Dienstag, 07.02.2012
Sie befinden sich hier:
WDR.de
Funkhaus Europa
Sendungen
K'Naan
Sendung vom 29. Mai 2010
Eigentlich galt K'Naans 2. Album "Troubadour" schon als Flop - und sollte in Europa gar nicht veröffentlicht werden. Doch dann machte ein Limonadenhersteller den Song "Wavin' Flag" zur Titelmelodie seiner WM-Kampagne - und den 31jährige Somalier zum Shootingstar 2010.
Funkhaus Europa: Ihre aktuelle Bilanz: Neun Nummer-1-Platzierungen, auch in Deutschland, Auftritte in großen TV-Shows und Gastspiel bei der WM-Eröffnung in Johannesburg.. Wie empfinden Sie persönlich diese spektakuläre Entwicklung?
K'Naan: "Ich denke, für viele Leute ist das eine tolle Gelegenheit, einen Zugang zu mir zu finden - den sie sonst nie gehabt hätten. Denn bislang hatte die Mainstream-Pop-Kultur keine Ahnung, wer K´naan ist. Eben, bis die Menschen diesen Song zu hören bekommen haben, den sie wahrscheinlich noch lange mögen werden. Von daher ist es ein Gewinn für mich - und für sie."
Funkhaus Europa: Dabei machen Sie keinen Hehl daraus, dass Sie kein großer Fußballfan sind, die Diskussion um die Sicherheit in Südafrika als diskriminierend empfinden, und auch kein Freund kalorienreicher Limonade sind. Sie sagen es gehe Ihnen darum, als Afrikaner für Afrika zu singen, für Gastfreundschaft zu werben, und den Geist des Wettkampfs zu beschwören. Sind sie mit solch idealistischen Zielen nicht ein ungewöhnlicher Werbeträger?
K'Naan: "Ich halte das sogar für eine sehr merkwürdige Wahl. Und das habe ich ihnen auch gesagt. Aber: Merkwürdig ist ja nicht unbedingt schlecht. Sondern manchmal zeugt es von Charakter. Und ich finde es toll, dass sie nicht auf Nummer Sicher gehen, und einen Popkünstler nehmen, der nur sagt, was er soll. Sondern sie wussten, dass es interessant würde, wenn sie sich mit mir einlassen. Denn ich bin ja nicht ihr Angestellter. Mein Job ist es, einen großartigen Song zu singen, der der Welt das Gefühl von einem tollen Event und einem Moment der Einheit vermittelt. Das ist alles."
Funkhaus Europa: Wobei Sie keine Gelegenheit zur Imagepflege und -Korrektur Ihrer ostafrikanischen Heimat auslassen. Ein Land, dessen Geschichte bis 9000 v. Christi zurückreicht, das als eines der größten antiken Wirtschaftszentren galt und führend in der Architektur war. Ehe es von Kolonialherren ausgebeutet wurde, in einen blutigen Bürgerkrieg verfiel, und jetzt die negative Publicity der Piraten am Golf von Aden erlebt. Wie reagieren die Menschen in Somalia auf diese Umstände?
K'Naan: "Das Problem mit den Somaliern ist, dass sie als Menschen und Nation so stolz sind. Selbst wenn sie falsch behandelt werden, reagieren sie darauf nicht negativ und aggressiv. Nicht einmal als man Fässer mit nuklearem Abfall vor ihren Küsten abgeworfen hat. Und sie sind keineswegs stolz auf die Piraten. Sondern sie schämen sich dafür - sie mögen diese Kultur nicht, weil sie hart arbeitende Menschen sind. Aber sie stellen sich eben nicht hin, und verurteilen sie - denn es sind Landsleute, und die darf man nicht schlecht darstellen. Das ist das Konzept der Somalier."
Funkhaus Europa: Sie leben heute in Toronto und obwohl Sie kein gutes Haar an der schwachen Regierung in Mogadischu, den verfeindeten Warlords und den katastrophalen humanitären Verhältnissen lassen: Können Sie sich dennoch vorstellen nach Somalia zurückzukehren?
K'Naan: "Es ist einer meiner größten Träume, irgendwann wieder in diesem Land zu leben. Auch, wenn ich das Privileg und das Glück hatte, in anderen Teilen der Welt überleben zu können. Und es ist nett, zu touren, überall Anerkennung zu finden, und zu erfahren, dass meine Musik selbst an Orten wie Mexiko gehört wird. Aber gleichzeitig habe ich eben noch nie in meinem eigenen Land gespielt. Was mich sehr traurig macht."
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.