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Süpertunes

Terakaft & La Casa Bancale

Sahara-Sound & ein französisches Freudenhaus

Sendung vom 17. August 2012

Sommerloch hin oder her: Wir haben sie trotzdem ausgegraben - unsere Süpertunes der Woche. Hypnotisierender Wüstenblues aus der Sahara von der Tuareg-Band Terakaft und treibende Ska-Reggae-Rhythmen aus einem Freudenhaus - dem "Maison Close", dem zweiten Album der französischen Band La Casa Bancale.

Terakaft: "Kel Tamasheq" (Harmonia Mundi/World Village)

Terakaft - Kel Tamasheq; World Village Bild vergrößern

Terakaft: "Kel Tamasheq"

Früher gab es nur "die eine Wüstenblues-Band": Tinariwen. Heute sprießen sie wie fruchtbare Wüstenblumen aus dem trockenen Sahara-Boden: Nordafrikanische Musikerkollektive vom Volk der Tuareg. Terakaft ist eines davon, man könnte die Band aber als kleinen Ableger von Tinariwen bezeichnen, da einige Musiker früher bei Tinariwen gespielt haben und sich untereinander auch bei den Produktionen aushelfen. Tamasheq ist die Sprache der Tuareg, heißt übersetzt Wüstenkarawane und beschreibt die Lebensart der Tuareg schon ganz gut.


Der Sahara-Sound geht um die Welt

Mit dem Wüstenblues verbindet man automatisch etwas Großes, Unantastbares, Exotisches. Er transportiert ein Gefühl der Freiheit, die unendlichen Weiten der Sandwüste, ein Leben jenseits von Stress und Technik. Zwei furiose E-Gitarren, ein unterschwelliger Bass und die treibende Perkussion erzeugen einen hypnotisierenden Groove, der sein Publikum, gepaart mit dem Tuareg-Gesang, schon mal leicht in Trance versetzen kann. Der Desert Blues hat weltweit Fans, darunter auch große Namen: Robert Plant von Led Zeppelin, Damon Albarn, Bono oder Carlos Santana. Auch das Album "Viva la Vida" von Coldplay ist unter dem Einfluss von Tinariwen entstanden.


E-Gitarre gegen Kalaschnikow?

Die Tuareg machen seit einiger Zeit nicht nur Schlagzeilen in der Musik, sondern auch in der Politik. Ihre Situation in der Sahara-Wüste hat sich seit dem Sturz Gaddafis enorm verändert. Was sie schon immer wollten, nämlich ihren eigenen Staat, haben sie nach der Flucht aus Libyen mit schweren Waffen durchgesetzt. Zusammen mit islamischen Rebellen haben sie einen Separatistenstaat im Norden von Mali kreiert, wo jetzt das totale Chaos herrscht. Ihre Musik hört man nun anders - und fragt sich unweigerlich, was die Tuareg jetzt in der Hand halten: E-Gitarre oder Kalaschnikow? Der Traum vom Ausleben der eigenen Kultur ohne Unterdrückung muss erst mal weitergeträumt werden. Auch bei Terakaft.


La Casa Bancale: "Maison close" (Casa Bancale Prod)

La Casa Bancale - Maison Close; Casa Bancale Prod Bild vergrößern

La Casa Bancale: "Maison close"

Mit dem zweiten Album der französischen Band La Casa Bancale aus Nancy werden wir sofort ins Moulin Rouge der vorletzten Jahrhundertwende katapultiert: Leichte Damen, Federboas und sieben Männer mit Hosenträgern, Westen und Schirmmützen. Willkommen im "Maison Close" - im Freudenhaus von La Casa Bancale.


Eher jamaikanische Tanzhalle statt französisches Bordell

Man hört hier aber nichts Obszönes oder Unzüchtiges - im Gegenteil: Beschwingter Ska, Reggae und auch ein bisschen Latin und Rock geben hier auf insgesamt 14 Songs den Ton an. La Casa Bancale rütteln ihr Publikum wortwörtlich mit ihren Rhythmen wach. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als Antidepressivum, so stark ist ihre Lust Musik zu machen und diese Leidenschaft mit dem Rest der Welt zu teilen.


Gut unterwegs...

Die gestandenen Herren von La Casa Bancale sind vor allem live gut unterwegs. Sie werden für ihre Auftritte nicht nur in Frankreich, sondern auch im Ausland gefeiert. Im Jemen, in Schweden, Finnland, England und auch bei uns - über 400 Gigs haben sie bisher gespielt, zwei Alben und eine EP stehen seit der Bandgründung 2001 in den Läden. Diese Franzosen, die auf ihrem neuen Tonträger nicht nur in ihrer Muttersprache singen, sondern auch englische und spanische Wörter trällern, sind zwar keine absoluten Newcomer, aber viel Luft nach oben gibt es noch.
(Rebecca Nowak)





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