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Süpermercado Süpersache

Bio-Baumwolle

Nur geträumt?

Sendung vom 09. Februar 2010

Ein Schild mit dem Aufdruck "Organic cotton"; Rechte: dpa

Alles Bio!?

Öko-Mode ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, LOHAS sei Dank. LOHAS beschreibt einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil. Die Textil-Industrie hat auf die neuen Bedürfnisse der Verbraucher reagiert und produziert auch Bio-Kleidung. Und ausgerechnet die ist nun in Verruf geraten.

Journalisten der Financial Times Deutschland berichteten im Januar über einen "groß angelegten Betrug mit angeblicher Biobaumwolle" aus Indien. Dort soll Biobaumwolle systematisch mit gentechnisch veränderten Pflanzen verunreinigt worden sein - und das widerspricht den strengen Bio-Richtlinien die die Internationale Vereinigung der Ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) für Ökologische Landwirtschaft festgelegt hat. Dennoch hatten zwei Zertifizierungsunternehmen aus Europa die Produkte mit dem Biosiegel ausgezeichnet. Betroffen sind kleine Textilunternehmen und große Firmen wie C&A, H&M und Tchibo.


Verunsicherung bei den Kunden

Zwar sind die indischen Behörden bereits im April 2009 auf den Fall aufmerksam und die genannten Zertifizierer entsprechend mit hohen Geldstrafen belangt worden, doch dem Endverbraucher nutzt das wenig. Die Kunden sind verunsichert. Ist die gekaufte Kleidung nicht mehr Bio? Sind die Sachen gar gesundheitsschädlich? Auf welche Siegel muss ich achten, um sicher zu gehen, dass es sich bei dem Pullover oder dem Schal tatsächlich um eine ökologisch korrekte Klamotte handelt?
Umweltverbände wie Greenpeace warnen vor einer unnötigen Panikmache, denn grundsätzlich sei davon auszugehen, dass Bio-Bauern und deren Produkte streng kontrolliert werden. Insbesondere jetzt nach der Diskussion um verunreinigte Biobaumwolle. "Schließlich handelt es sich nicht um eine tägliche Praxis von Betrug", so Kirsten Brodde, Journalistin und Autorin von Büchern wie "Saubere Sachen: Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt" und "Textil-Fibel".


Nicht gesundheitsschädlich!

Brodde betont, dass die diskutierte Biobaumwolle aus Indien zwar Spuren gentechnischer Veränderung in sich trage, dies jedoch für den Verbraucher keinen gesundheitlichen Unterschied mache. Im Gegenteil: Nach wie vor ist Biobaumwolle besser als herkömmlich angebaute Baumwolle, weil sie nicht mit Pestiziden bespritzt und Kunstdünger behandelt wurde. Immerhin, so Brodde, landet ein Viertel aller Pestizide weltweit nur auf Baumwolle.
Wer also weiterhin ökokorrekte Kleidung tragen will, kann das auch weiterhin guten Gewissens tun. Denn "nur weil möglicherweise Gentechnik drin steckt" bedeutet das nicht, dass "giftige böse Moleküle" in der Kleidung sind.


Siegel ist nicht gleich Siegel

Kunden, die genau wissen wollen, woher ihre als Bio deklarierten Sachen herkommen und wie diese produziert wurden, können dies an diversen Siegeln ablesen. Und genau das ist das Problem: Unglücklicherweise gibt es kein einheitliches Siegel für Ökomode, weil es in Deutschland noch keine gesetzliche Regelung darüber gibt, die besagt, was Bio ist und was nicht. Kirsten Brodde beklagt "einen Wildwuchs an Siegeln, die eben die Verbraucherorientierung unglaublich schwer macht".


Nicht Bio und nicht fair

Das weit verbreitete und bekannte Siegel "Öko-Tex Standard 100" klingt viel versprechend, zumal es auch noch Öko im Namen trägt. Jedoch ist dies irreführend, denn "Öko-Tex Standard 100" bedeutet nicht, dass verarbeitete Textilien aus umweltfreundlichen Rohstoffen hergestellt wurden. Die Firma "Öko Tex" legt lediglich Grenzwerte für Schadstoffe fest, die Allergien auslösen können oder gar krebserregend sind. Diese Grenzwerte beziehen sich jedoch nur auf die fertigen Textilien, nicht aber auf die Rohstoffe, die verwendet wurden. Das Siegel gibt also keine Hinweise darüber, ob beispielsweise die verarbeitete Baumwolle mit Pestiziden bearbeitet wurde und Gifte in die Umwelt gelangt sind. Außerdem ist "Öko-Tex Standard 100" kein Garant dafür, dass die Kleidung nicht durch Kinderarbeit bzw. in Sweatshops entstanden ist.


Fair, aber nicht unbedingt Bio

Zu den zahlreichen Bio-Zertifikaten gesellt sich ein weiteres: "Fairtrade". Vergeben wird es vom Verein TransFair. Im Focus stehen dabei fair gehandelte Erzeugnisse, die unter festgelegten fairen Bedingungen produziert wurden. Sprich: Die Arbeiter wurden fair bezahlt, Ausbeutung, Sklaven- und Kinderarbeit sind verboten. Jedoch bedeutet "Fairtrade" nicht, dass alle Produkte aus ökologischen Rohstoffen bestehen bzw. ökologisch verarbeitet wurden. Aber umweltverträgliche Produktionsweisen bekommen bei Fairtrade eine immer größere Bedeutung. Ökologische Mindestanforderungen sind mittlerweile wichtiger Bestandteil der Fairtrade-Standards.


Noch jung, aber das Siegel der Zukunft

Diejenigen, denen sowohl faire Arbeitsbedingungen als auch Umweltschutz am Herzen liegen und denen 100 Prozent Sicherheit nicht genug sind, können sich an dem GOTS-Siegel orientieren. GOTS steht für Global Organic Textile Standard und versteht sich als Mindeststandard für Ökokleidung. Das Siegel wird nur vergeben, wenn die Rohstoffe der Textilien aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen, darüber hinaus umweltfreundlich verarbeitet (wie Verpackung, Etikettierung) und sozial verantwortlich hergestellt wurden (keine Ausbeutung, Kinder- bzw. Sklavenarbeit). Schädliche Substanzen wie Formaldehyd sind genauso verboten wie gentechnisch veränderte Pflanzen. Schmuck und Accessoires dürfen weder Nickel, Chrom noch PVC enthalten. Auch wird der Export, Import und der Vertrieb der Textilien geprüft. Das bedeutet, dass alle Herstellungs-, Verarbeitungs- und Lieferprozesse genauestens dokumentiert und geprüft werden, bevor das GOTS-Siegel vergeben wird. Auch wenn es das GOTS-Siegel erst seit 2008 gibt, messen ihm Experten eine große Bedeutung zu, denn es ist quasi das Pendant zur EU-Ökoverordnung für Lebensmittel.



AutorIn: Sou-Yen Kim


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