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Jeanette Erazo Heufelder

Der Blumenkrieger / Drogenkorridor Mexiko

Sendung vom 31. August 2011

Lateinamerika ist das zentrale Thema von Jeanette Erazo Heufelder. Die Ethnologin und Autorin aus Potsdam hat gerade zwei spannende Bücher veröffentlicht, die davon auf ganz unterschiedliche Weise zeugen.

"Der Blumenkrieger" – das Psychogramm eines ungewöhnlichen Mörders

Cover des Buches; Nordpark Bild vergrößern

Cover des Buches: "Der Blumenkrieger "

Eine Münchener Hinterhauswohnung. Ein Badezimmer. Eine ältere Frau in der Wanne. Ein junger Mann, der daneben steht. Plötzlich packt er einen Dolch und sticht zu, wieder und immer wieder. Als müsse er sich von einem Albdruck, von einem Dämon befreien, so scheint es fast.
Der Täter, das ist Ludwig Bücherl, er hat eine Leidenschaft für mexikanische Indianerkulturen, nennt sich auch Jujanani. Die Frau in der Wanne ist, oder besser, war seine Mutter. Eine Mutter, die ihren Sohn so sehr umklammerte, bedrängte und manipulierte, dass diesem schließlich anscheinend nichts anderes übrig blieb, als sich ihrer in Raserei zu entledigen, unter Zuhilfenahme indianischer Opferrituale. Die Frage ist: Wie kam es so weit? Und warum ausgerechnet auf die indianische Weise?

Jeanette Erazo Heufelder, geboren 1964, Mutter Deutsche, Vater Ecuadorianer, hat dieses wahre Ereignis aus dem Jahr 1920 für ihre Erzählung "Der Blumenkrieger" von Berlin nach München verlegt - und eine lesenswerte Reflexion über ein ganz spezielles Mutter-Sohn-Verhältnis daraus gemacht. Eine kleine, konzentrierte Geschichte, die auf engem Raum große Fragen von Schuld, Macht, Missbrauch und Verantwortung auslotet.

Die Autorin hat sich bislang mit Dokumentationen und Sachbüchern hervorgetan; "Der Blumenkrieger" ist ihr Debüt im literarischen Bereich, und man darf gespannt sein, was da noch kommen wird. Spannend zu lesen ist es übrigens auch deshalb, weil man an diesem Text im Vergleich mit einem anderen neuen Buch Jeanette Erazo Heufelders gut beobachten kann, wie sich die wissenschaftliche und die literarische Auseinandersetzung mit fremden Kulturen gegenseitig ergänzen können.

Jeanette Erazo Heufelder: Der Blumenkrieger
NordPark Verlag, 2011; ISBN 978 3 935 421 751; 11,- Euro


Eine Reportage aus dem Hinterland des Drogenkrieges

"Drogenkorridor Mexiko"; Rechte: Transit Verlag Bild vergrößern

Cover des Buches "Drogenkorridor Mexiko"

Fast zeitgleich und ebenfalls in einem kleinen Verlag ist der hoch spannende Reportageband "Drogenkorridor Mexiko" erschienen, in dem die Ethnologin die Erlebnisse und Begegnungen einer Reise protokolliert, die sie - unter teils abenteuerlichen und sicher nicht ungefährlichen Umständen - an einige der Orte unternommen hat, in denen der mexikanische Drogenkrieg tobt: Culiacan, Chihuahua, Ciudad Juarez.

Eine Frau besucht ihren im Gefängnis einsitzenden Mann - und verdient das Geld für die Reise, indem sie einen schwunghaften Handel mit Kinderklamotten zwischen den Städten betreibt. Ein Mann, der als Taxifahrer arbeitet, hupt niemals, wenn vor ihm ein Auto bei grüner Ampel einfach stehen bleibt. Schließlich kommt es vor, dass genau deswegen Menschen erschossen werden, von Killern der Drogenkartelle, die sich einen "Spaß" aus solchem Terror machen. Ein Gemeindevertreter verbiegt sich breit lächelnd bis zur Absurdität, um zu beweisen, wie hübsch und rein und normal in "seinem" Ort alles ist. Dabei nahm hier womöglich alles seinen Anfang. Die Tochter eines Narco-Dealers mischt einer Klassenkameradin synthetische Drogen ins Essen. Die Klassenkameradin stirbt, die Tochter wird nicht belangt, ebenso wenig die Eltern. Es reagiert in allen Fällen die Angst.


Jeanette Erazo Heufelder; Privat; Foto: Sylvio Heufelder Bild vergrößern

Die Autorin Jeanette Erazo Heufelder

Solche alltäglichen Geschichten sind es, die Jeanette Erazo Heufelder gesammelt, aufgezeichnet und zu einem "Reisebericht" der anderen Art kompiliert hat. "Drogenkorridor Mexiko" ist ein reiches, aufmerksam recherchiertes Zeitzeugnis, das die Geschichte und die Gegenwart des mexikanischen Drogenirrsinns angenehm unaufgeregt aufzeichnet und sich gerade deshalb packend liest. Das Portrait einer Gesellschaft, die zutiefst zerrissen, korrupt und traumatisiert ist - und die doch hier und da kleine Zeichen der Hoffnung sieht. Wer wissen will, was in Mexiko passiert, wie es dazu kam und was das alles mit den Menschen macht, der findet in diesem Buch Antworten.
(Ulrich Noller)

Jeanette Erazo Heufelder: Drogenkorridor Mexiko
Transit Verlag, 2011; ISBN 978 3 887 472 597; 19,80 Euro



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