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Piazza  

Skandal um Hatun und Can e.V.

Sendung vom 01. März 2010

Tischschild mit der Aufschrift  Hatun und Can e.V.; Rechte: dpa Bild vergrößern

Wo ist das Geld?

Es hätte alles so schön sein können. Alice Schwarzer gewinnt eine halbe Million in einer RTL-Show und stellt die stolze Summe dem Frauennothilfeverein Hatun und Can zur Verfügung. Nach gewisser Zeit will sie Auskunft über die Verwendung des Geldes, bekommt aber keine Antwort, die sie befriedigt.

Schwarzer wird misstrauisch, fordert die Hälfte des Geldes zurück, erstattet Anzeige. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Veruntreuung des Geldes. Der beschuldigte Verein Hatun und Can sieht sich als Opfer einer üblen Intrige.


Der Leiter des Vereins Hatun und Can mit dem Pseudonym Andreas Becker versteht die Welt nicht mehr. Cent für Cent habe er nachgewiesen, wie das Geld aus der RTL-Spende verwendet wurde: Für ein Auto, für die Einrichtung einer Schutzwohnung, für Reisekosten, und der Rest, über 400.00 Euro, seien auf einem Tagesgeldkonto angelegt und täglich verfügbar.
Nicht allerdings im Moment, denn solange die Staatsanwaltschaft ermittelt, hat der Verein weder Zugriff auf das Konto noch auf das Auto. Das bringt Beckers Rechtsanwalt Hubert Dreyling in Rage. Alles sei eine Intrige eines anderen Frauen-Nothilfevereins, der neidisch auf die große Geldspende sei.

Dieser andere Verein ist Papatya, eine Anlaufstelle für Mädchen und junge Frauen, die von zu Hause geflohen sind. Seit 25 Jahren bietet Papatya in Berlin Beratung und Notunterkünfte mit psychologischer und sozialpädagogischer Betreuung.
Hatun und Can ist dagegen ein Verein von Ehrenamtlichen, der bedrohte Frauen aus der Familie herausholt und ihnen schnell und unbürokratisch eine Wohnung und Startgeld zur Verfügung stellt. Eine ideale Ergänzung, könnte man denken, doch Hatun und Can-Vertreter Becker sieht unüberwindbare Hürden: Während Hatun und Can bedrohte Frauen aus den Familien heraushole, schicke Papatya sie zum Teil nach einer gewissen Zeit wieder dahin zurück, wo sie geschlagen und zwangsverheiratet würden.
Unprofessionalität und Verantwortungslosigkeit wirft dagegen die Papatya-Leiterin dem Verein Hatun und Can vor. Man könne nicht unselbstständige junge Frauen einfach in eine leere Wohnung setzen und sie dann sich selbst überlassen.

Auch die Senatsstelle für Frauen steht dem Verein Hatun und Can mit großer Skepsis gegenüber, hatte sie doch versucht, den ehrenamtlichen Verein in das Berliner Frauennothilfenetzwerk einzubeziehen. Das sei aber an fehlender Transparenz und mangelnder Kooperationsbereitschaft gescheitert, so der Frauensenatssprecher Stefan Schulz.
Dem Senat seien sie gar keine Rechenschaft schuldig, sagt dagegen Hatun und Can-Chef Becker, da sie keine Fördergelder bekämen. Im übrigen könnten sie sich die Kooperationspartner - wie den Weißen Ring - selber aussuchen.

Und noch eines macht die Hatun und Can-Kritiker skeptisch: die Zahlen, mit denen der Verein operiert. Da ist von Tausenden die Rede, denen geholfen wurde, von etwa 1000 Hilfegesuchen pro Jahr. Der Verein Papatya, den es seit 25 Jahren gibt, hat etwa 600 Anfragen im gleichen Zeitraum. Seriöse Zahlen oder nur medienwirksame Erfolgsgeschichten? Das ist nicht nachzuweisen. In jedem Falle ist Hatun und Can in seiner Öffentlichkeitsarbeit recht erfolgreich gewesen. So erfolgreich, dass der Verein eine 500.000-Euro Spende von RTL bekommen hat. Viel Glück hat ihm das Geld bisher aber nicht gebracht.



AutorIn: Ursula Vosshenrich


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  • Audio: Skandal um Hatun und Can e.V
    Beitrag von Ursula Vosshenrich
    Piazza (01.03.10), 3'53


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