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Funkhaus Europa
Sendungen
Ladi6
Sendung vom 14. August 2010
Mit ihren gerade mal 27 Jahren zählt Karoline Tamati aka Ladi6 bereits zu Neuseelands Top-Exportschlagern in Sachen funky Rhythm&Blues und HipHop. Dieser weibliche MC ist schon über zehn Jahre bühnenerprobt und weiß sich durchzusetzen im männerdominierten Rap Game. Als Rapperin gestartet, schlägt die sympathische Frohnatur mit den großen schwarzen Augen auf ihrem Solo-Debut "Time Is Not Much" souligere Töne an und schmust sich mit ihrer warmen, dunklen Stimme direkt in unser Gehör. Ihren Werdegang vom Rap zum Gesang, vom Front-MC der ersten neuseeländischen Girl-Band Sheelahroc bis hin zur Solo-Künstlerin und noch so manches mehr verriet Ladi6 unserer 5Planeten-Reporterin Rebecca Nowak auf dem vergangenen splash!-Festival
Vier Jahre lang saß Ladi6 zusammen mit ihrem DJ Parks und Mu von
Fat Freddy's Drop an der Produktion ihrer ersten Solo-Scheibe "Time
Is Not Much". Dieses Album ist ein Soundhybrid: aus Soul, Funk,
R'n'B, HipHop, Reggae, Ska - einfach all das, was Ladi6 und ihre
Crew lieben. Hier gibt es keine Kategorisierungen, keine Grenzen.
"Das wird auch nie so sein, denn wir sind einfach nicht diese Art
von Menschen", sagt Ladi6. Spätestens beim Durchskippen des Albums
hört man das auch. Da treffen kopfnickende HipHop-Beats auf
wippende Reggae-Klänge, Akustikgitarrenmelodien schlängeln sich
durch schleppende Downbeat-Dschungel, organische Soul & RnB
Vibes stehen gleichauf neben schnellen, elektronischen
Synthesizern. Darüber dominieren die geistreichen und spitzfindigen
Songtexte von Ladi6, die die Welt durch die Augen ihrer Eltern
sieht und sich von dem Leben ihrer samoanischen Großfamilie
inspirieren lässt. Dieser Ideenreichtum resultiert in positiven,
lebensbejahenden Lyrics - ehrlich und ohne Blatt vor'm Mund.
Parks, mit dem sie bereits zuvor die fünfmann-starke
Soul-HipHop-Band Verse Two hatte, lieferte zu ihren Texten das
Beat-Fundament. Da Verse Two am Ende nur noch aus Ladi6 und Parks
bestand, orientierte man sich neu und begab sich auf die Suche nach
dem passenden Ladi6-Sound. Dabei half Fat Freddy's Drop DJ Chris
"Mu" Faiumu, ein Mastermind im Umgang mit Arrangements, Basslinien,
Beats, Samples und der MPC. Im Drop's Lyall Bay-Hauptquartier
aufgenommen und gemischt, entstanden zwischen 2004 und 2008 elf
glorreiche Tracks, bei denen einige von Aotearoas berühmtesten
Musikern mitwirkten: unter anderem der TrinityRoots-Drummer Riki
Gooch, Schlagzeuger Julien Dyne und Bassist Chip Matthews von
Opensouls und Fat Freddy's Drop-Posaunist Joe Lindsay. Familiären
Support gab es auch - Ladi6's rappender Cousin Scribe und Sängerin
Tyra Hammond, ihre Cousine, unterstützten vokalisch. Live überzeugt
die Soul-Sister mit musikalischem Rückenwind in Form von Parks an
den Decks, in der vollen Formation noch mit Julien Dyne an den
Drums, Percussions und der MPC, was den ganzen Auftritt mit live
eingespielten Beats und Scratches noch interaktiver macht.
Die erste Single des Albums überzeugt mit einem smoothen
Reggaebeat, entstand letzten Sommer auf Tour, ist frisch und ein
wahrer Gute-Laune-Song. Sie heißt "Walk Right Up" und geht genau
darum: wenn alles drunter und drüber geht, lass dich nicht
runterziehen, bleibe positiv und denke daran, dass es immer ein
Morgen gibt. Word!
Nachdem ihre Pionierzeiten in der ersten, neuseeländischen
All-Girl-HipHop-Band Sheelahroc vorbei waren und bevor Ladi6 ihre
Solokarriere startete, war sie als Feature-Artist auf vielen Alben
ihrer heimatlichen Kollegen zu hören. Unter anderem auf dem ersten
Longplayer bei ihren Homies von Fat Freddy's Drop, aber sie lieh
ihre Stimme auch dem groovigen Drum&Bass-Sound der
neuseeländischen Band Shapeshifter, den Londoner Indierockern von
50Hz und machte mit ihrem Cousin Scribe gemeinsame Sache.
Während einer Tour durch Australien wurde auch der deutsche DJ und
Produzent Sepalot von der Münchener HipHop-Gruppe Blumentopf auf
die energetische Rapperin und Sängerin aufmerksam und wollte sofort
mir ihr zusammenarbeiten. Da musste Ladi6 nicht lange überlegen und
hatte daraufhin promt einen Tag später Sepalot's gebastelte
Beat-Instrumentals in ihrem Email-Postfach. Als Sepalot dann
während eines Urlaubs in Neuseeland spontan mit seinem Wohnmobil in
Ladi6's Einfahrt parkte und sich ihre Vocals anhörte, ging auf
einmal alles ganz schnell: ab ins Studio, aufnehmen, mischen und
schnurstracks landete der swingende Uptempo-Tune "Go Get It" auf
Sepalot's Soloalbum "Red Handed". Das war 2008. In den vergangenen
zwei Jahren wurde ihr der deutsche Tausendsasser ein guter Freund
und sitzt in Berlin bereits an den Produktionen zu ihrem zweiten
Album, das Anfang/Mitte 2011 erscheinen soll.
Wie eigentlich überall in der Welt hatte sich auch die
neuseeländische HipHop-Szene Anfang der 00er vom untergründigen
Conscious-Rap zum Kommerz-Gebattle hochgewirtschaftet, dabei aber
die ursprüngliche Parole des Genres, die lebensnahen und
sozialkritischen Texte von den Leuten auf der Straße, völlig
untergehen lassen. Mittlerweile entwickelt sich dieser Trend aber
wieder in die andere Richtung: "It's going back underground", meint
Ladi6, die sich darüber freut, dass wieder motivierte Kids das
Mikrofon an sich reißen und wieder "real shit"-Texte rappen und
somit die wahre Kunstform des HipHop erneut aufleben lassen.
In Bezug auf weibliche MCs ist auch die Szene in Neuseeland rar
gesät. Ladi6, ein "Master of Ceremonies" mit Herz und Seele, zählt
dabei in ihren Zwanzigern bereits als Urgestein. Und ist außerdem
Vorbild vieler junger Nachwuchstalente, wie z.B. ihrer Freundin und
Reggae-Schwester Silver Rhymes. "HipHop ist männerdominiert, und
das schüchtert die Mädels ein", weiß Ladi6, die sich selbst vor 14
Jahren unter den Jungs behaupten musste. Passend, dass der Name
ihrer ersten Girl-Band Sheelahroc auch "Frauen der Kraft" bedeutet.
"Wir wollten den Frauen Mut machen sich in allen Elementen des
HipHops zu versuchen", erzählt sie und ist stolz auf ihre Rolle als
Vorbild und die damit verbundene Verantwortung.
In Neuseeland gehört eine Gitarre quasi zur Grundausstattung eines jeden Haushalts und nicht nur an Weihnachten wird im Land der langen weißen Wolke viel gesungen. Wenn man dann auch noch aus so einer musikalischen Großfamilie kommt wie Ladi6, dann schlürft man Rhythmus und Gesangstalent schon mit der Muttermilch. Ladi6 sang schon ihr ganzes Leben lang und platziert sich selbst auf Nr. 12 innerhalb der Familiengesangsrangliste. Diese große Konkurrenz und der Einfluss der US-amerikanischen Rap-Göre Rah Digga brachte sie im Teenageralter zum Spoken Word. Als dann Jahre später ein Mitglied von Sheelahroc die Band verließ und es dadurch keinen mehr gab, der den Refrain sang, musste Ladi6 gezwungenermaßen diesen Part übernehmen, wurde sich im Laufe der Zeit ihrer Stimme immer sicherer und imponiert nun auf ihrem Solo-Debut mit einem Soul-Organ, das immer wieder den Weg zum schnell gesprochenen Wort zurückfindet. Denn: "HipHop kam vor der Musik".
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