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Musik
5Planeten Dossier
Sendung vom 01. September 2012
Tropical Bass made in Russia. Oder Sovjet Bass! Dafür stehen Midget Ninjas, ein DJ und Producer Kollektiv aus Moskau. Soviet Bass: ein ganz eigener Sound. Mit sowjetischen Liedgut und schrägen Beats.
Wer sind eigentlich diese kleinen Ninjas aus Russland? Und wie kann der tropische Bass in solch nördlichen Breitengraden heimisch werden? 5Planeten Reporterin Katja Garmasch hat das für uns recherchiert.
Die Facebook Seite von Midget Ninjas verrät nicht viel über die Band. Groove Daddy, Chuck Upbeat und Buddy Bass sind Musiker und DJs. Die Jungs haben sich auf einer DJ Onlineplattform kennen gelernt. Groove Daddy hat Baile Funk produziert und Chuck Upbeat hat sich bis dato mit dem Baltimore Club-Sound befasst. Also haben sie entschieden eine Mischung aus beiden Genres zu machen: Heraus kommt Tropical Bass. Leider haben sie erst im Nachhinein festgestellt, dass sie nicht die ersten mit der Idee waren.
Die Midget Ninjas haben bereits ihre eigenen Partys in Moskau und ganz Russland etabliert. Doch in Moskau ist es sehr schwer eine neue Veranstaltung zu etablieren - vor allem mit solch einer Attitüde, wie sie die tropical Ninjas an den Tag legen. Die Russen lieben einfach den Glamour.
Groove Daddy: "Die unerschöpfliche Nachfrage nach Glamour in der Moskauer Partyszene kommt daher, weil alle Menschen aus den Provinzen nach Moskau kommen um zu feiern. Die kennen nur eine Art von Musik und deswegen suchen sie nicht nach etwas neuen, sondern wollen einfach Geld ausgeben. Denn für sie misst sich der Spaß daran wie viel Geld man ausgegeben hat. Und das nutzen viele Clubs hier als Konzept - Ein Glas Cola kostet 25 Dollar und alle sind glücklich. Außerdem ist Moskau eine sehr schwierige Stadt für Partyveranstalter weil es hier so viel Konkurrenz gibt. Man muss sich schon ein besonderes Konzept einfallen lassen, damit die Menschen von 200-300 Parties am Freitag oder Samstagabend ausgerechnet deine eigene aussuchen. Und da versuchen wir immer was Neues: Mal geht es nach Mexico, mal nach Jamaica, mal endet das Ganze in dem pakistanischen 2Stepp. Und das mögen unsere Gäste. Das Unerwartete, die Überraschung. Und sie nutzen unsere Parties einfach auch zu Bildungszweck."
Die russische Partyszene ist pathetisch, aber auch exktatisch. Bei den wilden Nächten der Midget Ninjas sind nicht selten etwa 1000 Menschen anwesend. Die Menschen in Russland öffnen sich langsam für ungewöhnliche Klänge. Dabei helfen bestimmt die altbekannten Klänge der russischen Volkslieder, um mit dem Tropical Bass warm zu werden.
Sovjet Bass wurde von den Midget Ninjas erfunden. Im Frühjahr 2012 haben sie ihr erstes Album veröffentlicht, kostenlos im Internet. Das ist natürlich gut für den Musikkonsumenten. Aber alleine von ihren Parties lässt es sich schwer leben. Warum stellen sie dann ihre Musik zum Gratis Download bereit?
Alle Musiker gehen einem geregelten Beruf nach, manchmal sogar mehrere. Denn Moskau ist teuer. Außerdem ist ihnen die künstlerische Freiheit wichtig, sie wollen sich nicht von Labels einschränken lassen und ihre ungewohnte Musik selbst promoten.
Groove Daddy: "In Moskau und auch in der globalen Clubkultur musst du als DJ auffallen. Du kannst nicht einer von vielen grauen Hous-DJs sein und einfach Stücke auflegen. Du musst eine Performance bieten und wir geben den Menschen die gute Laune, die Freude, kreativen Input über den sie dann den anderen erzählen können."
Um sich abzuheben, lassen sich Midget Ninjas einiges einfalllen: Beispielsweise mit einer Trommeltruppe aus Brasilien, einem Kleinwüchsigem tanzend in einem Westleroutfit oder ein Salsa Lehrer. Midget Ninjas bieten ihren Gästen eine Wahnsinnsshow. Demnächst wollen sie sogar Pioniere aufmarschieren lassen.
Der Song "Pon de Floor" von Major Lazer bekommt bei Midget Ninjas ein ganz neues Gesicht: Sie fügen eine Strophe aus einem bekannten sowjetischen Pionierlied hinzu. Früher wurde der Song häufig in den Lagern gesungen, begleitet von mitreißenden Trommelwirbeln. Das Lied handelt vom Kampf der jungen Generation für eine heile Zukunft. Den Ninjas ist es wichtig, den Geist der Zeit zu transportieren. Die heutige Jugend in Russland ist ohne die alten Volkslieder der UdSSR aufgewachsen. Die Band will nicht den Text und damit die sozialistischen Parolen in den Vordergrund stellen, sondern die optimistische Stimmung. Natürlich ist es aber auch einfach nur ein cleverer Marketing-Gag.
Chuck Upbeat: "Wenn man Remixe von den alten Liedern hört, konzentrieren sich die Meisten auf dem Refrain, dessen Text dann in ein neues Kontext gesetzt wird. Wir versuchen uns aber auf der emotionalen Seite zu konzentrieren. Unsere Musik der frühen Nachkriegszeit steckt voller Emotionen, traurigen und auch fröhlichen und die sollte man neu erleben."
Groove Daddy: "Was Marketing angeht ist das ein geniales Produkt, wo der Großteil der Arbeit schon für uns 70 Jahre lang gemacht worden ist und zwar von dem schrecklichen Sowjetsystem und seiner gigantischen Propagandamaschine. Und sein Erbe, sein dunkler Schatten wird noch lange über den Planeten reiten. Und da dachten wir, warum sollen wir da nicht einfach aufsatteln?"
Es kann gut sein, dass sich ihre tropische Musik in der russischen Kälte etablieren wird. Vielleicht sollte man gerade wegen der Kälte mehr von ihrer Musik hören?
Groove Daddy: "Die Russische Seele ist ja eigentlich warm. Und diese Wärme wollen wir rauslassen. Hier ist es kalt, dunkel, traurig und elendig. Und ich glaube wenn man einmal im Monat zu einem tropischen Ort wie bei unserer Party kommt, wird es eine gute Therapie sein."
Midget Ninjas stecken voller Energie, Ideen und sind wirklich clever. Sie satteln das kommunistische Erbe auf und lassen zu Dubstep und Baile Funk tanzen. Manchmal scheint es ein wenig respektlos, wie in ihrem Song "Dunkle Nacht". Das Lied ist für viele Generationen der Sowjetbürger heilig, denn es wird mit den gefallenen Soldaten assoziiert. Die kleinen Ninja haben eine Dancefloor Version daraus gemacht und dabei kann einem ein wenig mulmig zumute werden. Allerdings verstehen es Midget Ninjas nicht als Ausschlachtung des Kriegserbes, sondern an eine Hommage an ihre Großväter. "Jeder Mensch hat seine persönliche Dunkle Nacht, also eine schwere Zeit.", sagt Chuck Upbeat. "Und das Lied soll uns sagen: Solange uns jemand Liebt lohnt es sich zu kämpfen!"
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