Fünf Tage lang (26.-30.10.11) drehte sich in Kopenhagen alles um die WOMEX. Die World Music Expo ist seit vielen Jahren Treffpunkt für Musikprofis aus allen Ecken der Welt. Unsere Experten waren für Sie vor Ort um über die neuesten Entwicklungen zu berichten und musikalische Geheimtipps aufzuspüren.
Hugh Masekeeeeelaa!
Der legendäre Jazztrompeter aus Südafrika erhält den WOMEX Artist Award 2011
Er kämpfte für Nelson Mandela, spielte mit Bob Marley und Miles Davis, heiratete Miriam Makeba und bekam von Louis Armstrong seine erste gute Trompete geschenkt: Hugh Masekela, Trompeter, Sänger, Komponist und südafrikanischer Held im Kampf gegen die Apartheid. Auf der WOMEX in Kopenhagen wurde der 72-Jährige mit dem Artist Award ausgezeichnet. Die Lobrede hielt Funkhaus-Europa-Musikchef Francis Gay. Gemeinsam mit dem Publikum übte er, den Namen des Preisträgers richtig auszusprechen - und wurde prompt korrigiert.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 reist die WOMEX durch Europa. In diesem Jahr macht sie in Dänemark Halt. Für die mehreren tausend Fachteilnehmer aus fast allen Ländern der Welt ist die Messe eine gute Gelegenheit, sich mit den neuesten Musiktrends vertraut zu machen und Geschäftskontakte zu pflegen. Nicht zu vergessen natürlich die wichtigen Showcases am Abend, bei denen schon der ein oder andere Newcomer groß herausgekommen ist. Musik-Chef Francis Gay war beim Eröffnungsabend dabei und schildert uns seine Eindrücke.
Omara 'Bombino' Moctar steht in der Tradition der Berbermusik. Ihre feinen Rhythmen und aufbegehrenden Texte verbindet er mit virtuosem Gitarrenspiel, das die Geister von Ali Farka Touré und Jimi Hendrix heraufbeschwört. Nach Tinariwen ist Bombino die nächte Sensation aus der Sahara. Vor seinem großen Auftritt bei der Womex spielt er im Funkhaus-Europa-Studio.
Kenias erfolgreichster Jugendsender heißt Ghetto Radio. HipHop, Kuduro, Kwaito und frische Styles aus dem urbanen Afrika werden hier rund um die Uhr gesendet. Ghetto Radio verleiht den Bewohner aus den Slums eine Stimme. Der Niederländer Marteen Brouwer von der Initiative "This Is Africa" hat die Station in Nairobi mitaufgebaut. Im Funkhaus Europa Studio auf der WOMEX erzählt er die Erfolgsgeschichte
Sänger aus Port-Au-Prince gibt Einblicke in seine Heimat
In seiner Heimat Haiti ist er längst ein Superstar, in Europa ist er allerdings noch nahezu unbekannt: Jean Belony Murat, kurz Bélo. Auf der WOMEX in Kopenhagen kam der 32-Jährige aus Port-au-Prince zu Besuch ins Funkhaus-Europa-Studio. Exklusiv für Café Mondial spielte er seinen größten Hit "Lakou Trankil", eine kreolische Anspielung auf den "friedlichen Hinterhof", der Haiti einmal war.
Abseits der Messehallen und des offiziellen Weltmusik-Programms der WOMEX hat sich die DJ-Szene des Global Pop zusammengetan. Mit dabei: bekannte Protagonisten aus dem Tropical Bass wie Copia Doble Systema aus Kopenhagen, DJ BBrave aus Ghana, Kosta Kostov vom Kölner Global Player, DJ Farrapo aus Bologna, DJ Click aus Paris und die Berliner von La Chusma Records. Wichtige Kontakte wurden geknüpft und heiße Schienen des Zukunft des Global Pop gelegt.
Freitag ist traditionell der wichtigste Tag der WOMEX. Doch auch wenn sich mehrere tausend Besucher durch die Gänge der Messehalle schlängeln, ist die Atmosphäre eher entspannt und freundlich. Schließlich sind hier Liebhaber unterwegs. Funkhaus Europa-Musikredakteur Uh-Young Kim gehört dazu und erklärt, warum in diesem Jahr alle auf die karibischen Länder schauen. Und gleichzeitig stellt er uns die Sängerin Indrani aus Barbados vor, die er bei einer Jamsession am Messestand getroffen hat.
"Modern Ghanaians" heißt der Hit, mit dem King Ayisoba bei Funkhaus Europa bekannt geworden ist. Unser Musikblogger Felix Zeltner hatte ihn in Ghana besucht - und bei der diesjährigen WOMEX zufällig wiedergetroffen. Der King war nicht zu übersehen und -hören. Überall traf man auf ihn und seine Schreie.
Sein Markenzeichen: lange Dreads, breites Lächeln. Buggy Nhakente aus Barbados ist einer der vielen großartigen Künstler, die bei der WOMEX den karibischen Stand rocken. Mit Jamsessions, karibischem Rum und viel Networking. Seit Mitte der 90er-Jahre schreibt Nhakente nun schon Songs, stand mit großen Reggae-Künstlern auf der Bühne und schraubt derzeit an seinem zweiten Album. In diesem Jahr wurde er sogar zum "Barbados Reggae Artist of the Year" gekrönt. In Globalista sang er uns "Just a man".
Mohammad Reza Mortazavi spielt die iranischen Trommeln Tombak und Daf. Der Iraner mit Wahlheimat Berlin hat über 30 neue Techniken auf den Instrumenten eingeführt und damit eine neue Ära eingeläutet. Manchmal klingt sein Spiel fast wie Minimal Techno mit Subbässen. Nachdem Mortazavi schon die Konzertsäle und Philarmonien erobert hat, möchte er nun die Clubs zum Tanzen bringen.
Die beiden Spoken-Word-Poeten Comrade Fatso und Outspoken aus Zimbabwe arbeiten mit dem Netzwerk "Roots 2 Roots" zusammen, das afrikanische Künstler mit Musikern aus Europa zusammenbringt. Und auch sie haben es sich nicht nehmen lassen, im mobilen Sendestudio von Funkhaus Europa noch eine Kostprobe ihres Könnens abzugeben.