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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Funkhaus Europa >Musik >"Sottosopra"


The Story behind

"Sottosopra"

Gianmaria Testa

Sendung vom 16. Februar 2012

Bevor er Musiker wurde, war Gianmaria Testa 25 Jahre Bahnhofsvorsteher in der norditalienischen Stadt Cuneo. Gitarre lernte er als Autodidakt. Sein aktuelles Album "Vitamia" strotzt nur so vor Melancholie und Wut. Die hört man besonders gut im Song "Sottosopra", übersetzt "drunter und drüber".

Gianmaria Testa; Privat


Wie kam es dazu, dass Du diesen Song geschrieben hast?

"Sottosopra" habe ich für das Theaterstück "18.000 Tage - der Python" geschrieben. Es handelt von einem fünfzigjährigen Mann, der entlassen wird. Er verliert nicht nur den Job, sondern auch seine Familie. Frau und Kind verlassen ihn, er fühlt sich wie ein Aussätziger in der Welt. Und da beginnt er einen einsamen und tragisch-komischen Protest.


Ist es eine erfundene Geschichte?

"Sottosopra" handelt von einer Situation, die zurzeit in Italien sehr oft passiert. Die Fabrikarbeiter, die ihre Jobs verlieren, steigen aus Protest auf die Dächer der Fabriken. Nach zwei Tagen kommt das Fernsehen, macht Interviews, spricht mit einigen Familienangehörigen, die unten stehen. Dann zieht das Fernsehen wieder ab, doch die Arbeiter bleiben oben auf den Dächern. Es ist ein zorniges, aber auch trauriges Lied.


Man hört dem Lied diese Wut an. Benutzt Du deswegen die verzerrte E-Gitarre?

Es ist das erste Mal, dass ich rockiger wurde. Einfach, weil der Text extrem ist. Eine verzerrte E-Gitarre passte da super! Die Idee kam von einem sehr guten Freund: Claudio Dadone, ein begnadeter Gitarrist, aber eigentlich ist er Urologe, Chefarzt im Krankenhaus von Cuneo.


Wann hattest Du das letzte Mal das Gefühl, dass alles "drunter und drüber" geht?

Ich habe in letzter Zeit oft gedacht, dass alles "SOTTOSOPRA", also drunter und drüber geht. Vor allem politisch. Wir haben richtig Angst gehabt, dass uns Berlusconi in den Ruin führt. Mit "wir" meine ich die Hälfte der Italiener, die Berlusconi nicht gewählt hat. Wir haben in Italien eine paradoxe politische Situation erlebt, ohne jegliche Ethik. Und es wird sehr lange dauern, bis wir diese Art Krankheit ausgerottet haben.
(Claudia D'Avino)




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