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In guten wie in schweren Tagen

Sendung vom 26. Juli 2010

Nicht Hollywood ist die größte Traumfabrik der Welt, sondern Bollywood in Indien. Hier werden jährlich rund 900 Spielfilme produziert. "In guten wie in schweren Tagen", der im Kino unter dem Titel "Sometimes Happy, Sometimes Sad" lief, ist einer dieser Filme, eine Megaproduktion mit absoluter Starbesetzung wie Shahrukh Khan und Kajol, und mit allem, was man zu einem typischen Bollywood-Kinoerlebnis braucht.

DVD-Cover: In guten wie in schweren Tagen; Rechte: Alive Bild vergrößern

DVD-Cover: In guten wie in schweren Tagen

Dieser Film hielt sich über 6 Monate in den indischen Kinos und war in vielen anderen Ländern ein Riesener-olg. Er ist übrigens der erste indischen Film, der es in die US-Top-Ten geschafft hat. In Deutschland war er so erfolgreich, dass er hierzulande dem Bollywood-Kino die Tür geöffnet. Im Bonusmaterial der Blu-ray erzählt der Regisseur Karan Johar, dass Deutschland ein Vorreiter war, was den Einfluss Bollywoods in Europa angeht. Der Regisseur bekommt täglich etwa einhundert emails von Fans, und "davon kommen allein 60 aus Deutschland", wie er sagt.


Die Projektionsfläche unserer Sehnsüchte

Ein prachtvolles Anwesen irgendwo in Indien. Hier leben die Raichands. Familienoberhaupt ist Yash, ein traditionsbewusster autoritärer Industrieller. Er ist verheiratet mit der gütigen Nandini. Sie haben zwei Kinder, Rohan und Rahul, der bald die Geschäfte des Vaters übernehmen soll. Am Anfang ist das Leben der Raichands eine farbenprächtige Idylle, märchenhaft sorgenfrei, voller Liebe und ungemein beschwingt. Das sind die titelgebenden guten Tage, die so mitreißend inszeniert sind, dass man sich wünscht, Mitglied dieser Familie zu sein. Vor allem, wenn man erlebt, mit was für einer bedingungslosen Liebe Nandini ihren Kinder verbunden ist. Sie ist nicht einfach nur eine Mutter, sie ist die Verkörperung des Mythos Mutter an sich und wird schnell zur Projektionsfläche unserer Sehnsüchte. Auf den ersten Blick scheint vieles in diesem Film ziemlich kitschig zu sein.


Die Wiederentdeckung der Essenz des Kinos

Aber es ist kein Kitsch, es ist mehr, viel mehr. Nach einer Laufzeit von drei ein halb Stunden erkennt man, dass man mit "In guten wie in schweren Tagen" die Essenz des Kinos wieder entdeckt hat, den Stoff, aus dem die Träume sind, und selbst dabei geht es um weit mehr als nur um die bloße Flucht aus der Realität, das Versinken in einer verlogenen Heilen Welt. Hier ist nämlich nichts verlogen im negativen Sinn, vielmehr geht es um die Reinheit des Ausdrucks, die Wiedergeburt einer Naivität, die das Fühlen wieder fühlenswert macht. Die Zuschauer spüren hier, dass sie mit ihren fundamentalen Bedürfnissen, die mehr beinhalten als nur Unterhaltung, ernst genommen werden. Und das visuell und schauspielerisch auf hohem Niveau. Die Inszenierung hat Hollywood-Standard und geht sogar darüber hinaus, weil sie etwas schafft, was das westliche Kino immer mehr verliert: Magie.


Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Im Bonusmaterial der Blu-ray sagt der Regisseur Karan Johar dazu: "Es gibt nur wenige Filme, die uns zum Lachen, Tanzen und Weinen bringen. Indische Filme schaffen das, sie wecken alle möglichen Gefühle in uns, wie auf einer emotionalen Achterbahn. Am Ende ist man erschöpft, aber glücklich." Vor dem Happy End stehen aber die titelgebenden schweren Tage, und die beginnen damit, dass Rahul sich unsterblich in die wunder-schöne Anjali verliebt, ein einfaches Mädchen aus dem Volk. Die beiden heiraten, doch Rahuls konservativer Vater Yash findet diese Verbindung nicht standesgemäß, und so kommt es zum Bruch zwischen Vater und Sohn. Was nun folgt ist die emotionale Achterbahnfahrt, von der der Regisseur im Bonusmaterial erzählt. Vor fantastisch bizarren Kulissen wird man so gnadenlos durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt, dass einem schwindelig werden kann. Das ist intensives, perfekt inszeniertes Gefühlskino, bei dem kein Auge trocken bleibt und das eingebettet ist in mitreißenden Gesangs- und Tanzeinlagen.


Filminfos

In guten wie in schweren Tagen
Originaltitel: Kabhi Khushi Kabhie Gham / Sometimes Happy, Sometimes Sad (Indien 2001), ca. 210 Min.

Regie
Karan Johar

Schauspieler
Shah Rukh Khan, Kajol, Alok Nath, Kareena Kapoor, Jaya Bhaduri, Amitabh Bachchan, Rani Mukherjee, Hrithik Roshan, u.a.

Bildformat
Widescreen (2.35:1 - anamorph)

Tonformat
DTS HD Master Audio 5.1 in Deutsch
DTS HD Master Audio 5.1 in Hindi

Untertitel
Deutsch

Bonusmaterial
Making-of
Deleted Scenes
Interview mit Karan Johar
Kinotrailer



AutorIn: Francesco Tornabene


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