Samstag, 18.05.2013
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Funkhaus Europa
Musik
Santigold & Misia
Sendung vom 11. Mai 2012
Santigold ist zurück mit ihrem zweiten Album "Master Of My Make-Believe". Mit ihrem Mix aus Pop, Hip-Hop oder Punk-Rock durchsetzt mit tiefen Bässen fordert sie ihren Sitz auf den Pop-Thron zurück. Und Misia, die Grand Dame des Fado, überzeugt mit ihrem zehnten Album "Senhora Di Noite"- eine Rückkehr zur traditionellen portugiesischen Musik mit geballter Frauenpower.
2008 fiel für die afro-amerikanische Santi White aka Santigold aus Philadelphia der Startschuss in Sachen internationaler Musikkarriere. Nach vier Jahren abseits des Mikrofons, unter anderem als Songwriterin für Christina Aguilera oder die Beastie Boys aktiv, schlägt jetzt mit ihrem neuen Album "Master of My Make-Believe" der Gong für Runde Zwei.
Mit enormer Durchsetzungskraft sprengt Santigold hier die Geschlechterrollen und kommt mit saftigen Ansagen an all die "Bitches", die sich während ihrer Schaffenspause im Mainstream breit gemacht haben. Ganz klar, Santigold fordert ihren Sitz auf den Pop-Thron zurück. Musikalisch könnte ihr das auch gelingen: mit einer hochenergetischen Fusion aus Pop, Hip-Hop oder Punk-Rock gekreuzt mit tiefen Bässen des Dubstep, sowie Rhythmen und diversen Samples aus Angola oder Brasilien. Erstklassig produziert von Könnern wie z.B. Diplo oder Switch.
Im Gegensatz zur britischen Sängerin M.I.A., mit der Santigold immer verglichen wird, geht es in ihren Texten aber nicht um politische oder sozialkritische Themen. Vielmehr hält Santigold ein, was der Albumtitel verspricht: sie ist "die Herrscherin ihrer eigenen Phantasie". In "Look At These Hoes" zum Beispiel posiert Santi in alter HipHop Manier und macht deutlich, dass ihr keine das Wasser reichen kann. Und ihre erste Single "Disparate Youth" klingt mit diesem elektronischen Synthy-Sound im Stile der 80er vielversprechend. Global Coolness im Global Underground 2.0.
Kaum ein anderes Genre vermittelt so viel Feingefühl und Melancholie wie der portugiesische Fado. Und Misia, die Frau mit dem extravaganten Haarschnitt à la Uma Thurman im Film Pulp Fiction, ist seine schillernde Galleonsfigur. Nach zehn Jahren Schaffenspause meldet sich Misia nun mit ihrem neuen Album "Senhora Da Noite" im Musikgeschäft zurück.
Der Longplayer ist eine Reise zurück in die Vergangenheit: mit den typischen Instrumenten, der portugiesischen Gitarre, dem akustischen Bass, der Violine, dem Akkordeon und Piano geht es hier eindeutig zurück zu den Wurzeln der portugiesischen Musik, zum traditionellen Fado. Inhaltlich hingegen beschreitet die "Prinzessin" - so wurde Misia von der 1999 verstorbenen Fado Legende Amalia Rodrigues gekürt - neue Wege. Mit Texten, die erstmalig ausschließlich von Frauen geschrieben wurden.
Eine Neuheit, da Frauen diesmal nicht nur als Muse oder Sängerin auftreten, sondern als Songwriterinnen. In "Ulissipo" zum Beispiel erzählt Susana Maria Alfonso de Aguiar, so heißt Misa mit bürgerlichen Namen, die Geschichte von ihrer literarischen Mitstreiterin Rosa Lobato de Faria. Mit glasklarer Stimme, kraftvoll und bestimmt. Und "Simplesmente", ein Fado Klassiker, wurde zum ersten Mal mit neuem Text belegt, um eine moderne Version von den widersprüchlichen Gefühlen der Liebe erzählen zu können.
Diese Komposition aus herzzerreißender und schicksalhafter Lyrik von Schriftstellerinnen wie Agustina Bessa Luis, Helia Correira oder Lidia Jorge gepaart mit Misias melancholischer Interpretation macht "Senhora Da Noite" zu einem Glanzstück des heutigen Fado. Mit ihrem zehnten Album ist Misia der Coup gelungen, ein inhaltlich zeitgenössisches sowie zeitloses Album zu schaffen. Sie bleibt den Wurzeln des Fado mit seiner sanften Melancholie ("Saudade") und der dramatischen Interpretation treu und schafft es dennoch -sogar mehr denn je - ihn wieder neu zu beleben.
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