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Süpersong

"Im Nin Alu"

Ein Wegbereiter der Weltmusik

Sendung vom 11. September 2012

"Selbst wenn die Pforten der Reichen sich schließen werden, die Pforten des Himmels werden immer offen bleiben." So die ersten Zeilen des hebräischen Gedichts "Im Nin Alu", das die Sängerin Ofra Haza Ende der 70er-Jahre vertonte. Doch erst in seiner zweiten Version wurde der gleichnamige Song zum absoluten Welthit und Ofra Haza ein gefeierter Star.

Ofra Haza: Im Nin Alu; edel entertainment GmbH


Der Text von "Im Nin Alu" wurde im 17. Jahrhundert von Rabbi Shalom Shabazi verfasst. Die jemenitische Sängerin Ofra Haza, die als Kind nach Israel auswanderte, muss diese Zeilen gemocht haben. 1978 präsentierte sie ihre musikalische Umsetzung des Gedichts erstmals in einer israelischen Fernsehshow.


Remix für Remix in den Pop-Olymp

Sechs Jahre später erschien "Im Nin Alu" auf Ofra Hazas Album "Yemenite Songs", im klassischen Sound-Gewand der 80er-Jahre, mit digitalen Drums und Synthesizer-Klängen. Bis dahin hatte sich nur eine überschaubare Anzahl von Fans für dieses Lied interessiert. 1988 aber passierte das Unvorhersehbare: Ofra Haza veröffentlicht "Im Nin Alu" in einer erneut veränderten Fassung auf ihrem Album "Shaday". Der Song wird zum Welthit und neben "Yéké Yéké" von Mory Kanté, zum Emblem der Weltmusik-Bewegung. Das Lied läuft rauf und runter, in unzähligen Radios weltweit. Es ertönt aus Taxis in Jerusalem, New York und Castrop-Rauxel und verkauft sich über drei Millionen mal. Allein in Deutschland steht der Song acht Wochen lang auf Platz 1 der Charts.


Die Macht des Sampling

Aber wie ist das passiert? Den Erfolg ihres bereits zehn Jahre alten Songs verdankt Ofra Haza in erster Linie zwei US-amerikanischen Rappern. Eric B & Rakim samplen 1987 "Im Nin Alu" für ihren Track "Paid in Full" und treffen damit den Nerv der Zeit. Von nun an steigt die Nachfrage nach dem für europäische Ohren äußerst ungewöhnlichen Gesang. Jeder will das Original besitzen und "Im Nin Alu", ein hebräisches Gedicht, vorgetragen von einer jemenitischen Sängerin, gehört plötzlich ebenso zur westlichen Pop-Kultur wie "Da Da Da" oder "Yellow Submarine".


Von Eric B & Rakim bis zum Watcha Clan

"Watcha Clan" aus Marseille ; privat Bild vergrößern

"Watcha Clan" aus Marseille

Nicht nur Eric B und Rakim sind dem Charme von Ofra Hazas größtem Hit erlegen. Pop-Queen Madonna ließ den Refrain von "Im Nin Alu" für ihren Song "Isaac" neu einsingen. Die Sängerin Hélène Segara veröffentlichte eine französische Version unter dem Titel "Ou que j‘aille" und ihre Kollegin Izel veröffentlichte eine moderne türkische Fassung namens "Saz". In den Händen des indischen Produzenten Panjabi MC wird aus dem jemenitischen Klassiker eine Bollywood-Beat-Granate, die selbst Skelette zum Tanzen bringen würde! Eine der schönsten Neubearbeitungen von "Im Nin Alu" ist vor zwei Jahren entstanden. Der Watcha Clan aus Marseille reinterpretiert Ofra Hazas Klassiker mit dubbigen Drum & Bass und Trip-Hop-Beats. Frontfrau Sista K ist schon seit ihrer Kindheit Fan des Songs. Ihre eigene Musik sei durch die Pionierarbeit von Musikerinnen wie Ofra Haza erst möglich gemacht worden.


Ofra Hazas Vermächtnis

Egal ob in der Türkei oder in England, im HipHop-Club oder auf den Dancefloors der House- und Techno-Tempel dieser Welt: "Im Nin Alu" ist heute Teil der internationalen Musikkultur. Das Lied war Ofra Hazas größter Hit und einer der Wegbereiter der sogenannten Weltmusik. Obwohl sie weiterhin eine gefragte Gastsängerin war und regelmäßig neue Alben veröffentlichte, ist es ihr nie gelungen, diesen Erfolg zu wiederholen. Vor 12 Jahren starb Ofra Haza im Alter von nur 41 Jahren an Aids. "Im Nin Alu" ist ihr musikalisches Denkmal und wird auch in Jahrzehnten noch an vielen Ecken dieser Welt erklingen.
(Keno Mescher)




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