Donnerstag, 23.02.2012

Suche im gesamten WDR Web

  • Tipps zur vergrößerten Ansicht
  • Alle WDR E-Mail Adressen von A bis Z
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • Inhaltsverzeichnis wdr.de
  • Hilfe
  • Audio


Hauptnavigation Funkhaus Europa


Partnersender


Banner Service


Sie befinden sich hier: > WDR.de > Funkhaus Europa >Service >Die Sommerlesetipps


Buchtipps Funkhaus Europa

Die Sommerlesetipps

Reisen im Kopf

Sendung vom 21. Juli 2011

Verreisen geht immer. Dann zumindest, wenn man die richtigen Bücher dabei hat. Die Romane nämlich, die einen zu Reisenden im Kopf, zu Reisenden der Phantasie machen. Hier kommen die Sommerlesetipps von Funkhaus Europa.

Petros Markaris: Faule Kredite. Ein Fall für Kostas Charitos

Cover des Buches; Diogenes Bild vergrößern

Ein Fall für Kostas Charitos

"Faule Kredite ist nicht nur ein Fall für den Athener Polizisten Kostas Charitos, sondern auch eine Reise mitten ins Herz der griechischen Krise: Männer, die mit dem Finanzmarkt zu tun haben, werden enthauptet vorgefunden; eine Rachephantasie, die es derzeit (nicht nur in Griechenland) vermutlich öfter gibt.
Charitos ermittelt, und Autor Petros Markaris nutzt die Gelegenheit, um den Leuten, die der Polizist hier und da und dort so trifft, aufs Maul zu schauen. Die Einen finden nach langen Jahren der Ausbildung keinen Job, weil nirgendwo mehr Geld ist, um jemanden einzustellen; die Anderen gehen Pleite, weil ihnen aufgrund neuer Richtlinien plötzlich Aufträge und Kredite gestrichen werden; die Dritten protestieren gegen das Hungereinkommen ihrer Minirenten nach zig Jahren Arbeit; die Vierten staunen, dass die Fünften sich immer noch dicke Porsche Cayennes leisten können - und das alles wird vom Autor sehr direkt, sehr bissig und sehr treffend in die Geschichte gepackt.
Wer wissen will, wie's stimmungsmäßig so aussieht bei den Griechen, der wird hier bestens informiert. Daneben ist "Faule Kredite" aber auch ein sommerlicher Unterhaltungsroman - samt Hochzeit im Familienkreis. Denn Charitos hat sich endlich breitschlagen lassen, seine einzige Tochter in das eigene Leben, das sie natürlich längst führt, zu entlassen. Vorher muss allerdings - mitten in der Krise - noch das opulente Hochzeitsfest gefeiert werden. Und das hat es wahrlich in sich.

Petros Markaris: Faule Kredite. Ein Fall für Kostas Charitos
Diogenes, 2011; ISBN 978 3 257 067 934; 22,90 Euro


Emilio Salgari: Sandokan. Der Tiger von Mompracem

Cover des Buches; Unionsverlag Bild vergrößern

Sandokan

So eine Krise macht den Alltag zum Abenteuer, im Guten wie im Schlechten, das zeigt der Roman von Petros Markaris. Richtige Abenteuer allerdings erlebt, wer mit Emilio Salgari nach Borneo und Malaysia reist. Salgari, der von 1862 bis 1911 lebte, der italienische Karl May, hat den berühmten Piraten Sandokan erfunden, der hier im südchinesischen Meer sein Unwesen treibt. Im Schweizer Unionsverlag ist das Taschenbuch jetzt neu erschienen, originalgetreu und versehen mit begleitenden Texten.
Der "Tiger von Mompracem" kämpft gegen die englischen Kolonisatoren, und er verliebt sich in die Nichte eines Gouverneurs. Die actionreiche, bunt ausgemalte Handlung ist erstmal zwar unterhaltsam, aber nicht wirklich überraschend. Bemerkenswert ist dagegen der Held Sandokan: Er entstammt einer einheimischen Fürstenfamilie, und er rächt sich mit seinem Piratendasein dafür, dass die Engländer seine Familie getötet und sein Reich geschreddert haben - aus rein machtpolitischem Kalkül. Und so liest man "Sandokan" letztlich als ein frühes Stück Imperialismuskritik am macht- und geldgeilen Westen. Das ist für einen Unterhaltungsroman aus dem 19. Jahrhundert äußerst bemerkenswert.

Emilio Salgari: Sandokan. Der Tiger von Mompracem
Unionsverlag, 2011; ISBN 978 3 293 205 284; 12,90 Euro


José Eduardo Agualusa: Barroco Tropical

Cover des Buches; A 1 Verlag Bild vergrößern

Barroco Tropical

Die Hinterlassenschaften der Kolonialvergangenheit sind - indirekt - auch bei José Eduardo Agualusa ein Thema, der zwar lange in Portugal gelebt hat, aber eigentlich aus Angola stammt, der ehemaligen portugiesischen Kolonie.
In seinem aktuellen Roman "Baroroco Tropical" entführt Agualusa ins Jahr 2020 und in die angolanische Hauptstadt Luanda, die er als flirrende, moderne, chaotische, korrupte Metropole zeichnet. Es geht um den Schriftsteller Bartolomeu Falcato, dem eines schönen Tages während eines Sturms das Model Núiba de Matos tot vom Himmel und vor die Füße fällt, mit dem nicht nur er, sondern auch die Präsidentin eine Affäre hatte. Der Überraschte wird geschockt zum Verfolgten, denn die Tote hatte Geheimnisse auszuplaudern, und er muss bald um sein eigenes Leben fürchten.
Die Hatz führt 24 hektische Stunden durch Luanda, und José Edurado zündet ein wahres Erzähl-Feuerwerk, das mit vielen Techniken und Tricks und Kniffen eine Vision der Zukunft Angolas zeichnet und dabei doch eine Bilanz seiner Gegenwart und Vergangenheit zieht. Dieser Roman ist prall und voll und barock, er protzt mit Formen und Figuren, und er schafft es dabei doch, auch mit den kleinen Geschichten in Erinnerung zu bleiben. Der zum Beispiel, in der Falcatos Geliebte, eine Sängerin, ihre Beziehung bei seiner Frau, der Psychologin aufarbeitet. Chaotisch, opulent, grandios.

José Eduardo Agualusa: Barroco Tropical
A 1 Verlag, 2011; ISBN 978 3 940 666 192; 22,80 Euro


Jan Costin Wagner: Das Licht in einem dunklen Haus

Cover des Buches; Galiani Bild vergrößern

Das Licht in einem dunklen Haus

Wer nach ausufernder Erzählpracht eher lakonische Reduktion sucht, der kann beim Lesen nach Finnland reisen und im neuen Buch von Jan Costin Wagner fündig werden. Wagner lebt teils bei Frankfurt, teils bei Turku, in der Heimat seiner Frau, wo seine Kriminalromane um den Kripopolizisten Kimmo Joentaa auch angesiedelt sind.
Der Fall: Jemand ist in ein Krankenhaus eingedrungen und hat eine dort liegende Wachkomapatientin umgebracht; ein weinender Mörder, denn auf den Laken der Toten wird jede Menge eingesickerte Tränenflüssigkeit entdeckt. Kurz darauf werden an verschiedenen Orten Finnlands Männer mittleren Alters getötet, und irgendwie scheint es zwischen diesen ganzen Taten und dem Wachkoma-Fall einen Zusammenhang zu geben.
Die Handlung, die Jan Costin Wagner sich da ausgedacht hat, ist eher schlicht; man ahnt bald, worum es gehen könnte. Was aber nichts ausmacht, denn "Das Licht in einem dunklen Haus" lebt weniger vom Plot als von der Personenzeichnung, vom Licht, von der Stimmung und von den Dialogen. Jan Costin Wagner erzählt reduziert und passgenau, dabei doch musikalisch und atmosphärisch; schon toll, wie es ihm gelingt, mit wenig Worten in kurzen Sätzen viel Raum und noch mehr Gefühl zu schaffen.
"Das Licht in einem dunklen Haus" ist ein Roman, der einen verstehen lässt, was Leser und Reisende an Finnland fasziniert, auch wenn die Geschichte mit Urlaub und Erholung nun wirklich gar nichts zu tun hat.
(Ulrich Noller)

Jan Costin Wagner: Das Licht in einem dunklen Haus
Galiani, 2011; ISBN 978 3 869 710 167; 19,99 Euro



Mehr Buchtipps


Jetzt im Programm

06.04 bis 10.00 Uhr
Cosmo

Vivian Perkovic

Moderation:
Vivian Perkovic

HÖREN

PLAYLISTS










Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Videogalerie



Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.