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Süpertunes

Aziz Sahmaoui & BerlinskiBeat

Berliner Pflanze und arabischer Trance

Sendung vom 03. August 2012

Was passiert, wenn man Mittelalter-Musik mit Balkanbeats und Berliner Schnauze paart? Das verblüffende Ergebnis ist auf dem Debütalbum des Berliner Kollektivs "BerlinskiBeat" nachzuhören. Der Pariser Aziz Sahmaoui, bekannt durch das von ihm gegründete "Orchestre National de Barbès", hat eine neue musikalische Ausbildungsstätte für seine Lieblingsbeats ins Leben gerufen: Die Band "University of Gnawa" repräsentiert auch den arabischen Aufbruch.

BerlinskiBeat: "Gassenhauer" (Berlin Beat Records)

Cover; Berlin Beat Records Bild vergrößern

Gassenhauer

Wenn eine ganz neue Band ihr erstes Album "Gassenhauer" nennt, dann kann man wirklich davon ausgehen, daß diese Jungs mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet sind. "BerlinskiBeat" haben sich vorgenommen, den Soundtrack ihrer Stadt zu machen. Und der startet gleich beim Intro zum ersten Song "Berliner Pflanze" in den zwanziger Jahren, was Ausdruck und Soundästhetik betrifft. Max Raabe meets Seeed? Das ist neu! Selbstbewusster, urbaner Sound mit Berliner Schnauze. Klar: Kreuzberg und Neukölln lassen mit orientalischen Beats grüßen.

Hinter der Band stecken der Balkanbeat-DJ Robert Soko und die Formation "Corvus Corax", die eigentlich in der Mittelalter-Szene unterwegs ist, eine wirklich ungewöhnliche Kombination. Die Jungs waren häufig bei den Balkanbeats-Partys von Robert zu Gast - und haben ihn dann gefragt, ob er nicht Lust hätte, einfach mal Musik mit ihnen aufzunehmen. Das Ergebnis war dann offensichtlich: Mittelaltermusik trifft Balkan und Swing. Und wenn man dann noch Freunde hat, wie die mexikanischen Mestizo-Rocker von Pantheon Rococo, dann ist der Culture-Clash komplett. Das beweist der Track "Quiero Bailar" mit Highspeed-Ska-Polka.

BerlinskiBeat erfinden kein neues Genre. Aber sie führen ein paar neue Instrumente in die Balkanbeasts-Szene ein, wie zum Beispiel den Dudelsack, der ja in der mittelalterlichen Musik eine große Rolle spielt. Man geht forsch ans Werk und setzt auf den Berlin-Bonus - arm, aber sexy.


Aziz Sahmaoui & University Of Gnawa (General Pattern)

Cover; Naive Bild vergrößern

Aziz Sahmaoui & University Of Gnawa

Diese Band war beim Juicy Beats Festival live zu erleben. Die University of Gnawa mit Musikern aus dem Senegal interpretiert zusammen mit Aziz Sahmaoui die alten, tranceartigen Gnawa-Rhythmen neu. Und auch die Texte sind sehr aussagekräftig: Im Stück "Maktoube" geht es um die Frage: warum diese Kriege? Warum diese Achtlosigkeit? Eigentlich ist es eine Art Gebet. Diese Musik hat grundsätzlich viel zu tun mit religiösen Ritualen und uralten Traditionen aus der Sahara. Und es waren immer wieder Musiker aus dem Westen ganz fasziniert von den speziellen Rhythmen, aber sicher auch dem rituellen Hintergrund.

Der mittlerweile gestorbene Jazzmusiker Joe Zawinul war beispielsweise häufig in Marrokko zu Gast. Mit ihm hat Aziz Sahmoui mehrere Platten aufgenommen, die Jazz und Rock mit Gnawa-Rhythmen kombiniert haben. Auf dem Stück "Black Market" gibt's auch eine kleine Hommage an Joe Zawinul, der das Stück vor seinem Tod komponiert hatte. Dieses Stück hat in Westafrika eine ganz besondere Bedeutung: man kennt es einfach, weil es mehr als 20 Jahre lang die Erkennungsmelodie von Radio Dakar im Senegal war. Aziz hat für seine großartige neue Version dann einige Gnawa-Melodien hinzugefügt.

Wir kennen ihn vor allem durch das "Orchestre National de Barbès", sozuagen die Supergroup der maghrebinischen Musik aus Paris. Mit dieser Band ist Aziz überall auf der Welt live aufgetreten. Er macht jetzt den nächsten Schritt, mit dieser neuen Band und dem Produzenten Martin Maissonnier; vielleicht auch eine Reaktion auf die arabische Revolution. Neue Zeiten brauchen zwei Dinge: einmal die Rückbesinnung auf die alten Traditionen, aber auch den Blick in die Zukunft. Und beides gelingt sehr gut auf dieser neuen CD von Aziz Sahmaoui.
(Stefan Müller)





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