Donnerstag, 23.05.2013
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Funkhaus Europa
Musik
Meshell Ndegeocello & Orhan Gencebay
Sendung vom 12. Oktober 2012
Der Sampler "Orhan Gencebay İle Bir Ömür" ist voll gespickt mit türkischem Pop-Rock, Balladen und arabesken Sounds: Ein Tribut von über 30 Musikern an den Musiker und Produzenten Orhan Gencebay. Große Ehre wird auch der Soul-Ikone Nina Simone zuteil: Die US-amerikanische Musikerin Meshell Ndegeocello widmet ihr neues Album ganz der 2003 verstorbenen Musiklegende.
Wenn man über türkische Musik spricht, kann man den Namen Orhan Gencebay nur schwer umgehen. Seit den 60er Jahren ist er einer der wichtigsten Musiker und Produzenten, wenn es um moderne Musik in der Türkei geht. Orhan Gencebay beherrscht viele Instrumente, darunter auch das türkische Saiteninstrument schlechthin, die Bağlama, die zu der Sazgruppe gehört. Auch ist er einer der ersten, der traditionelle türkische Musik mit westlicher Klassik, Country, Rock, Jazz und arabischen Sounds zusammengebracht hat. Von der Musikindustrie und in der Öffentlichkeit wird er oft nur mit arabesker Musik in Verbindung gebracht. Dagegen hat sich Orhan selbst immer gewehrt und seinen Stil "freie Interpretation" oder "free style" genannt. Ebenso wichtig ist auch seine Rolle in der türkischen Filmmusik. Bei unzähligen wichtigen Filmproduktionen hat er die Kompositionen für die Filmmusik übernommen und darüber ebenfalls ein Millionenpublikum erreicht. 2005 wurde er auch international bekannt mit dem Film "Crossing the Bridges" von Fatih Akin.
Der Sampler "Orhan Gencebay İle Bir Ömür" ist eine Hommage an das Lebenswerk des Musikers. "Orhan Gencebay İle Bir Ömür" - "Ein Leben mit Orhan Gencebay", passender könnte der Name des Samplers kaum sein. Für viele der 34 auf dem Doppel-Album vertretenen Musiker ist der Künstler Inspirationsquelle, Wegbereiter, Mentor oder Freund.
Musikalisch ist auf dem Sampler keine Revolution zu erwarten. Man entdeckt keine bahnbrechenden neuen Sounds aus der Türkei. Die Einzigartigkeit liegt darin, dass auf dem Album erstmals viele Musiker aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Stilen vertreten sind. Darunter viele große Namen und Pop-Stars: Die junge Yildiz Tilbe, Ziehtochter der Queen des Türk-Pop Sezen Aksu, die ebenfalls auf dem Sampler vertreten ist. Aber auch Jungstars wie Athenas, eine Trash-Punk Band aus Istanbul, finden ihren Platz auf dem Album. Absolutes Highlight aber ist der Superstar Tarkan, mit dem Song "Hatasiz kul olmaz".
Wie der Titel schon sagt, geht es hier um eine Widmung an die 2003 verstorbene Musiklegende Nina Simone. Meshell ist hierfür eine absolut ebenbürtige Kandidatin, die selbst schon etliche junge Musikerinnen mit ihrem originellem Stil und ihrem Hang zum experimentellen Sound inspiriert hat. Ihr Hauptinstrument und Markenzeichen ist der E-Bass. Außerdem hat Meshell einen sehr eigenen Singer-Songwriter-Stil, mit einer Mischung aus Gesang und Rezitation von kritischen Texten. Und damit gilt Meshell auch als Wegbereiterin für die heute ganz großen Nu-Soul Frauen wie Erykah Badu und Jil Scott.
Inspiriert zu der Hommage an Nina Simone wurde Meshell Ndegeocello von der eigene Begeisterung für die Legende. Meshell selbst ist Afroamerikanerin und Nina Simone war als schwarze Frau und Songwriterin eine der ganz großen Inspirationen für ihre Musik, wie sie selbst kürzlich in einem Interview sagte. Das Songwriting und die einzigartige Stimme Simones, aber auch der Mut sich als junge Frau schon in den 60er Jahren auf der Bühne politisch klar zu der Black Power Bewegung zu bekennen, waren für Meshell immer ein großes Beispiel.
Bei der Produktion des Albums gab es für Meshell nur eine Regel: Nina Simone nicht einfach zu kopieren, sondern eine ganz eigene Interpretation zu liefern. Diesem Grundsatz und ihrem sehr eigenen Stil bleibt sie bei allen Coverversionen auf dem Album treu. So zum Beispiel bei den Klassikern Simons "Feelin´ Good", "Don't Take All Night" oder "Real, Real". Für die Hommage hat sich Meshell ordentlich Verstärkung geholt. Darunter den Soulsänger Cody Chesnutt, die US-amerikanische Jazzsängerin Lizz Wright oder die Newcomerin Valerie June. Das Highlight auf dem Album ist die Coverversion "Don´t Take All Night". Hier singt Meshell eine Art Bluegrass-Duett mit dem wahrscheinlich bekanntesten Gast auf dem Album: Sinead O' Connor. Die beiden haben aus dem eher lebensfrohen Liebesblues-Stück von Simone eine sehr tiefe, eher bedrückende Rockballade gemacht. Mit Cody Chesnutt hat Meshell aus dem Stück "To be Young, Gifted and Black", eine sehr schöne, soulige Akustikversion geformt. Ein Stück, das von Nina Simone ursprünglich als Big Band-Gospeltrack gespielt wurde. Insgesamt schafft Meshell es, sich bei den Coverversionen treu zu bleiben und dabei mit einer angenehmen Leichtigkeit, zeitlose, neue Stücke zu kreieren.
(Steen Thorsson)
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