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Der Duft von Erde und Zitronen
Buchtipp vom 27. Juni 2012
Margherita Oggero ist in Italien vor allem für ihre Krimis bekannt. Nun hat sie ein Familiendrama geschrieben, aber auch hier schwingt eine deutliche Portion Krimi mit, denn ein 13-jähriges Mädchen muss sich vor der Mafia verstecken. "Der Duft von Erde und Zitronen", so der Titel, ist in ihrem Versteck verflogen, denn das Mädchen Imma ist fortan in der Wohnung einer Tante eingesperrt.
Die dreizehnjährige Imma hat etwas Schreckliches erlebt. Nun ist ihr die Mafia auf den Fersen. Drum ist sie aus dem Süden zu einer entfernten Tante im Norden Italiens geflohen. Aber kein Aufatmen, denn sie darf die kleine Wohnung nicht verlassen. Sie solle unsichtbar bleiben, schärft ihr die Tante ein, und auch wenn die Wohnung wie ein Gefängnis sei, lieber im Gefängnis als tot. Ok, die Tante nimmt kein Blatt vor den Mund, aber sie hat Recht: Die Mafia-Schergen lauern überall. Aber warum? Was hat Imma getan? Die Antwort darauf wird in "Der Duft von Erde und Zitronen" zuerst nur zögerlich aufgefächert, was in gewisser Weise auch Immas seelische Verfassung spiegelt: Die 13-Jährige versucht zu verdrängen. Nicht einfach in einer Wohnung, wo alle Uhren still zu stehen scheinen.
Das liegt auch daran, dass die eigentümliche Tante, wenn sue tagsüber das Haus verlässt, die TV-Fernbedienung mitnimmt. Und Bücher besitzt sie nicht. Imma kriegt bald Platzangst. Im Kleiderschrank der Tante findet sie einen Wohnungsschlüssel. Vorsichtig unternimmt sie kleine Streifzüge in die Stadt. Auf dem Markt trifft sie den Studenten Paolo, der Bücher verkauft. Eine Freundschaft bahnt sich an.
Imma im Exil. So die erste Ebene der Geschichte "Der Duft von Erde und Zitronen", die durch Rückblenden in die Vergangenheit ergänzt werden. Wir erfahren von Immas Leben in einem Dorf unweit von Neapel. Und wie ihre Mutter Melina sehr jung, mit 17 Jahren, Imma bekam.
Imma wächst ohne Vater auf, ihre Mutter leidet an Depressionen. Eines Tages muss Imma mit ansehen, wie ihre Mutter von einem Auto erfasst wird und am Unfallort stirbt.
"Der Duft von Erde und Zitronen" - klingt nach leichter Sommerlektüre, aber man merkt der Autorin Margherita Oggero an, dass sie aus dem Krimigenre kommt. So spitzt sie die Frage geschickt zu: Warum muss sich Imma vor der Camorra verstecken? Immas Situation bleibt über weite Strecken in einer unheilvollen Schwebe, und erst am Ende fügen sich die Erzählfäden zusammen: Im Dorf in Süditalien herrschen archaische Familienstrukturen und die Camorra hat das Sagen. Und in der Camorra hat Don Raffaele das Sagen.
Was genau Imma mit Don Raffaele zu tun hat, ob sie von seinen Handlangern aufgespürt wird, ob sie gar überlebt, das sollte man sich in der ungekürzten Lesung von "Der Duft von Erde und Zitronen" anhören. Es ist geschickt auf subtile Spannung hin komponiert, und die Situation einer 13-Jährigen auf der Flucht mit einfacher, gleichwohl eindringlicher Sprache sehr authentisch wiedergegeben.
(Ravi Karmalker)
| Titel | Der Duft von Erde und Zitronen |
|---|---|
| Buchautor | Margherita Oggero |
| Verlag | Radioropa, 2012 |
| ISBN | 978 3 836 806 428 |
| Preis | 22,95 Euro |
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