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Buchtipp: Dunkler Gefährte
Buchtipp vom 06. Januar 2010
So richtig glatt läuft's nicht für Banerjhee Rolf. Der Job weg,
weil die Firma von einer anderen übernommen wurde. Keine Chance auf
neue Arbeit, schließlich ist der indisch-stämmige Chemiker nicht
mehr der Jüngste. Und dann quengelt auch noch seine Frau; sie
möchte umziehen, weg aus dem ewigen Sommer Kaliforniens, hin ins -
für Banerhees Vorstellung - viel zu oft viel zu kalte Chicago,
wohin es beider Sohn zum Studieren verschlagen hat.
Gerade ist Banerjhees Frau in die Kälte gereist, um mögliche
Umzugsbedingungen zu erkunden, da rückt dem allein gelassenen
Arbeitslosen auch noch Toby Pride auf die Pelle. Der Nachbar der
Rolfs, ein mit Drogen dealender, tagelang Pornos guckender,
ansonsten von Daddys Zuwendungen lebender weißer Amerikaner hat
sich mit seiner Freundin Esma zerstritten; nackt schimpfen die
beiden an der Grundstücksgrenze aufeinander ein.
Banerjhee kann sich dem nicht entziehen, er wird zum Schlichter.
Und ehe er sich's versieht, sitzt er im Wohnzimmer der beiden. Wo
nach ein paar Minuten vor flirrenden Pornobildern die Geschichte
eine gänzlich unerwartete Wendung nimmt, als zwei bewaffnete
Gangster auftauchen und eine Schießerei vom Zaun brechen, die damit
endet, dass nur einer überlebt - Banerjhee Rolf. Der ab dem
Zeitpunkt ganz andere Probleme hat, als er jemals zu träumen gewagt
hätte.
Jim Nisbet, geboren 1947, der diese Geschichte erfunden hat, ist
ein Verkannter unter den amerikanischen Kriminalschriftstellern:
Einige Jahre lang hatte er keinen Verlag; seine Kriminalromane
führten lediglich als Übersetzungen ins Französische ein
öffentliches Leben. Mit "Dunkler Gefährte", der nicht nur den
amerikanischen, sondern neuerdings auch deutschen Lesern zugänglich
ist, hat sich das glücklicherweise geändert.
Wer lebt, wandelt immer nur einen Schritt vom Abgrund, und
Sicherheit gibt es nie, für niemanden - dieses viel beschworene,
oft erzählte Grundthema der Kulturgeschichte ergänzt Jim Nisbet um
eine aktuelle Variante, die fies grinsend mit den
gesellschaftlichen Realitäten der Zeit des Krieges gegen den Terror
spielt: Mag er moralisch auch noch so verkommen sein, der weiße
Durchschnittswestler fühlt sich von dem Anderen (mit der etwas
dunkleren Hautfarbe) bedroht, mag der auch noch moralisch integer
durch sein westliches Leben schreiten.
Die Grenze zwischen "Gut" und "Böse" wird in "Dunkler Gefährte"
nicht nur in Frage gestellt - sondern zum Spielball einer aus den
Fugen geratenen Realität, in der nicht die Vernunft über den
Fortgang von Ereignissen zu bestimmten scheint, sondern bloßer
Zufall. Das Resultat: "Dunkler Gefährte", scheinbar "nur" ein
kleiner Noir-Krimi, stellt eine große Frage: die nach der
Legitimität des ganzen kapitalistischen US-Systems. Und dieser
Frage, das wird schnell klar, ist rein rhetorischer Natur, denn die
Antwort ist klar: Nein, das System verfügt über keinerlei
Legitimität mehr. Es hat abgewirtschaftet.
Autor: Ulrich Noller
| Titel | Dunkler Gefährte |
|---|---|
| Buchautor | Jim Nisbet |
| Verlag | Pulp Master, 2009 |
| ISBN | 978 3 927 734 425 |
| Preis | 12,80 Euro |

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