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Buchtipps  

Bestsellercheck August 2012

Elisabeth Kabatek und Paul Auster

Sendung vom 08. August 2012

So verschieden können die Welten der Bestsellersphären aussehen: Vom peinlichen "Spätzleblues" bis hin zum literarischen Genuss "Sunset Park" ist in diesem Monat alles in den Listen vertreten.

Nichts Neues ganz oben auf der Bestsellerliste: Schon seit Wochen regiert der Schwede Jonas Jonasson mit seinem Debüt "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" die Verkaufscharts. Die Geschichte eines alten Knackers, der aussteigt - und dabei eine Menge Abenteuer erlebt, während zugleich von seinem nicht minder abenteuerlichen Leben berichtet wird. Und ein Buch, das zwar durchaus auf Umsatz getrimmt ist, von dem man solch einen überragenden Erfolg aber nicht unbedingt erwarten konnte, ein echter Coup also.


Elisabeth Kabatek: Spätzleblues

Cover: Damenschuhe auf einem senfgelbem Sessel; Droemer Bild vergrößern

Spätzleblues

Lokalkolorit, sanft neurotische Charaktere, Klischees dicke und ein Titel, der irgendwie regional-kulinarisch klingt - das ist derzeit eine Erfolgsrezeptur auf dem deutschen Büchermarkt. Rita Falk hat's für Bayern vorgemacht - mit "Romanen" wie "Winterkartoffelknödel" oder "Schweinskopf al dente".

Jetzt stürmt Elisabeth Kabatek aus Stuttgart mit der schwäbischen Variante die Charts. "Spätzleblues" heißt ihr aktuelles Buch, und es erzählt aus der Welt einer Frau namens Line, die von sich glaubt, ein Katastrophen-Gen in sich zu tragen, so dass ihr im Leben alles schief gehen muss. Ihren Berufs-, Beziehungs- und Privatalltag verfolgen wir nach den üblichen Mustern, wobei hier halt die schwäbelnde Comedyromanvariante des klassischen Frauenromans geliefert wird.
Allerdings ist die Bezeichnung "Comedyroman" in diesem Fall eigentlich eher irreführend, denn die Witze sind hoch abgedroschen und die meist dünnen Pointen kommen so selten wie weitläufig. "Spätzeblues" ist absolut unoriginell, platt und unwitzig, und beim Lesen changieren die Rezeptionsgefühle zwischen Langeweile, Entsetzen und Fremdschämen: Wie, um alles in der Welt, kann sich jemand entblöden, solch unbeholfenen Bullshit zu fabrizieren und schließlich auch noch zu veröffentlichen?

Eines immerhin stimmt versöhnlich: Im Gegensatz zu Rita Falk, die immer wieder auf rassistische Klischees setzt, um ihre Umsatzzahlen hoch zu halten, zieht Elisabeth Kabatek im türkischen Strang ihrer Geschichte "die Ausländer" satt durch den Quark, ohne dabei auf fremdenfeindliche Muster zu verfallen. Na also, geht doch.


Paul Auster: Sunset Park

Cover: Schriftzug Sunset Park in großen Buchstaben; Rowohlt Bild vergrößern

Sunset Park

Der New Yorker Ausnahmeautor Paul Auster ist ein Bestsellergarant. Jeder seiner Romane landet direkt nach Veröffentlichung in den Verkaufslisten, was in diesem Fall aber nicht an der Mainstreamigkeit des Autors liegt, sondern an der Magie des Erzählens, die seine Geschichten ausstrahlen. Und New York, die Stadt der Städte, erlangt bei Auster noch einmal ein ganz eigenes Gesicht, einen eigenen Charakter.

In "Sunset Park" erzählt Auster - wie immer - von Protagonisten, deren Schicksale an irgendeinem Punkt der Geschichte verknüpft sind, und diesmal geht's im Kern um vier mehr oder minder junge Menschen, die ein Haus in der Nähe des gleichnamigen Parks besetzen, was für jeden der Vier aus verschiedenen Gründen unabdingbar ist, um sich überhaupt weiter durchs Leben schlagen zu können. Und so geht es dann unverwandt hinein in die Untiefen der amerikanische Gegenwart.

Paul Auster erzählt von den Menschen und ihrem Empfinden in der Krise, und er berichtet von einem auseinander fallenden, ja zersplitternden Großreich im Niedergang und von den Spuren, die dieser Prozess in den Seelenlandschaften der Menschen hinterlässt. Das ist ein amerikanisches Thema - aber auch ein globales.
Bei Kritikern und auch bei manchen Lesern ist Auster ja umstritten, weil man bei seinen Geschichten oft das Gefühl hat, es gehe stärker um formale Experimente denn um inhaltliche Erkenntnisse. In "Sunset Park" erzählt er eher geradeweg. So oder so - ist bei diesem eleganten, großen Autor jeder Satz ein derart einnehmendes Vergnügen, dass eine Seite Auster mindestens drei schlechte Bücher anderer Autoren wettmacht.
(Ulrich Noller)

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
Carl's books, 2011; 14,99 Euro

Elisabeth Kabatek: Spätzleblues
Droemer, 2012, 12,99 Euro

Paul Auster: Sunset Park
Rowohlt, 2012; 19,99 Euro



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