Mittwoch, 16.05.2012
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Funkhaus Europa
Musik
Latina Rap und Ragga-Charmeure
Sendung vom 17. Februar 2012
Eine europäisch-lateinamerikanische Beziehung: Ana Tijoux - aus Chile mit Hang zu Frankreich - ist die derzeitig angesagteste Fem-Cee aus Lateinamerika. Ihr Rapstil, präzise und messerscharf, gleicht einem Kugelhagel. Und Raggabund, die beiden deutsch-argentinischen Brüder aus Berlin bzw. München liefern nicht nur frisches Reggae-Dancehall-Partyfutter, lyrisch dreht sich auch bei ihnen alles um die internationale Protestbewegung.
Wenn in Zeiten wie diesen ein Album "La Bala" ("die Gewehrkugel") getauft wird, ist der politische Zusammenhang nicht schwer zu erraten. Wenn die Interpretin dann noch einen kugelhagelähnlichen Rapflow draufhat, erst recht nicht. Es geht um das neue Album der chilenischen Rapperin Ana Tijoux, die derzeitige Galleonsfigur des Latino Rap.
Vor zwei Jahren überzeugte sie bereits die Kritiker mit ihrem zweiten Solo-Album "1977", das direkt für den Grammy nominiert wurde. Ihr neuer Song "Shock" wurde kurzum zur Hymne der chilenischen Studentenbewegung erkoren. Mit einer Spoken Word Performance im Stakkato-Stil fordert Ana Tijoux hier Recht auf Bildung für jeden, nicht nur die für die Reichen, und rappt gegen die Privatisierung der Schulen und Universitäten. Mit aufwendig produzierten Marching Band Sounds, alles live eingespielt mit einem Mini-Symphonieorchester mit Streicher- und Brass-Ensembles, liefert Ana Tijoux den Soundtrack zum südamerikanischen Protest. Stimmen von der Straße auf direktem Wege auf einem Tonträger manifestiert.
Ein politischer Aufstand, in den die Chilenin hineingeboren wurde: während der Diktatur Pinochets floh sie mit ihren Eltern ins Exil nach Frankreich, ein Ort, dem sie auch heute noch sehr nahe steht. Wieder zurück in Santiago de Chile stürzte sich Tijoux auf die Musikform, die dem Protest und der Unzufriedenheit der Leute schon immer eng verbunden war: dem HipHop. Erst in verschiedenen HipHop-Bands aktiv, beschloss sie später ihr Ding solo durchzuziehen. Wie man sieht und hört äußerst erfolgreich.
Auch in der deutschen Reggae- und Dancehallszene scheut man sich nicht, seine Stimme gegen Ungerechtigkeiten und die politischen Systeme zu erheben. Raggabund sind da Vorreiter.
Seit gut einem Jahrzehnt aktiv, in den unterschiedlichsten Projekten, stehen die beiden deutsch-argentinischen Brüder Don Caramelo und El Criminal (Funkhaus Europa-Hörern bestens bekannt als Paco Mendoza) nicht nur für treibenden Partysound, sondern vor allem für ernste und wachrüttelnde Botschaften.
Ihr Song "Anders bin" von ihrem neuen Album "Mehr Sound" ist nur ein Beispiel dafür. Hier werden Themen wie Arbeitnehmerrechte, der Einfluss der Lobbyisten, Hass & Terror angeklagt. Durch ihre familiäre Verknüpfung zu Südamerika und den Erfahrungen hier in Deutschland schaffen sich die beiden Musikliebhaber ihre ganz eigene, persönliche Perspektive und setzen diese mit ihrem Ragga-Sound bestens um.
Auch live ein Must-See. Da den zwei der gewisse Latin-Charme bereits in die Wiege gelegt wurde, verstehen es Raggabund besonders gut, ihr Publikum um den Finger zu wickeln. Zwei groovende Rap-Akteure am Mikrofon, die auf der Bühne von "Soundboy"-Kollege Lobstarr hinter dem DJ Pult bestens unterstützt werden. Ein Dreiergespann, das richtig einheizen kann und wird: am Sonntag (19.02.12) fällt der Startschuss zur "Mehr Sound"-Tour, die Album-Releaseparty im Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld, unter der Schirmherrschaft der Funkhaus Europa Global Player Karnevalsparty "Carnaval Tropical".
(Rebecca Nowak)
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