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Funkhaus Europa
Musik
5Planeten Dossier
Sendung vom 13. Oktober 2012
Musikalischer Trendsetter, A&R bei EMI Mexiko und Mastermind des "Mexican Institute of Sound". Spricht man über Musik aus Mexiko, führt kein Weg an dem 36-jährigen Multitalent vorbei: Camilo Lara.
Gerade hat der sympathische Mann mit dem Hut sein drittes Album "Político" veröffentlicht. Ein musikalisches Manifest, das mit seiner Kritik an den politischen Verhältnissen Mexikos für Aufsehen gesorgt hat. Die 5Planeten haben aber noch einen Schritt weiter geschaut, fernab von seinem aktuellen Erfolg: Was macht eigentlich die Szene der Música en Méxiko?
Jeder hat ihn schon einmal gehört und jeder kann auch dazu tanzen. Cumbia! Der wohl älteste Rhythmus der Welt ist aus der musikalischen Tradition Mexikos nicht mehr wegzudenken. Früher spielten ganze Orchester instrumentale Cumbia, in den 70er Jahren fing dann die Revolution des "Rhythmus der Straße" an. Die Sonidero-DJs haben den Sound der Straße auf ihre Partys geholt. Doch wie sieht es heute aus?
Camilo Lara: "Cumbia ist immer noch Underground. Man hört keine Cumbia im Radio, sondern in den Straßen oder eben Blockpartys. Momentan gibt es eine Generation die neue Cumbia Musik macht. Im Geiste der alten Tradition, also raus aus dem Underground. Aber was sich verändert hat ist die Methode. Heute haben die Kids kein Orchester zur Verfügung, sondern arbeiten mit Software an ihren Computern. Cumbia ist der älteste lateinamerikanische Rhythmus, der vor vielen Jahren durch die Afrikaner über Kolumbien zu uns kam. Es ist der einzige Rhythmus, der in jedem Land auf der Welt existiert. Er ist demokratisch, jeder kann dazu tanzen."
Camilo Lara arbeitet momentan auch an einem ganz besonderen Projekt: Mit dem mexikanischen Tribal-Produzenten Toy Selectah tüftelt er an einem Cumbia-Revival. Zusammen mit den Cumbia-Helden der 80er, "Los Angeles Azules", nehmen sie die Hits vergangener Tage neu auf und überarbeiten sie mit zeitgenössischen Stilmitteln. Los Angeles Azules haben Cumbia in Mexiko neu definiert. Sie waren die erste Band, die nicht mehr nur instrumentale Cumbia spielte. Ihre Lieder sind in Mexiko Evergreens, noch heute werden die Klassiker auf Hochzeiten gespielt.
Nicht nur Mexikaner beherrschen den Rhythmus der Cumbia. Die Argentinier auch, vor allem dank des Labels ZZK Records, die den Begriff Cumbia Digital geprägt haben. Camilo Lara ist mit Cumbia aufgewachsen, was denkt er über die Erfindung aus Argentinien?
Camilo Lara: "Ich glaube, dass Cumbia Digital nur ein Name für eine Bewegung ist, um elektronische Cumbia außerhalb Argentiniens bekannt zu machen. Das ist eine gute Sache, aber ich bin kein großer Fan von Trends. Sobald du in einem Trend drin steckst, bist du ganz oben. Aber deine Tage sind gezählt. Vor einem Jahr war der Punkt erreicht, an dem jeder Cumbia gemacht hat. Mich hat das irgendwie gelangweilt. Es gab viele, die dem Cumbia Digital Trend gefolgt sind… aber am Ende war es doch nichts. Ich glaube an meine eigenen Ideen. Und wenn man welche hat, dann ist es das Beste was dir passieren kann."
Der nächste große Coup aus Mexiko ist wohl Tribal. Das Genre hat seine Wurzeln in alten Azteken- und Guaracha-Rhythmen, aufgepeppt mit elektronischen Beats. Der Mix aus Cumbia, Mexik can-Pop und Techno ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Musikszene Mexikos. Entstanden vor gut 2 Jahren in Monterray unter den Fittichen von Produzent Toy Selectah, entwickelt sich die Szene rasend schnell. Das hat auch Camilo bemerkt.
Camilo Lara: "Die Tribal-Szene ist wirklich interessant. Es ist die erste mexikanisch Bewegung, die auf der Tanzfläche entstanden ist. Tribal ist wahrscheinlich das Gegenteil von Cumbia. Die Tribal-Produzenten haben es geschafft, original mexikanische Musik für eine breite Masse zugänglich zu machen. Die Szene ist über die Jahre organisch gewachsen. Und nun sieht es so aus, als wenn Tribal das nächste große Ding aus Mexiko wird. Es fängt an zu passieren! Original mexikanische Musik ist wohl dem hipHop ähnlich. Es sind nur diejenigen erfolgreich, die die Grenzen überschreiten und neues ausprobieren."
Mittlerweile ist Tribal auch in den USA heißt begehrt. Kein Wunder, denn der Sound ist perfekt für die gigantische Club Kultur der Staaten. Viele Mexikaner der zweiten oder dritten Generation leben in Amerika und sind begeistert von dem Dancefloor-Sound - schließlich erinnert der traditionelle Rhythmus an ihre Heimat. Selbst DJ-Größen wie Diplo oder Skrillex sind bereits Fans der treibenden Tribal-Grooves
Beschäftigt man sich in unserer heutigen globalen Welt genauer mit aktuellen Musikströmung, stolpert man über die verschiedensten Namen: Dubstep, Moombahton, Trap oder Tribal Tech House. Fast jeden Tag wird scheinbar ein neuer Musikstil geboren, befeuert durch das Internet und die Globalisierung. Innerhalb eines Jahres hat sich Moombahton beispielsweise zum erfolgreichsten Ableger der Global Dance Szene entwickelt. Ein Hybrid aus Reggaeton, House und regionalen Rhythmen. Camilo Lara ist ein großer Fan der Bewegung, schließlich hat Moombahton "ein völlig neues Universum für Club-Musik" eröffnet. Und es sei "ein grandioser Weg, lateinamerikanische Rhythmen einem nicht-latino Publikum zu präsentieren".
Seit diesem Jahr scheint sich aber noch eine ganz spezielle Bewegung zu etablieren: Die Musik der Anden. Die Vorreiter der Szene sind wohl die drei Jungspunde von Matanza. Das aus Santiago de Chile stammende Trio ist dieses Jahr mit ihrem schweißtreibenden Schamanen Grooves durch ganz Europa getourt. Ihr Markenzeichen ist die Berufung auf die Tradition ihrer Vorfahren: Stampfende Folklore der Mapuche-Indianer fusioniert mit stilistischen Vorbildern der europäischen Techno-Szene der 90er. Ein wirklich außergewöhnlicher Sound, der sogar schon Technogrößen wie Modeselektor oder Boys Noize fasziniert. Doch was denkt unser Mann aus Mexiko darüber?
Camilo Lara: "Die Anden Bewegung und viele andere Strömungen, die gerade aktuell sind, sind sehr elektronisch. Das interessante daran ist, dass sie ihre Herkunft und Wurzeln nicht vergessen. Sie haben etwas, dass dich an den Ort erinnert, woher sie ursprünglich kommen. Das ist sehr aufregend. Aber ich glaube, dass sie noch nicht den richtigen Weg gefunden haben und sich noch in einem Prozess befinden. Für mich ist aber genau das, was Musik eigentlich ausmacht: Seine Herkunft und Background nicht zu vergessen, denn nur das macht dich einzigartig von anderen Musikern auf der ganzen Welt."
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