Mittwoch, 19.06.2013
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Funkhaus Europa
Musik
Friedemann Weise & Criolo
Sendung vom 24. August 2012
Auch diese Woche haben wir wieder die Juwelen unter allen Veröffentlichungen herausgepickt: Diesmal stammen unsere Süpertunes vom selbsternannten "Leitmedium der deutschen Satiropopszene", dem Kölner Lokalhelden Friedemann Weise, und von Criolo, der neuen musikalische Hoffnung Brasiliens.
Friedemann Weise: "Friede Allein Zu Haus"
Heute feiert unser Lieblingsspaßvogel Friedemann Weise die Veröffentlichung seines neuen Albums. Nach eigenen Aussagen handelt es sich bei "Friede Allein Zu Haus" um sein bisher bestes Album. Wie schon die Alben zuvor, steckt es voller Witz, Wortspielereien, Ironie und Blödeleien. Nicht immer politisch korrekt, aber wenigstens gerecht in der Verteilung seiner Frötzeleien: Bei Friedemann bekommt jeder sein Fett weg. Und genau wie alle anderen nimmt er auch sich selbst auf die Schippe. Auf dem neuen Album gibt er zum Beispiel gleich beim ersten Song ganz offen zu, eine narzistische Persönlichkeitsstörung zu haben, fragt sich dann warum sich Brille nicht auf Intellektuelle reimt und fantasiert über ein Sonntagshaus in Memphis, in dem seine Kinder mit seiner Grammysammlung spielen.
Der Titel kommt dadurch zustande, dass Friedemann das komplette Album "ganz allein in seinem Ankleidezimmer" aufgenommen hat, lediglich fürs Mastering hat er sich Hilfe von Ekimas von Erdmöbel geholt. Aber auch ein leicht melancholischer Unterton schwingt bei dem Titel "Friede Allein Zu Haus" mit. Es ist nachdenklicher als die vorherigen Alben und an vielen Stellen sehr persönlich. Die meisten der zwölf Songs sind, wie man es von Friedemann kennt, nur mit der Gitarre begleitet. Nur hier und da schleicht sich mal ein Beat oder ein anderes Instrument ein. Sein eigenes Statement zum Album: "Die feste Freundin weg, die beste Freundin mit einem Bein in der Sekte und der Rest der Freunde ist beschäftigt mit der Bezahlung von Tagesmüttern." Statt darüber nachzudenken, hat er ein Album aufgenommen. Gut so!
Criolo: "Nó Na Orelha"
Er wird mit Preisen überschüttet und gilt als die große musikalische Hoffnung Brasiliens. Viele seiner Songs handeln vom Leben auf den Straßen Sao Paolos. Criolo weiß, wovon er spricht, er ist als Sohn von Migranten aus dem Nordosten Brasiliens in einer Favela in Sao Paolo aufgewachsen. "Nó Na Orelha" war in Brasilien eines der erfolgreichsten Alben im letzten Jahr. Musikkritiker stellen Criolo auf eine Stufe mit Größen wie Seu Jorge.
Es ist seine Vielfalt, die ihn ausmacht: Der Mann kann nicht nur rappen, er hat auch eine fantastische und sehr variable Singstimme. In seinen Texten vertritt er diejenigen, die um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen müssen. Er macht den Menschen in den Favelas Mut. Das Album repräsentiert Brasilien treffend im Sinne eines Schmelztiegels der unterschiedlichen Musikstile. In elf Songs vereinen sich Afro-Funk, Samba, Dub, Reggae und HipHop. Darüber hinaus verleiht Criolo jedem Song seine eigene Note: Mal wütend, mal verzweifelt, mal zart und zerbrechlich. Dieser Fähigkeit hat er es zu verdanken, dass er momentan als die wahre Stimme des neuen Brasiliens gehandelt wird. "No Na Orelha" bedeutet übrigens "Knoten im Ohr".
(Anne Lorenz)
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