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Funkhaus Europa
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Charlotte Gainsbourg im Funkhaus Europa-Interview
Sendung vom 12. Dezember 2009
Eigentlich ist Charlotte Gainsbourg Schauspielerin. Und zwar eine sehr erfolgreiche. Die Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin hat in über 30 Filmen mitgewirkt. Zuletzt in Lars von Triers "Antichrist", wofür sie bei den Festspielen in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. Was der zierlichen Französin scheinbar nicht genug ist: Sie versucht sich auch als Sängerin. Und - macht da, das zeigt ihr 3. Album "IRM", das in Zusammenarbeit mit Beck entstand - ebenfalls eine hervorragende Figur. Marcel Anders traf sie in Berlin und fragte sie erst einmal, welchen Stellenwert die Musik für sie im Vergleich zur Schauspielerei hat.
C.G.: "Ich würde mich selbst nie als Musikerin bezeichnen. Einfach, weil ich nicht in der Lage bin, Dinge alleine zu machen. Von daher schätze ich mich glücklich, dass ich Leute treffe, die ich bewundere. Und die Tatsache, dass sie mit mir arbeiten wollen, macht mich geradezu sprachlos. Ich meine, ich habe einen solchen Respekt vor Beck, dass ich das wirklich sehr genieße. Für mich ist es etwas ganz Besonderes."
Die 13 Stücke auf "IRM" sind ein Grenzgang aus amerikanischem Indie-Rock und klassischen französischen Chansons, wirrem Lo-Fi und großem Orchester-Pathos. Dargeboten von erstklassigen Studio-Musikern und mit viel Hang zum Avantgardistischen und Experimentellen. Was sich in den Texten fortsetzt, in denen Charlotte über Auftragskiller, Pusteblumen und Magnetresonanz-Tomographien, sogenannte MRTs, sinniert. Denen musste sie sich vor zwei Jahren nach einem schweren Unfall unterziehen - und erlebte dabei eine faszinierende Maschinen-Klangwelt:
C.G.:"Wenn du ein MRT machen lässt, hörst du einen klopfenden, aber auch einen merkwürdigen rhythmischen Ton, der ständig variiert. Du denkst die ganze Zeit, dass du darauf irgendwie reagieren solltest. Einfach, weil es so intensiv ist - also ein ziemliches Erlebnis. Und zudem noch ein sehr langes."
Genau wie ihre Mutter Jane Birkin, die ebenfalls als Sängerin aktiv ist, versucht sich die 38jährige Charlotte aus dem Schatten ihres Vaters zu lösen. Der große Chansonnier und Lebemann Serge, der 1991 an Herzversagen gestorben ist und dessen Schaffen als derart innovativ und wegweisend gilt, dass man ihm eigentlich nicht entkommen kann. Ist das vielleicht auch ein Grund, nicht auf französisch, sondern auf englisch zu singen?
C.G.: "Ich bin sehr kritisch, was das Französische betrifft. Und dann ist da noch dieses Gefühl, dass ich es gar nicht besser machen könnte als mein Vater. Das lähmt mich regelrecht. Was das Französische betrifft, erinnert mich wirklich jedes Wort, mit dem ich aufwarte, an einen Song, den er bereits geschrieben hat. Das macht es sehr schwierig."
Was nicht heißt, dass sie sich rigoros von ihrem Vater distanziert. Im Gegenteil: Sie ist stolz auf das kontroverse Genie, das nur 62 wurde. Gibt unumwunden zu, dass sie so schüchtern ist, weil er so extrovertiert war. Und schwärmt von seiner Musik genauso wie von seinen verbalen Ausrutschern, seinen Frauengeschichten, seinen legendären Exzessen und seinen skandalträchtigen Filmen. Selbst, wenn Mama und Papa mitunter ziemlich explizit zur Sache gingen.
C.G.: "Ich habe "Je t´aime… moi non plus" gesehen als ich 18 war - und ich habe es geliebt. Ich mag alles, was sie gemacht haben. Auch, wenn ich sehr kritisch bin. Ich schätze die Tatsache, dass ihre Filme wirklich originell waren."
Filme wie "Antichrist" und Alben wie "IRM" doch vorsichtige Schritte in eine subversive und anarchische Richtung. Weg vom Image der braven Künstlertochter, die mit zwei kleinen Kindern und Dauerfreund Yvan in Paris lebt, und fast gutbürgerlich ist. Die immer höflich und zuvorkommend wirkt - und eine ganze Reihe von Komplexen aufweist. Insofern ist es für sie schon ein großes Abenteuer, demnächst eine erste Tournee als Sängerin zu unternehmen. Sobald es ihre Verpflichtungen beim Film, aber auch in der Familie zulassen. Denn zunächst einmal wird bei Gainsbourgs Weihnachten gefeiert - und zwar nach Vorbild ihrer britischen Großmutter, Judy Campbell.
C.G.: "Es wird sehr traditionell - wie bei Engländern üblich. In Frankreich feiert man Weihnachten ja schon am Abend des 24., während es in Großbritannien erst am 25. zur Mittagszeit begangen wird. Der Weihnachtsmann kommt hier also über Nacht, und du öffnest deine Geschenke am nächsten Morgen - und beim Mittagessen mit der Familie. Dabei versuchen wir immer alle in einem Haus zu sein. Entweder in London oder bei meiner Mutter in der Bretagne. Da werden wir dieses Jahr feiern."
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