Mittwoch, 16.05.2012
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Shazalakazoo sind zurück mit ihrem neuen Album. "Karton City Boom" haben sie es getauft. Milan Djurić und Uroš Petković aus Belgrad haben sich mit ihren Produktionen und Remixen längst einen Namen außerhalb der Balkan Szene gemacht. Wo innovative Balkan-Musik auf Global Bass trifft, dort fühlen sich die Herren von Shazalakazoo zu Hause. Unser 5 Planeten Reporter Daniel Wahl hat sich mit den beiden unterhalten.
Die Geschichte von Shazalakazoo beginnt 1995 als vierköpfige Band noch in einer anderen Formation. Die damalige Band schafft es nie ein Album aufzunehmen. Es sind sehr schwere Krisenjahre in Serbien und Musik hat nicht immer Priorität. Die Folgen des Jugoslawien - Krieges und der absehbare Kosovo Konflikt zwingen die einzelnen Mitglieder Entscheidungen zu treffen: der Bassspieler wandert aus nach Prag, und der Gitarrist nach Chicago. Auf einmal stehen Milan Djurić und Uroš Petković alleine da.
Milan Djurić: "Alles begann mit einer vierköpfigen Band: Gitarre, Bass, Schlagzeug, und ich sang und spielte auf verschieden Holzflöten. Anfangs spielten wir eher eine Mischung aus Jazz, Rock, Ethno und anderen Stilen. Und nach dem ersten Jahr kam dann Uroš mit seiner Geige in die Band."
Mit Computern begannen die beiden dann neue Sounds auszutüfteln: Milan spielt nicht nur eine USB-Klarinette sondern bedient auch verschiedene Midi-Geräte, Uroš spielt E-Geige und ist der DJ des Duos.
Erschienen ist das Album (Dig/CD/Vinyl!) auf dem berliner Label Eastblok Music. Sowohl serbische Künstler wie z.B. MC Killo Killo, Hornsman Coyote, St. Sevqet oder Blaskapellmeister Romano Duruli, als auch internationale MCs wie MC Gi aus São Paulo und Zanillya aus Amsterdam werden darauf gefeatured. Shazalakazoo beweisen mit "Kartoon City Boom", dass sie den Spagat zwischen traditionsreichem Balkan und verschiedenen Spielarten elektronischer Bassmusik perfektioniert haben.
Milan Djurić: "Die Musik von Shazalakazoo ist vor allem Tanzmusik. Bassmusik stark gewürzt mit den live Balkan -Sounds, die entweder selber spielen, aufnehmen, samplen oder schneiden etc. Aber wir nehmen nicht nur Balkansounds, sondern ebenfalls schwarzafrikanische und lateinamerikanische Elemente auf."
"Folkstep" so heißt nicht nur ein Track des neuen Albums, der Begriff beschreibt auch den Sound von Shazalakazoo: elektronische Beats und Rhythmen vom Rechner werden mit mit Folklore-Samples oder folkloristisch angehauchten Melodien gemischt. Milan und Uroš schöpfen dabei aus allen musikalischen Ressourcen, die Belgrad - "das Tor zum Balkan" - zu bieten hat. Neben arabischen, persischen und türkischen Einflüssen, die sich in der Musik Serbiens wiederfinden, lassen sich Shazalakazoo besonders von moderner Zigeunermusik beinflussen.
Milan Djurić: "Den größten Einfluss bekommen wir von einer Musikrichtung die sich TALADA nennt. Die Musik wird von den muslimischen Zigeunern aus Südserbien, Mazedonien, aber auch aus Bulgarien nahe der griechischen Grenze gespielt. Also vorwiegend muslimische Zigeunermusik die sich bei 80-90 BPM bewegt, und sich deshalb gut mit Drum 'N' Bass und Drumstep kombinieren lässt. Es ist eine absolut elektronisch produzierte Musik: man hat also elektronische Rhythmen, Synthesizer und einen Sänger. Und das war's!"
Im Gegensatz zum progressiveren Folkstep, herrscht in Belgrad aber nach wie vor der sogenannte Turbo-Folk. Dieses Genre ist in Südosteuropa sehr populär. Anfangs war diese Musik eng verbunden mit den Nationalismen in dieser Region. Musikalisch ist es eine sehr billig anmutende Mischung aus Volksmusik oder Schlagern mit Rock, Pop und/oder Techno. Insofern kann man Shazalakazoo gut verstehen, wenn sie sich mit ihrem Geschmack auf das Feedback des offeneren Auslands stützen.
Milan Djurić: "Es ist ja bekannt dass wir mehr in Europa als in Serbien spielen weil... Shazalakazoo mehr in Richtung Worl Bass bzw. Balkan Bass - unsere Musik ist ja stark von Balkanelementen geprägt - und ethnische Balkanmusik ist nicht wirklich attraktiv für die jungen Underground Kids in Belgrad, deswegen lehnen sie diese Musik eher ab. Die populärste Musik in Serbien heißt Turbo-Folk. Es handelt sich um ein Mischung aus Folklore-Sounds und wirklich schlechtem, billigem Elektro-Pop. Man hört es in fast allen Radiosendern, und wenn du in die Bäckerei gehst um etwas zu kaufen, hörst du ebenfalls diese Musik. Man kann sich also vorstellen warum die underground Kids so allergisch reagieren auf alles was ein bisschen eine Ethno-Note hat. Deswegen hören sie meistens House, Dubstep, Drum'n' Bass oder sonst was."
Das Publikum in Deutschland hat sich als das empfänglichste Publikum für die Musik von Shazalakazoo erwiesen. Anlässlich des neuen Albums von Shazalakazoo wird am 19. November im berliner Lido die Releaseparty zu "Karton City Boom" stattfinden. Außerdem werden die beiden Belgrader zum großen Funkhaus Europa Finale 2011 am 31. Dezember ins kölner Gloria kommen.
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