Donnerstag, 11.03.2010
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VAMPIRE WEEKEND im Funkhaus Europa-Interview
Mit ihrem Debüt 2008 sorgten Vampire Weekend vor allem für Irritation: Vier Jungs aus Brooklyn, die einen ungewöhnlichen Mix aus World Beat und Indie-Pop servierten - und denen trotzdem ein globaler Achtungserfolg gelang. Dem lassen sie nun ihr zweites Werk "Contra" folgen - und erleben prompt das nächste Missverständnis: Als sogenannte "rich kids", denen ihre Karriere quasi in den Schoss gefallen ist. Wogegen sich Sänger Ezra Koenig vehement zur Wehr setzt:
E.K.: "Es gibt Leute, die uns auf positive wie negative Weise zu analysieren versuchen. Leider habe ich das Gefühl, dass uns nur wenige akkurat beschreiben. Und das liegt an dieser Mentalität, alles in eine Kategorien stecken zu wollen. Was ein unglaublich eingeschränkter Blickwinkel ist."
Ezra Koenig sieht sich mit Etiketten wie "Upper West Side Soweto" konfrontiert, die Vampire Weekend als New Yorker Oberschicht-Kids diskreditieren sollen. Und das vor allem wegen Ezras Vorliebe für bunte Polo-Shirts, Pullunder und Hemden.
E.K.: "Es ist mein Gott gegebenes Recht, mich wie ein reicher Schnösel zu kleiden, wenn ich das will. Und ich liebe es, in 2nd Hand Läden zu gehen und alte Lacoste-Shirts und Brooks Brothers-Hemden zu kaufen. Diese Sachen interessieren mich allein unter einem modischen Aspekt. Und ich finde die Vorstellung, dass sich deine Kleidung danach richten sollte, wie viel Geld du hast, absolut lächerlich. Das würde ja bedeuten: Bist du nicht reich, kannst du auch keine Polo-Shirts tragen."
Der Stilmix aus westafrikanischen Beats und Pop setzt sich auf "Contra" konsequent fort, wenn auch angereichert mit südamerikanischer Folklore und mehrstimmigen Harmonien.
E.K.:"Ich hatte Angst, dass wir ein Album machen, das ähnlich wie das erste ist - nur schlechter. Einfach, weil das oft vorkommt. Aber als wir damit anfingen, hatten wir so viele neue Ideen, haben so viel neue Musik gehört und neue Produktionsideen entwickelt, dass alles wie von selbst passiert ist. Insofern würde ich sagen, wir haben etwas gemacht, das zwar mit unserem Debüt verbunden ist, aber doch ganz anders klingt."
Ezra betont, das der Vampire Weekend-Sound eben kein cleveres Kalkül und auch kein Gimmick ist, sondern eine Reflektion des Schmelztiegels New York, dessen kulturelle Vielfalt sie verinnerlicht haben. Pop-Musik fürs 21. Jahrhundert für weltoffene Menschen. Was sich in ihrer Live-Show fortsetzt, die sie Mitte Februar erneut nach Deutschland führt.
E.K.:"Wenn du ein Konzert geben kannst, bei dem die erste Reihe aus kreischenden Teenagern besteht, aber dahinter viele Leute jeden Alters und Geschlechts stehen, dann machst du etwas richtig. Ich bin stolz, dass unser Publikum so gemischt ist. Pop-Musik muss nun mal von möglichst vielen Leuten gemocht werden."
Kein missionarischer Eifer oder bedeutungsschwangere Botschaft: Vampire Weekend geht es um ihre Musik, und sie genießen jede Minute ihres Erfolgs. Wohl wissend, wie vergänglich er ist. Ezra und Co. haben bereits Plan B in der Tasche: Sämtliche Bandmitglieder haben ein Studium an der Columbia Universität abgeschlossen. Ezra in Englisch und Philosophie.
E.K.: "Wir wissen, dass wir großes Glück haben, professionelle Musiker zu sein. Und vielleicht machen wir das ja bis ans Ende unserer Tage. Das hängt aber nicht allein von uns ab. Sollte ich je einen Job annehmen müssen, würde es mich durchaus reizen, zu unterrichten. Wobei ich mir auch andere Sachen vorstellen kann. Vielleicht gehe ich ja selbst wieder zur Schule."
(Ein Interview von Marcel Anders)
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