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5Planeten  

TY

A Special Kind Of Fool

Sendung vom 17. Juli 2010

Ein aus Holz geschnitztes Haupt, durchbohrt mit Drähten, rostigen Nägeln und alten USB-Kabeln als Kopf-und Barthaar, und natürlich die markante, schwarze Brille zieren das Cover mit rotmeliertem Hintergrund. Der Londoner Rapper TY wird hier auf seinem vierten Album "Special Kind Of Fool" als "Nkonde", als afrikanisches Nagelgötzenbild, unsterblich gemacht. Zurecht, denn der Brite mit nigerianischem Blut gilt nicht nur auf der Insel als einer der bedeutendsten MCs und großen Verfechter der europäischen HipHop-Szene. 5Planeten-Reporterin Rebecca Nowak hat sich mit dem engagierten Reimtalent vor seinem Konzert bei "Beatpackers LIVE!" in Köln über sein musikalisches Schaffen, seine Inspiration und die Entwicklung der HipHop-Kultur unterhalten.

; Rechte: BBE Records Bild vergrößern


Album No.4: Special Kind Of Fool

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Das ganze Album "Special Kind Of Fool" schreit förmlich nach Handwerkskunst. Mal abgesehen vom Cover Art ist im Besonderen die Produktionsweise dieser Songsammlung echte Kunstfertigkeit. Mit Hilfe seines stetigen Co-Produzenten und Freund Drew Horley meldet sich TY nun nach knapp vier Jahren kreativer Schaffenspause in der HipHop-Community zurück und weiß zu überraschen: der Klang von ausgetüftelten HipHop-/RnB-Beats und Soul-Samples aus dem Synthesizer gepaart mit allerhand Live-Instrumenten schmiegt sich wie ein lauer Sommerwind an die ehrlich gerappten Worte TYs und offenbart sich dem Hörer als eine erwachsengewordene Version seiner Vorgängeralben "Awkward" (2001), "Upwards" (2004) und "Closer" (2006). Der Grund: er hatte Zeit. Und er hat diesmal nur auf sein Gefühl gehört. Zum ersten Mal hat TY alle Songs auf einer Platte in Verbindung zueinander gebracht. Sie erzählen eine Geschichte und bauen aufeinander auf. "Ob persönlich oder nicht, 'Special Kind Of Fool' ist ein Album für die Leute", sagt der MC, der sich nicht nur als britischer Rapper sieht, sondern in erster Linie den europäischen HipHop repräsentiert.


Lyrische Inspirationsquelle: Real Life!

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TY war Anfang bis Mitte der 90er in der Londoner Breakdance-Szene und der Ghetto Grammer Organisation aktiv. Hierdurch entdeckte er seine Liebe zu Spoken Word Poetry und wurde schließlich unter dem Einfluss von z.B. Mastermind Stevie Wonder, Rapper Andre3000 von Outkast oder auch von der britischen HipHop-Band Hijack zum Rapper und Soundbastler. Er ist ein scharfsinniger und wachsamer Beobachter seiner Umwelt, der das Gesehene und Erlebte unverschont und unverblümt in poetische Vierzeiler umwandelt. Dabei ist es besonders die Unklarheit oder Verwirrung über etwas, das ihn zum Schreiben bewegt. TY sieht sich allerdings nicht als Kommentator, "es ist einfach gesunder Menschenverstand, ein Bewusstsein für das, was in der Welt passiert", sagt TY selbstsicher, für den HipHop sozusagen das Ausdrucksmittel seiner Persönlichkeit ist.


Kollaborationen

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Auf dem 15-Track-starken Album "Special Kind Of Fool" findet sich kein einziges Lied, das nicht mindestens einen Feature-Artist mit an Bord hat. "Im Endeffekt macht man doch nie ein Album ganz allein, es sind immer viele Menschen daran beteiligt", stellt TY fest, dem die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Instrumentalisten und Sängern überaus wichtig ist. Zählt man den Albuminterpret dazu, werden insgesamt 17 Künstler auf dieser frischen Scheibe vereint - und das sind nur die, die explizit in der Trackliste erwähnt werden. TY versteht sich als musikalischer Konduktor, als Klebstoff, der alle Elemente zusammenhält. Durch die Wahl seiner Gäste wird das Album zum Treffen der britischen Musikelite und verbindet so die verschiedendsten Varianten aus Soul und RnB (Leo Ihenacho, Roses Gabor, Wreh-Asha, Carroll Thompson, Shaun Escoffery und Terri Walker), Jazz (Soweto Kinch, Sarina Leah, Anthony Mills, Finn Peters), Elektronischem (Corey Mwamba, Robin Mullarkey), Rap (Sway, D-Cross, Erik Rico) und Klassik (Vula Malinqa). "Jeder Song hat ein Orchester", sagt TY. Ohne eine gewisse persönliche Basis geht da allerdings nichts: "Wenn ich mit Dir nicht an einem Tisch sitzen kann, dann kann ich auch nicht mir Dir zusammen Musik machen, es geht hier nicht um große Namen, die Leute müssen verstehen, was ich mit meiner Musik erreichen will" - man merkt, der MC hat klare Vorstellungen. Auch in der Vergangenheit hat der Londoner schon mit namhaften Musikern kollaboriert: allen voran Afrobeat-Drummer Tony Allen. Die beiden featureten sich gegenseitig auf ihren Alben ("HomeCooking" und "Upwards") und standen gemeinsam auf der Bühne. "Diese Verbindung war für den eruopäischen HipHop damals sehr wichtig", meint TY, der gern noch mal mit dem legendären Schlagzeuger aus Lagos gemeinsame Sache machen würde. Obwohl er im Prinzip nicht viel von Wiederholungen hält, da sich jeder individuell weiterentwickelt. Ein großer Kandidat auf seiner Wunsch-Kollabo-Liste ist sein Held aus Kindertagen: Stevie Wonder. Er hat aber auch andere interessante Künstler im Visier, von denen er aber noch nichts verraten will. Hin oder her, in der Musikszene gibt es immer Kollaborationen, man schaue sich nur mal den Jazz an. Und genauso betrachtet auch TY seine Arbeitsweise - mit einer Jazz-Ästhetik.


Die Singles „Emotions“ & „Heart Is Breaking“

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Schon als TY das Lied "Emotions" aufnahm, war klar, dass dieser Song auf dem neuen Album erscheinen wird. Letztendlich wurde es sogar die erste Singleauskopplung. Mit Sarina Leah, einer Jazz-HipHop-Sängerin, und Shaun Escoffery, ein Sänger aus dem Soul- und RnB-Lager, holte sich TY britischen Support dazu. "Emotions ist ein 100%iger HipHop-Track, der durch die beiden Vokalisten einen souligen Anschliff bekommt, es ist ein gelungener, tanzbarer Song", meint TY. Die nächste Single heißt "Heart Is Breaking". Trotz des herzbrecherischen Titels ein Gute-Laune-Lied, das durch TY's schnellen Rapflow und mit Hilfe des britischen Rapper Sway und der Londoner Sängerin Roses Gabor eine ernste Botschaft vermittelt. Die passenden Remixe dafür sind auch schon in der Mache, einer davon wird aus der Feder des angesehenen Produzenten Sindbad stammen.


Eine verwirrte HipHop-Kultur

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TY, der seit mittlerweile einer Dekade die HipHop-Kultur mit seiner Musik geprägt und beeinflusst hat, betrachtet die Szene mit Skepsis: "Der HipHop-Spirit ist konfus". Damit meint er, dass die HipHop-Kultur zwei Richtungen eingeschlagen hat. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, denen es einfach nur um Chartplatzierungen und Geldverdienen geht, und auf der anderen Seite stehen die Künstler, die selbstlos agieren und mit ihrer Musik ein bereicherndes Gut für die Kultur hinterlassen. Zur letzteren Gruppe zählt sich auch TY. Er wollte ein wahres Qualitätsprodukt einbringen, angefangen beim Cover bis hin zur Produktion und Botschaft. Außerdem wäre es an der Zeit, den Fanatismus gegenüber der US-amerikanischen Szene abzuschütteln: "Ich bin erwachsen geworden. Und die Zeiten, in denen man nur der amerikanischen Kultur nacheifert, sind vorbei. Ich lebe in Europa - wir müssen darauf achten, was wir zu bieten haben", sagt der Rapper, der für ein Aufbäumen des europäischen HipHops kämpft. Für ihn gibt es drei Szenen: die europäische, die afrikanische und die US-amerikanische HipHop-Szene. Als Brite zählt er sich selbstverständlich voll und ganz zur europäischen Kultur. Er sieht sich aber auch als Bewunderer der amerikanischen. Außerdem ist er aufgrund seiner nigerianischen Wurzeln ebenfalls der afrikanischen Kultur zugehörig, worauf der MC sehr stolz ist. "Wenn HipHop überleben soll, dann muss er für Europa überleben. Denn all die amerikanischen Künstler kommen mittlerweile nach Europa, um zu überleben.", stellt er fest und die Botschaft ist eindeutig: Wir müssen mehr Stolz entwickeln und letztendlich unsere eigenen Attribute beisteuern, um den Ausgeich zwischen Amerika, Europa und Afrika herzustellen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was so besonders an der Musik in Europa ist. Was uns so einzigartig macht, und was nicht in Amerika oder Afrika gemacht werden könnte. Nicht verwunderlich, dass TY, von diesem avantgardistischen Gedanken angetrieben, gerade ein neues, europäisches HipHop-Projekt plant. Der europäische HipHop hat seinen Advokaten wohl gefunden.




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