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5Planeten Dossier

Mexican Institute of Sound

Sendung vom 11. Juni 2011

Ein industrieller Hip Hop-Beat wird von Latin Horns und einem Akkordeon-Lick flankiert. Dazu Scratches, Samples und Spoken Words! Das ist der genreübergreifende Mix des Cumbiambero Electrónico: Camilo Lara alias Instituto Mexicano del Sonido oder Mexican Institute of Sound.

; Rechte: dpa Bild vergrößern

Instituto Mexicano del Sonido / Mexican Institute of Sound

Der Mexikaner hat kürzlich auf der Funkhaus Europa Summerstage als DJ die Menge zum Kochen gebracht. Mit 5Planeten Reporter Lukasz Tomaszewski hat er über seinen ungewöhnlichen Weg vom Hobby-Remixer zum angesehenen Produzenten und über die Musikszene Mexikos gesprochen.


Karrierestart mit "Méjico Máxico"

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Camilo Lara alias Instituto Mexicano del Sonido kam auf Umwegen zu seiner Karriere als Produzent, DJ und Sänger. Zwar stammt er aus einer Musikerfamilie und sein Bruder ist Sänger der bekannten mexikanischen Rockband "Moderatto". Aber Camilo selbst begann erst einmal als Musikfan und Plattensammler in einem großen Plattenlabel zu arbeiten. So kam er billiger an Musik und er konnte seine Stars persönlich kennenlernen. Und während er es hier bis zum Chef von EMI-Musik Mexico schaffte, versuchte er sich erst Jahre später als Remixer für Freunde.

"Nach einer Zeit meldete sich bei mir das spanische Indie-Label "Lovemonk". Ihnen gefiel meine Arbeit und sie schlugen mir vor ein Album zu veröffentlichen. Ich schickte ihnen also meine CD. Die Reaktion war vernichtend: Sie sagten mir, dass mein Album fürchterlich sei und dass ich noch sehr viel daran arbeiten müsste. Ich machte mich zwar an die Arbeit, aber mein alter Computer stürzte dabei ab: Mitsamt allen Veränderungen. Ich wartete zwei Wochen ab, veränderte die Reihenfolge der Tracks und schickte dem Label exakt das selbe Album. Diesmal waren sie begeistert! So begann meine Karriere: Ich habe ein spanisches Label verarscht."


Spirit mexikanischer Straßenfeste

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So erscheint 2006 Das Debutalbum von Instituto Mexicano del Sonido: "Méjico Maxico". Eine Kollage aus Elektronica, Dub, Cha Cha Cha, Cumbia und Spoken Words. Um live auftreten zu können stellt Camillo schnell eine kleine Band auf die Beine. Er kümmert sich um Gesang und Keyboard, dazu kommen ein Schlagzeuger, ein DJ und ein Bassist.

"Wenn wir live auftreten versuche ich den Spirit von mexikanischen Straßenfesten nachzuahmen. Bei uns in den Barrios wird dann die Straße abgeriegelt und ein riesiges Soundsystem aufgebaut. Es wird mit voller Lautstärke "Musica Sonidera", also die mexikanische Cumbia gespielt. Ich vermische diesen Stil auf der Bühne gerne mit energischen, punkigen Gitarrenriffs wie man sie von den Ramones kennt. Die Show ist also sehr wild und eine Mischung aus Musica Sonidera, Balkanbeats und Punk."


Hin und her gerissen zwischen den Genres

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Die Band kommt schnell zum Erfolg und tourt durch Europa und die USA. 2007 bereits erscheint das zweite Album "Pinata" und zwei Jahre später das aktuelle "Soy Sauce". Camilo kreiert auf allen drei Platten einen ganz eigenen Sound. Wie der Name schon verrät ist er sehr komplex und hat den Umfang ein wahren "Instituts". Das liegt sicherlich an seinem enormen Wissen über Musik. Seine private Plattensammlung zählt über 45 000 Exemplare. So ist er als Produzent immer hin und her gerissen zwischen Genres:

"Meine Musik hat von Allem etwas. Ich sage immer, daß ich eigentlich Berliner Techno machen wollte. Das hat aber nicht funktioniert, weil mich meine Gene daran gehindert haben. In meinem genetischen Code steckt einfach das Gefühl für Cumbia, Mambo, Danzón und Cha Cha Cha. Ich hatte immer eine Schwäche für traditionelle mexikanische Musik. Ich habe sie als Kind gehört und später als Erwachsener wiederentdeckt. Mein Herz aber schlug immer für alternative Strömungen der Jugendkultur wie Hiphop, Punk oder Electro. Als ich also anfing Musik zu machen kam eines zum anderen."


Cumbia Digital

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Dieser genetische Code des Mexikaners zeigt sich besonders deutlich wenn er mit Elementen der Cumbia spielt. Stampfende Hiphop-Beats werden dann schon mal mit Hilfe von Samples alter kolumbianischer Akkordeons zum Leben erweckt. Camilo zählt zu den Pionieren der Cumbia Digital.

"Als ich anfing Cumbia Digital zu produzieren hatte ich weder von den Argentiniern des ZZK-Labels gehört, noch von Bomba Estereo aus Kolumbien. Interessanterweise sind wir alle zur selben Zeit rausgekommen. Diese Vermischung zwischen Organischem und Elektronischem lag einfach in der Luft. Insgesamt ist es aber ein ganz natürlicher Prozess. Du schnappst deine traditionelle Musik auf und passt sie der aktuellen Umgebung an. Mit der Zeit kommen dann natürlich Verbindungen und Kooperationen zustande. In meinem Fall war es Nortec Collective oder Toy Selektah. Aber es ist einfach Avantgarde-Musik und es spielt keine Rolle aus welchem Land sie kommt."


"White Stripes"

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Das was Camilo auszeichnet ist, dass seine Kooperationen keine Schranken kennen. Das beste Beispiel dafür ist der Song "White Stripes" vom aktuellen Album Soy Sauce. Hiphop, Soul, Cumbia und elektrische Gitarren werden in einem Stück meisterhaft ineinander verwoben. Mit der Gastsängerin Patty Cantú landete er einen wahren Coup. Camilo erzählt die Geschichte zum Song:Ich wollte einen Song auf Hiphop-Basis machen. Hinzu fügte ich zwei Akkordeonsamples alter kolumbianischer Cumbias. Außerdem sollte eine soulige Stimme drauf:

"Ich rief Patty Cantú an, die zu der Zeit noch völlig unbekannt war. Ein unglaubliches Musiktalent! Sie hat mir den Refrain eingesungen. Kurz nachdem ich das Lied veröffentlichte, wurde sie dann von der Musikindustrie entdeckt und in Mexiko zu einem wahren Pop-Star. Ich habe ein unglaubliches Glück gehabt, denn jetzt ist es nicht mehr so leicht an sie ranzukommen."


"Süß-Sauer"

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Und bei den White Stripes von denen hier gesungen wird handelt es sich natürlich nicht um die gleichnamige Rockband, sondern um ein gestreiftes Shirt das seine Angebetete trägt. Er würde gerne auf den Dancefloor gehen und mit ihr tanzen, aber er ist "too drunk to dance", wie er singt: Fiesta Mexicana.

Eine Situation die die mexikanischen Fiestas momentan schwer belastet ist die politische Lage im Land. Der bewaffnete Konflikt zwischen den Drogenbanden und der Regierung ufert in vielen Regionen in Gewaltexzessen aus. Die Menschen bleiben aus Angst abends zu Hause. Die Sängerin Ely Guerra, die neulich bei der "A Fuego- Summerstage" in Köln auftrat, erzählte, dass in manchen Städten die Besucherzahlen ihrer Konzerte um die Hälfte geschrumpft sind. Auch für Camilo sind diese Veränderungen spürbar.

"Momentan erleben wir definitiv eine der dunkelsten Zeiten unserer Geschichte. In Mexico City ist man dem Konflikt nicht direkt ausgesetzt. Trotzdem gehört er zum Alltag und für einen großen Teil der Bevölkerung ist es eine große Belastung. Aber gleichzeitig ist die mexikanische Kulturindustrie momentan so kreativ und so erfolgreich wie nie zuvor. Wir exportieren sehr viel Musik. Es ist also beides: Süß-Sauer sozusagen. Ein brillanter Moment für die mexikanische Kultur und ein sehr trauriger für die Bevölkerung."




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