Freitag, 24.05.2013
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Funkhaus Europa
Musik
Sonnenschein und Pandamann
Sendung vom 06. Juli 2012
Alles easy! Der Sommer ist da und wir haben die coolsten Tunes dazu. Bibi Tanga, Soul-Crooner aus Paris, verrät uns, wie man Sonnenschein bei 40 Grad Außentemperatur verflüssigen kann. Und Cro kühlt uns dann wieder elegant herunter. Sein Debüt gehört wohl zu den am sehnlichsten erwarteten Alben dieses Jahres.
Bibi Tanga und seine Band, die Selenites, haben die zwölf Titel aufgenommen, nachdem sie in Afrika unterwegs waren: durch zwölf heiße Länder, wie sie selbst sagen. Das hat die Musiker um Bibi und seinen Produzenten Le
Professeur Inlassable noch enger zusammengeschweißt. "Die ganze Band war sonniger und glücklicher gestimmt, als sie dieses Album aufgenommen hat", sagt der Frontmann und Bandleader Bienvenu 'Bibi' Tanga. Er sagt: "Unsere Beziehungen als Musiker und Freunde wurden durch diese Tour gestärkt. Und das Album ist sonniger als die vorherigen. Auf den ersten beiden Alben war der Mond unsere zentrale symbolische Figur, dieses Mal ist es die Sonne."
Vor zwei Jahren ist bei uns das Debütalbum "Dunya" erschienen. Jetzt kommt eine weitere retro-futuristische Vision mit Soul, Afrobeats, R&B, vielen schnellen Beats, die auch mal housig sein können, sowie einer Prise Jazz. Klingt, als hätte Bibi als weltreisender Diplomatensohn überall Musik aufgeschnappt und für sich verarbeitet. Als Kind war er mit seinen Eltern in Paris, Moskau, Washington und Brooklyn. Seine Heimat Bangui in Zentralafrika hat er im Alter von zwei Jahren kennengelernt - und Musik und Sprache von dort haben ihn stark beeinflusst. In einem Text geht es um die Liebe der Menschen aus der zentralafrikanischen Republik zum Essen und Trinken aus ihrer Heimat. Bibi singt hier in der Sprache seiner Vorfahren, Sango. Zum Titel des Albums sagt Bibi Tanga, es sei eine Geschichte, darüber was passieren würde, wenn man Alkohol durch flüssigen Sonnenschein ersetzt; ein Drittel Liter Sonnenschein in Flaschen. "Und er singt ein bisschen wie Curtis Mayfield".
Cro schwitzt zwar unter seiner Pandamaske wie ein Wahnsinniger in diesen Tagen. Aber er ist gleichzeitig tiefenentspannt, denn er weiß: den chilligsten Sommerhit des Jahres, den hat er mit "Easy" sowieso schon abgeliefert.
Mit dem gecoverten Superhit "Sunny" von Bobby Hebb - geschrieben in der Ursprungsversion übrigens 1966 - ist Cro ein Geniestreich gelungen. Seine Hymne des entspannten im-Park-Chillens ist auch ein Verweis an den "Tag am Meer" von den Fantastischen Vier. Und tatsächlich: Carlo Waibel alias Cro kommt ja aus Stuttgart - wie die Fantas. Dort ist man weniger "Aggro" als in Berlin oder Frankfurt. Die Rap-Stadt Hamburg ist wiederum die absolute Referenz für Cro - man denkt bei den Beats und Reimen an Fettes Brot und bei der Stimme dann auch irgendwie an Jan Delay. "Meine Zeit ist jetzt, egal was kommt, ich bleib relaxt", so reimt er auf dem Debütalbum. Cro hatte davor schon Mixtapes am Start und hat damit die Messlatte für seinen eigenen Style ziemlich hoch gelegt. Im Sommer vergangenen Jahres tauchte das mysteriöse Supertalent im Umfeld des Stuttgarter Indie-Labels Chimperator auf. Der Kollege Kaas hatte ihn im Internet entdeckt, ausfindig gemacht und umgehend dem Künstlerstamm von Chimperator zugeführt. Danach ging alles ganz schnell. Im Netz tauchte ein Song namens "Easy" auf, wenig später das dazugehörige Video, in dem die hübschen Mädchen mit den bunten T-Shirts nicht nur herumsitzen und rauchen, sondern zu Cros Vokalparts die Sängerinnen mimen und dabei durch die Bilderbuchbutze eines coolen Teenagers mit Internet-Sozialisation stolpern.
Was Cro ausmacht? Witz, Flow, klar - auch Referenzen an Oldschool-Tunes aus den 90er-Jahren, die ja viele Fans vom Pandamann gar nicht kennen, weil sie da noch zu jung oder gar nicht geboren waren. Wichtig ist auch der Aspekt Style: Cro designt selbst T-Shirts und andere Klamotten, hat sogar ein eigenes Modelabel am Start, und könnte notfalls auch mit seinen Cartoons überleben. Denn wahrscheinlich ist ihm schon klar, dass dieses Musikbusiness ein merkwürdiges Business ist, wo du auch schnell wieder raus sein kannst - auch wenn du im Moment ganz oben bist - mit Goldener Schallplatte und allem, was dazu gehört.
Der Album-Titel "Raop" ist auch wieder als Hommage auf die Fantastischen Vier aus Stuttgart zu sehen: Die haben ja nie einen Hehl daraus gemacht, Pop zu machen - nicht nur Underground-Hiphop. Cro machte von Anfang an keinen Hehl aus der Kombi von Rap und Pop - deshalb der Albumtitel "Raop". Seine mehr als 800.000 Fans bei Facebook wünschen sich natürlich auch, Cro mal ohne Maske zu sehen demnächst. Wir erinnern uns an Sido: Auch der hat dann irgendwann mal sein wahres Gesicht gezeigt. Cro hat dazu in einem Interview gesagt: "Ohne Maske kann ich wahrscheinlich nicht mehr Kondome im Supermarkt kaufen, ohne dass es irgendwer sofort bei Facebook postet".
(Stefan Müller)
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