Dienstag, 07.02.2012
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Funkhaus Europa
Sendungen
Whitefield Brothers
Sendung vom 13. Februar 2010
"A World-Psych-Masterpiece" - das hat die US-Plattenfirma "Now
Again" aufs Cover der CD "Earthology" von den Whitefield Brothers
geschrieben. Viele denken bei diesem Namen wahrscheinlich, hinter
"Whitefield" verberge sich ein schwarzes Funk-Soul-Projekt. Nicht
ganz: Jan und Max Weißenfeldt kommen aus München und sind bekannt
durch ihre Rarefunk-Band Poets Of Rhythm. In den vergangenen acht
Jahren haben unter sie ihrem zweiten Namen The Whitefield Brothers
immer wieder Studiosessions veranstaltet und dafür Musiker wie
Quantic alias Will Holland, Rapper wie Edan und Mr. Lif, sowie die
Sängerin Bajka eingeladen. Eine wirklich weltumspannende Sache,
denn auf jedem Track gibt's musikalisch eine andere
Himmelsrichtung. Die Weißenfeldt-Brüder sind weltweit vernetzt mit
befreundeten Musikern aus der Soul- und Afrobeat-Szene wie den Dap
Kings, Antibalas oder auch Malcom Catto's Heliocentrics aus New
York und London. Max Weißenfeldt lebt seit vier Jahren in
Berlin.
Stefan Müller hat ihn für die 5Planeten in seinem Kreuzberger
Studio besucht, inmitten einer imposanten Szenerie dutzender
Perkussionsinstrumenten aus aller Welt.
Die Sache mit dem Namen "Whitefield-Brothers" hat folgende Bewandtnis: Jan und Max Weißenfeldt wollten sich in der abgeschotteten Welt der Soul- und Funk-Plattensammler, die nach raren 45'er Singles suchen, einen Namen machen. Man nahm also Musik auf, die so klang als wäre sie in den 70ern produziert worden. Man presste die Musik auf Single-Schallplatte, schrieb den Namen "Whitefield Brothers" drauf - und hoffte, die Fangemeinde würde glauben, das sei ein Original aus den 70ern... Also ein echter "Fake". Max Weißenfeldt erzählt uns, warum sein Projekt in Deutschland noch relativ unbekannt ist.
Die Idee hinter dem Album "Earthology" war, eine Art Patchwork aus Sounds und Idee zu schaffen. Das sagen die Whitefield Brothers und schöpfen dabei aus einem guten Fundus von Kontakten weltweit. Schlagzeuger Max war zum Beispiel mit der legendären Ethno-Jazzband Embryo auf Tour. Nun schlägt er zusammen mit Bruder Jan einen transkontinentalen Bogen von Afrika ("Safari Strut", "Sad Nile", "Lullaby for Lagos") über Asien ("Taisho", "Alin") und den Orient ("Pamukkale", "Sem Yelesh") in die USA. Fertig sind 13 Tracks mit immer neuen Instrumenten und Ideen.
Man hört es dem Album "Earthology" an: es klingt wie in einem
Durchgang live aufgenommen. 2001 haben Jan und Max in New York ihre
erste LP unter dem Namen "The Whitefield Brothers" aufgenommen: Die
Platte "Raw-Funk” war seinerzeit bahnbrechend, denn sie holten den
Afrobeat aus der Versenkung und mischten ihn mit den trockenen
Funk-Beats der Meters oder JB's.
"Earthology” wurde nun wieder vor allem in New York verwirklicht
mit Musikern der dortigen Soulszene um die Dap Kings (Sharon Jones)
und El Michels Affair, der Afro-Beatband Antibalas, dem Münchner
Bläser-Kollektiv Express Brass Band und dem britischen Tausendsassa
Will Holland alias Quantic. Man mag es roh und am liebsten live.
Deshalb werden die Whitefield Brothers auch wieder auf Tour gehen,
zuerst nach Osteuropa, Budapest steht auch auf dem Kalender. Max
wünscht sich mehr live gespielte Musik im Zeitalter des Internets
und der Musikblogs.
Auf dem ersten Track des Albums "Earthology" ist die Sängerin Bajka zu hören ("Joyful Exaltation"), die auch schon bei den Poets Of Rhythm auf der Bühne stand. Bajka hat gerade ihr Soloalbum "In Wonderland" veröffentlicht. Sie ist in einem indischen Tempel geboren und die Tochter von Uwe Müllrich (Embryo/Die Dissidenten). In München schloss sich dann der Kreis.
Die wichtigste Verbindung in die USA kam über die Crew um DJ Shadow und die Westcoast-Szene um die Plattenfirmen "Stones Throw", sowie das Unterlabel "Now Again" von Egon alias Eothen Alapatt zustande. Der Mann aus Los Angeles hat eine Vorliebe für Afrobeats und rauen Funk sowie psychedelische Sounds aus aller Welt. Er hat auch die Kontakte zu zahlreichen Underground-Rappern hergestellt - auf "Earthology" sind Edan, Mr. Lif alias Jeffrey Haynes aus Boston, Med sowie Percee P vertreten. Zumindest auf den beiden Tracks "The Gift" und "Reverse" gibt's eine gute Portion Consciousness...
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