antiautoritäre Erziehung schon wieder aus der Mode kamen.
Jedenfalls sehnt sich Magnus' Sohn Nikolaj mit seinen 14 Jahren nach etwas anderem. Als Nicolaj den Punk Anton und die Musik der "Sex Pistols" kennen lernt, ist das die Erleuchtung. Hippies sind Spießer, es lebe der Punk! Nicolaj hat gerade sein Pubertätsmantra entdeckt, sich die lange Hippiemähne abrasiert, als seine Mutter bei einem Autounfall ums Leben kommt. Nach einer Zeit der Trauer kehrt Nicolaj zurück auf den Punktrip, färbt sich die Haare, sticht sich Sicherheitsnadeln durchs Gesicht, randaliert mit seinem Freund im Supermarkt und bespuckt Passanten. Nikolajs Vater, der Berufsrevoluzzer, ist davon nur wenig beindruckt, argumentiert die Punkbewegung mit wenigen Sätzen in Grund und Boden.
Wie kann man sich die Hörner abstoßen, wenn die eigenen Eltern Revoluzzer sind? Der norwegische Regisseur Jens Lien inszeniert die Antwort als sensiblen Coming-of-Age-Film mit Tiefgang und leisem Humor. Da stehen einem dann schon manchmal die Haare zu Berge, wenn der Vater auf alles bloß mit Verständnis reagiert, sich dann auch noch für Punkrock begeistert, um dann - Oh Schreck! - den Look seines Sohnes zu imitieren und plötzlich in schwarzer Lederjacke erscheint.
Das und vieles andere ist komisch, aber Regisseur Lien macht sich nicht lustig, bewertet nicht, hat große Sympathie für seine beiden Querköpfe - den alten wie den jungen. Und beide haben auch ihre Last zu tragen: Vater Magnus, der versucht, seine Hippie-Ideale wie freie Liebe, FKK und Anarcho-Phrasen verkrampft aufrecht zu halten. Und Sohn Nicolaj, der auf den Spuren der "Sex-Pistols" Drogen nimmt, bis ihm Johnny Rotten, Frontmann der "Pistols", in einer Halluzination erscheint. Nicolaj am Abgrund. Wie Sohn und Vater dann zusammenrücken, allein dafür lohnt der Kinobesuch.
Sons of Norway
Originaltitel: Sons of Norway (Norwegen/Schweden/Dänemark/Frankreich 2011), ca. 88 Min.
Regie
Jens Lien
Schauspieler
Åsmund Høeg, Sven Nordin, Sonja Richter, Tony Veitsle Skarpsno, Camilla Friisk, Trond Nilssen, John Lydon u.a.
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