Dienstag, 09.02.2010
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Manu Chao zum neuen Album "La Radiolina"
"Ich bin ständig unterwegs. Von daher weiß ich auch nicht, wie es ist, anzuhalten und für längere Zeit am selben Ort zu bleiben. Ich habe das auch nie als Problem empfunden. Klar, war das Reisen jahrelang eine echte Sucht. Vielleicht ist es das immer noch. Aber ich mag es."
Er ist Frankreichs etwas anderer Popstar: José-Manuel Thomas Arthur Chao, besser bekannt als Manu Chao. Ein Revoluzzer, Aussteiger und Weltverbesserer, der in den 80er Jahren mit der Pariser Band Mano Negra zum Volkshelden wurde - und später mit "Bongo Bong" einen richtigen Welthit landete. Einen Status, den er bis heute nutzt, um die Großen, Reichen und Mächtigen zu ärgern. Sei es auf seinem neuen, dritten Solo-Album "La Radiolina" oder im Globalista-Gespräch, das eigens in Philadelphia stattfinden musste - weil Manu so busy ist. Und weil er seit der Ernennung von Nicolas Sarkozy erst einmal keinen Fuß mehr auf französischen Boden setzen will.
"Die Franzosen haben diesen Typen gewählt, das muss man respektieren. Aber ich fürchte, da kommen harte Zeiten auf uns zu. Ich lebe ja schon ein paar Jahre in Spanien, und da mussten wir unter unserem eigenen Sarkozy leiden - der Aznar-Regierung. Die hat jeden, der anders denkt, wie einen Terroristen behandelt. Und das blüht nun auch Frankreich. Die werden dort dasselbe Problem bekommen wie Italien mit Berlusconi. Die Wahl von Sarkozy ist der Beginn einer französischen Berlusconi-Epoche. Und die wird nicht leicht."
Mit seiner Band Radio Bemba tingelt er durch Bars, Clubs und Stadien, produziert Freunde wie Amadou & Mariam, unterhält einen Radiosender in Buenos Aires und sucht das Paradies auf Erden. Aber:
"Ich habe noch keinen Ort gefunden, wo alles gut ist. Und ich wäre so froh darüber. Aber er existiert nicht. Egal, wo ich auch bin - ich bin umgeben von Problemen. Und deswegen versuche ich die Tatsache zu nutzen, dass mir so viele Leute zuhören. Eben, in dem ich sage, was ich sehe - und wie sich die Dinge verändern müssen."
Manu Chao kämpft als Umweltschützer, Globalisierungs- und Kriegsgegner und G8-Kritiker. Live 8 und Live Earth hat er aber dankend abgelehnt - und lässt sich auch nicht von Politikern und Organisationen einspannen. Er verfällt weder ins Predigen noch in schnöde Propaganda, sondern offeriert konkrete Lösungsansätze. Zwar betont simpel, aber vielleicht gerade deshalb umso effektiver:
"Ich denke, dass wir etwas verändern können. Das sage ich - und daran glaube ich auch. Wir können zum Beispiel bei uns selbst anfangen, bei unserem Denken, unserer Familie, unserer Nachbarschaft. Wir alle haben einen Nachbarn. Und vielleicht mag er dich nicht, oder hat nicht dieselbe Meinung wie du, aber du musst doch eine Brücke zu ihm finden. Fang klein an - das ist es, was ich glaube. Und darin lege ich meine Energie. Eben in lokale Sachen, statt irgendwelche großen Dinge."
Eine Kombination aus Bescheidenheit und Sendebewusstsein, die ihn zum Liebling der "roten" Staatschefs von Südamerika macht - Castro, Chavez und Morales laden ihn regelmäßig zu Konzerten ein. Und haben ihn dadurch zum größten Popstar zwischen Montevideo und Havanna gemacht, der vor Hunderttausenden von Zuschauern auftritt. Doch bei aller Popularität - Manus Lifestyle scheint das bislang nicht zu beeinträchtigen.
Manu Chao: "Ich esse in der Bar, schaue mir da Fußballspiele an, lese meine Zeitung, und beteilige mich am Leben auf der Straße."
"Das ist kein wirkliches Problem. Das wäre es nur, wenn ich nicht mehr auf der Straße leben könnte. Denn die liebe und brauche ich. In Barcelona, wo ich viel Zeit verbringe, gehe ich nur zum Schlafen nach Hause. Ich esse in der Bar, schaue mir da Fußballspiele an, lese meine Zeitung, und beteilige mich am Leben auf der Straße. Wenn du zu berühmt wirst, ist es natürlich schwer, da abzuhängen. Aber momentan ist es kein Thema. Die Leute erkennen mich zwar, aber sie respektieren mich. Dafür bin ich sehr dankbar."
Obwohl Manu immer wieder in die Rolle des Polit-Aktivisten schlüpft - sein Ausdrucksmittel ist und bleibt die Musik. Da beschwört er genau die multikulturelle, offene Gesellschaft, die in der Realität nicht existiert. Mit einem World-Beat, der wild zusammengewürfelt ist, mit einer Extraportion Lebensfreude - und garniert mit Texten in allen relevanten Sprachen dieser Welt. Das globale Dorf, gesungen und gelebt in 16 Stücken.
"Auf diesem Album habe ich einen Song in Italienisch. Ich habe zuletzt ein bisschen Zeit in Italien verbracht - und da auch Songs geschrieben. Klar, haben mir meine Freunde mit einigen Ausdrücken geholfen, aber ich bin Stolz, dass ich jetzt mein erstes kleines Stück auf Italienisch habe. Das ist ein Anfang. Und ich hoffe, eines Tages schreibe ich auch einen auf Deutsch. Dafür muss ich aber erstmal die Möglichkeit haben, da entsprechend Zeit zu verbringen, und genug zu lernen."
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