Mittwoch, 22.05.2013
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Bestsellercheck Oktober 2012
Sendung vom 10. Oktober 2012
Neue Romane von Stammgästen auf den Bestsellerlisten: eine gute Geschichte mit globalem Publikum, eine miese Provinzposse und ein bemerkenswerter Briefroman.
Dass es um dieses Buch den Hype des Jahres geben würde, war klar. Aber alle fragten sich: Kann J.K. Rowling auch schreiben, kann sie die Erwartungen erfüllen? "Ein plötzlicher Todesfall", aus dem Stand an die Spitze der Verkaufslisten gesprungen, beweist: Sie kann es, und zwar richtig gut.
Den unerwarteten Todesfall des Gemeinderates Barry Fairbrother nimmt J.K. Rowling zum Anlass, die Welt auf der Bühne der Kleinstadt Pagfrod zu erzählen. Peu à peu entfaltet sich ein Spannungsbogen, in dem es darum geht, wer Fairbrother war, wie Freunde und Bekannte zu ihm standen und was wohl mit seinem frei gewordenen Platz im Gemeinderat werden wird. Das ist sehr gekonnt angelegt und umgesetzt.
Ein Sittenportrait mit zwei Dutzend Hauptfiguren, tragisch, komisch, bissig, verschmitzt; ein Roman, der ganz offensichtlich gezielt für den globalen Markt geschrieben ist; ein durch und durch lesenswertes Buch.
Aus der Provinz, über die Provinz, für die Provinz, so könnte man die bedauerlicherweise immer hoch erfolgreichen Krimipossen der Münchener Rita Falk beschreiben. Dorfpolizist Eberhofer, ein verfressener Egoist, ermittelt Mordfälle, die sich in seiner Umgebung ereignen; was erlaubt, einerseits von dieser Umgebung und ihren Bewohnern zu erzählen, andererseits vom tumben Eberhofer und den Seinen selbst.
In "Griessnockerlaffäre" wird der verhasste Chef der Landshuter Polizei ermordet, man findet ihn mit durchschnittener Kehle, und Eberhofer, der im Clinch mit dem Toten lag, ist so lange verdächtig, bis er selbst alles aufklären kann. Bis dahin wie gehabt: Schlechte Witze, miese Pointen und ein Krimiplot, der diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient.
Immerhin: "Griessnockerlaffäre" ist am Ende so müde und lustlos runtergerschrieben, dass man hoffen kann: Vielleicht hat ja die Autorin selbst bald keine Lust mehr, sich selbst und die Bücherwelt mit solchem Bullshit zu quälen.
Empfang beim Bundespräsidenten, Wissenschaftler werden geehrt, es gibt tolles Essen und guten Wein - und ein alternder Schriftsteller verguckt sich in die Frau von einem Wissenschaftler. Er kriegt sich gar nicht mehr ein, aber eher von Gegenüber, von der anderen Tischseite, denn er kommt nicht richtig an sie ran. Tage später schreibt er ihr, der Theologieprofessorin, einen Brief, den sie prompt beantwortet, woraufhin er wieder schreibt - so dass es schließlich hin und her geht und her und hin.
Dass sich eine heftige, facettenreiche Affäre entwickeln kann, auch wenn man eigentlich bloß virtuell kommuniziert? Wer Martin Walsers aktuelles Buch "Das 13. Kapitel" gelesen hat, bekommt eine Ahnung davon, wie das gehen kann: leidenschaftlich, zugespitzt, mit aller nur verfügbaren Macht der Worte.
Ein Briefroman mit sehr leichten und luftigen Momenten und vielen Passagen, die von ihr mit dem Handy geschrieben sein sollen. Da wird's allerdings ein wenig unglaubwürdig: Wer würde schon mit seinem Smartphone ein Dutzend Buchseiten Text verfassen wollen?
(Ulrich Noller)
J.K. Rowling: Ein plötzlicher Todesfall
Carlsen, 2012; ISBN 978 3 551 588 883; 24,90 Euro
Rita Falk: Griessnockerlaffäre
Dtv Premium, 2012; ISBN 978 3 423 249 423; 14,90 Euro
Martin Walser: Das 13. Kapitel
Rowohlt, 2012; ISBN 978 3 498 073 824; 19,95 Euro
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