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Ganz normale Helden
Buchtipp vom 26. September 2012
Nach Anthony McCartens Welterfolg "Superhero" sind nun ganz normale Helden an der Reihe: In der Familie Delpe ist seit Donalds Tod nichts mehr, wie es sein sollte. Es herrscht bittere Trauer in der Familie, mit der keiner richtig umzugehen weiß. "Ganz normale Helden", so heißt dieser Roman, der eine schwierige Hürde nehmen muss: Tod und Trauer so erzählen, dass man sich nicht sofort abwendet.
Jeff ist am Ende. Sein kleiner Bruder ist vor einem Jahr an Krebs gestorben. Trotzdem schickt er ihm immer noch SMS auf das Handy, das er ihm in den Sarg gelegt hat. Auch Jeffs Mutter kommt über den Tod ihres verstorbenen Sohnes nicht hinweg. Sie findet im Internet eine Seite, auf der sie sich mit einem Vertreter Gottes auf Erden verbunden wähnt. Jeffs Vater, erfolgreicher Anwalt, plant jetzt auf's Land zu ziehen. Vielleicht kann man dort den Verlust besser verschmerzen? Doch seine Frau ist für nichts mehr zugänglich, also macht er ihr Vorwürfe. Die Mutter keift zurück.
Der ewige Streit zwischen den Eltern, die Trauer, die auf allen lastet wie Blei, treibt Jeff dann immer wieder ins Internet. Dort spielt er "Life of Lore", eine Mischung aus "Second World" und "World of Warcraft", wo sich die Spieler in einer selbst geschaffenen Fantasie-Welt bewegen.
Drei Menschen, drei Wege zu trauern, drei Wege auch, sich genau dieser Trauer zu entziehen: "Ganz normale Helden" des neuseeländischen Autors Anthony McCarten beschreibt mit Hilfe seiner Hauptfiguren die Irrungen und Wirrungen beim Versuch, mit Verlust, Schmerz, Angst und Wut umzugehen. Dabei kommen sich Jeff und seine Eltern immer mehr in die Quere, bis Jeff sich entschließt, einfach abzuhauen.
Tod und Trauer, dann der Schock, als Jeff spurlos verschwindet. Das ist zugegeben erst mal schwere Kost. Umso beachtlicher, wie es Autor Anthony McCarten gelingt, dem düsteren Anfangsszenario langsam Licht und Hoffnung einzuhauchen. Den Beginn macht der Vater, der sich in die Weiten des World Wide Web begibt. Dort loggt er sich in das Lieblingsspiel seines verschwundenen Sohnes ein. Life of Lore. Stellt fest, dass sein Sohn dort ein Star ist. Um Kontakt mit seinem Sohn in der virtuellen Welt aufzunehmen, muss der Vater mitspielen, eine künstliche Identität annehmen, einen gewissen Rang erreichen. Und je mehr er versucht, Jeff über's Internet nahezukommen, desto mehr versinkt der Vater in dem Spiel, riskiert seinen Job, wird genötigt, eine Auszeit zu nehmen.
Wird er ausgerechnet über das Internet einen Weg finden, wieder in der realen Welt klarzukommen? Ob Vater und Mutter ihren Sohn wiederfinden und wenn ja, wie, dies hat Anthony McCarten zu einer spannenden gleichsam philosophischen Geschichte verdichtet, die jetzt als sehr gut von Rufus Beck und Jo Kern eingesprochenes Hörbuch vorliegt. Über acht Stunden Tragik, Hoffnung, Gefühle und behutsam eingeflochtene Weisheit.
(Ravi Karmalker)
| Titel | Ganz normale Helden |
|---|---|
| Buchautor | Anthony McCarten |
| Verlag | Diogenes Verlag, 2012 |
| ISBN | 978 3 257 803 297 |
| Preis | 29,90 Euro |
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