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Treffen in Kolumbien
Sendung vom 30. Januar 2010
Wer von Cumbia Digital spricht, stolpert zwangsläufig auch über
Kolumbien. Seit einigen Jahren gibt es dort eine neue Musikszene,
die unter dem Titel "Fusion Colombiana" neueste Sounds kreiert. Sie
lässt sich von Folklore aus den verschiedenen Regionen inspirieren
und fusioniert diese mit neuen, urbanen Musikstilen. Bomba Estereo
- kurz "Bomba", wie sie in Kolumbien genannt wird - ist eine dieser
neuen Bands.
5Planeten-Reporter Steen Thorsson, wie immer unterwegs, hat die
Band "Bomba Estero" in der Musikmetropole Barranquilla an der
karibischen Küste besucht und nach ihrem Sound befragt. Aber auch
Gallionsfigur Petrona Martinez und Newcomerin Cynthia Montanya
kommen zu Wort.
Epizentrum der "Fusion Colombiana" ist Bogotá. Hier treffen die
Sounds aus allen Regionen Kolumbiens zusammen und werden zu neuen
Musikstilen verarbeitet. Vor allem traditionelle,
afrokolumbianische Musik von der Pazifikküste und der Costa Caribe
sind die Inspirationsquelle der neuen Kreativen. In der auf über
2000 Meter hohen Millionenmetropole entstehen somit permanent neue
Bands und Sounds. Unzählige Künstler benutzen hier die Cumbia als
Grundlage. In der Hauptstadt vergeht kein Wochenende ohne urbanen
Cumbia - live versteht sich! Die bislang bekannteste Band ist Bomba
Estereo.
Simon Hernandez, Gitarrist und Bandgründer von Bomba Estereo, ist
der Auffassung, dass die Inspiration der Band vor allem von der
atlantischen Küste stammt: "In Kolumbien gibt es viele Regionen mit
eigenem Folklore. Aber die Atlantik- und Pazifikküste sind am
weitesten verbreitet". An der atlantischen Küste dominiert vor
allem die Cumbia. Aber hinter der Cumbia sind noch viele einzelne
Rhythmen versteckt, welche aus Afrika stammen und sich irgendwann
auch mit indigenen Rhythmen vermischt haben. "Bis jetzt haben wir
viel mit der Cumbia gearbeitet, aber es gibt eben tausende von
Sounds dahinter - und daran wollen wir uns in Zukunft orientieren",
so Simon.
Seit dem ersten Album "Vol. 1" mischt Bomba Estereo bei den neuen Sounds der Cumbia Digital ganz oben mit. Der Song "Fuego" mit Frontfrau Liliana Saumet, der 2008 auf dem Album "Estalla" erschien, wird nicht nur in den Straßen und Taxis der kolumbianischen Metropolen gespielt, sondern eroberte weltweit die Herzen der DJs und viele Playlists der Radiostationen. Der Song wurde aber bereits auf dem ersten Album unter dem Namen "Corinto" veröffentlicht - mit den Raps von MC al Roc von der HipHop-Band Asilio 38. Mit der feurigen Stimme von Liliana wurde "Corinto" zu "Fuego". Wie es dazu kam, erzählt Liliana: "Als ich diesen Beat von Simon gehört habe, habe ich gleich gesagt, das ist der Hammer! Und wenn das keiner mehr singt, wird es vergessen! Also habe ich gesagt, komm, wir schreiben neue Lyrics. Als erstes stand der Refrain "…mentenlo prendido el fuego". Das klang schon gut, und dann haben wir noch die Strophen dazu geschrieben".
Petrona Martínez, eine Legende des traditionellen Bullerengues und der Cumbia lebt nicht weit entfernt von Barranquilla, in Palanque, der ersten befreiten Sklavengemeinschaft Amerikas. Ihr Musikstil hat ein bisschen von Allem - sie singt Puya, Chalupa, Son de Sexteto, Cumbias und Bullerengue. Aber sie beschreibt es eigentlich immer nur mit einem Namen: Bullerengue. Aus diesem Grund wird sie auch die Königen des Bullerengues genannt. Schon längst haben sich Produzenten an die Regler gesetzt und den Sound von Petrona neu gemixt. Sie selbst findet das wunderbar: "Es gibt Leute, die sagen, wenn junge Menschen meine Musik nehmen und daraus etwas anderes machen, würde es denen an Respekt fehlen. Ich finde das nicht. Ich finde, dass das nichts damit zu tun hat, dass sie keinen Respekt vor mir haben - denn es wird sehr respektvoll mit meiner Musik umgegangen. Sie fragen ja, ob das in Ordnung ist und benutzen etwas, was schon vorhanden ist. Sie lassen sich inspirieren und machen etwas Neues. Sie machen ja nichts kaputt, sondern etwas Neues. Ich finde das fantastisch!".
In Kolumbien ist es möglich von einem zum anderen Festival zu reisen - und zwar das ganze Jahr über. Vor dem "Carnaval de Barranquilla" findet die "Feria de Cali", das größte Salsa-Festival der Welt, statt. Hunderte von jungen und alten Salsabands treten dort auf. Dort hat Steen Thorsson die junge Künstlerin Cynthia Montanyo getroffen. Eine Newcomerin aus Cali. Ihr Style: Pacifico Urbano! Ihre Musik ist sehr von urbanen Sounds inspiriert, weil sie auch selbst in der Stadt Cali geboren und aufgewachsen ist. Sie hat daher von klein auf immer Musik gehört, die in der Stadt produziert und gehört wird. Cynthia hat aber auch afrokolombianische Wurzeln aus dem Pazifik und die Musik aus der Pazifikregion ist bereits auch schon in die Stadt vorgedrungen - daher ist ihre Musik eine Kombination aus diesen zwei Stilen: eine Fusion zwischen dem Urbanen und Rhythmen aus dem Pazifik. Sie sagt "Du kannst dir vorstellen, dass du eine Marimba hörst, welche das Piano aus dem Dschungel ist, aber eigentlich aus einer Straßenecke in der Stadt kommt". Ihr Sound hat vor allem eine Message für Frauen. Die Parole lautet: "Frauen, wertet euch auf! Frauen, ihr könnt auch euren Weg gehen! Du brauchst dich nicht verkaufen, dein Erfolg ist in deinem Kopf, nicht in deinem Körper!". Außerdem ist immer eine Botschaft für die Afrokolumbianerinnen dabei: "Ja, wir sind schwarz, aber wir denken auch! Wir sind politisch, wir sind Schwarze, die denken und Selbstbewusstsein haben! Wir haben schwierige Probleme, aber wir können sie lösen!".
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