Mittwoch, 16.05.2012

Suche im gesamten WDR Web

  • Tipps zur vergrößerten Ansicht
  • Alle WDR E-Mail Adressen von A bis Z
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • Inhaltsverzeichnis wdr.de
  • Hilfe
  • Audio


Hauptnavigation Funkhaus Europa


Partnersender


Banner Musik


Sie befinden sich hier: > WDR.de > Funkhaus Europa >Musik >5Planeten Dossier


 

5Planeten Dossier

Fokn Bois

Sendung vom 23. Juli 2011

Seit ein paar Jahren begibt sich Benjamin Lebrave, Musikliebhaber und Begründer des Akwaaba Labels, auf den schwarzen Kontinent um nach talentierten Musikern und Produzenten Ausschau zu halten, und der Musik außerhalb des afrikanischen Kontextes - auch fernab der afrikanischen Communities - ein Forum innerhalb einer jungen globalisierten Musikszene zu verschaffen.

; Rechte: Akwaaba Bild vergrößern

Fokn Bois

So geschehen im Falle des Duos FOKN BOIS, das jüngst sein Album mit dem Titel "The Fokn Duna Quest in Budapest" auf dem Akwaaba Label veröffentlichte ( und prompt hier bei Funkhaus Europa zur CD der Woche gekürt wurde). Wie das Album entstand, was es musikalisch ausmacht, und weitere Einblicke in das aktuelle Musikgeschehen Ghanas erzählten Fokn Boi - Wanlov the Kubolor - und Benjamin Lebrave im Gespräch mit 5 Planeten Reporter Daniel Fernando Wahl.


Akwaaba goes Ghana

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Nach einer hervorragenden Remix-Compilation namens "Perfect Loosers present Akwaaba" auf der Künstler wie Ahmed Fofana, Baba Salah und Onyenze von einigen Produzenten aus Global Bass-Szene wie Schlachthof Bronx, Chief Boima oder Hat 'n' Hoodie geremixt wurden, wandte sich Benjamin Lebrave bereits 2010 dem in Ghanas Clubs angesagten Powerduo Ruff N Smooth zu. Schon länger war der Umzug des Label-Gründers ins politisch stabile Ghana geplant. Der direkte Kontakt zu den verschiedensten Musikern und Produzenten vor Ort, aber auch die verbesserten Arbeitsbedingungen für die Künstler zeigen dass Lebraves Plan aufging:

Benjamin Lebrave: "Die größte Neuigkeit der letzten Wochen ist mit Sicherheit mein Umzug nach Ghana, was bedeutet dass AKWAABA MUSIC seinen Hauptsitz jetzt in Accra hat. Dadurch multipliziert sich unser Zugang zu den Musikern, die Aufnahmemöglichkeiten verbessern sich, und das bedeutet wiederum dass wir eine Tonne mehr Musikmaterial veröffentlichen können. Bislang haben wir vorwiegend ganze Alben veröffentlicht. Mich interessiert jedoch verstärkt die Zusammenarbeit mit aufstrebenden Künstlern, einzelne EPs herauszubringen, auch als kostenlose Downloads. Wir wollen uns auch mit Musikclips aber auch mit anderen Videoproduktionen beschäftigen - vielleicht unter einem anderen Namen. Die Veröffentlichung der FOKN BOIS ist sicherlich ein Meilenstein für uns gewesen, und ich bin sehr stolz auf diese lang geplante Zusammenarbeit mit Wanlov und Mensa."


Der Meilenstein FOKN BOIS

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Verglichen mit anderen Künstlern des Akwaaba Labels verkörpern die Fokn Bois - Emanuel Owusu-Bonsu alias Wanlov the Kubolor und Mensa Ansah alias M3nsa - die Idee des Labels wie kaum ein anderes Künstlergespann. Sie wollen einerseits die afrikanische Musik außerhalb des schwarzen Kontinents salonfähig machen und andererseits durch internationale Kooperationen andere Szenen mit afrikanischen Einflüssen und Ideen neu beleben. Gleichzeitig sollen dabei aber auch Akzente in der jungen Musikszene Ghanas gesetzt werden. Der Name "FOKN BOIS", der auf den ersten Blick in verschiedene Richtung spekulieren lässt, ist dabei nicht mehr als eine gängiger Ausdruck für Personen mit unverschämtem Benehmen.

Wanlov the Kubolor: "Wenn in Ghana junge Leute herumblödeln oder etwas tun das allgemein als dumm oder töricht gilt, werden sie von alt bis jung , als "Fokn Boi" beschimpft. Der Ausdruck betont also weniger eine Handlung sondern viel mehr die idiotische Eigenschaft einer Person, die auf dumme und verrückte Gedanken kommt. Ich zum Beispiel heiße "Kubolor" und gewissermaßen ist ein "Kubolor" ('Vagabund') ein "Fokn Boi"... als M3nsa und ich beschlossen eine Gruppe zu gründen, war es einer der zutreffendsten Namen, weil wenn wir gemeinsam rappen, hören die Leute unseren Texten zu: aufgrund unser Empörungen, unseren Albernheiten, dem Spaß und bestimmten Themen vor denen wir nicht zurückschrecken diese auszusprechen, bezeichnen uns die Leute eben auch als "Fokn Bois".


Alles begann mit Hiplife und Pidgin Rap

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Zwar ist das Projekt der beiden Fokn Bois relativ jung, jedoch veröffentlichten sowohl M3nsa als auch Wanlov bereits mehrere Solo-Alben. M3nsa gilt als einer der Pioniere des Hiplifes, der im zarten Alter von 15 bereits Beats für die Hiplife-Ikone Reggie Rockstone produzierte. Als Sohn der ghanaischen Gitarrenlegende Tumi Ebo Ansah, einer der Gründer der Afrorock-Stars Osibisa, setzte er somit die musikalische Familientradition fort. Wanlov fühlte sich schon immer von Rap Musik angezogen und er sieht heute noch in Rap-Größen der Golden Era wie z. B. Busta Rhymes oder Snoop Dog seine Vorbilder. Aber auch Schauspieler und Komiker wie Sacha Baron Cohen alias Ali G., Borat oder Bruno, inspirieren ihn bei seiner Arbeit als Musiker und Entertainer. Seine Texte verfasst Wanlov, dessen Name sich aus 'One Love' ergab, in/auf Pidgin. Er zählt zu der Vorhut einer einer regelrechten Pidgin Rap Szene, die sich in Ghana seit 2007 zu festigen begann.

Wanlov the Kubolor: "Die Fokn Bois das sind M3nsa "The Magnificent", er ist einer der Pioniere der Hiplife-Musik, er begann schon mit 15 für Reggie Rockstone - den Gottvater des Hiplife- zu produzieren. In den 90ern veröffentlichte er bereits ein Album mit dem Titel "Rapublic"...er ist also einer der Pioniere des Hiplife. Er kommt aus einer Familie voller Musiker Schauspieler, Schriftsteller...er ist ein sehr talentierter Kerl. Und ich selber, Wanlov "The Kubolor", ich habe schon immer sehr viel Busta Rhymes und Snoop Dog. Reggie Rockstone und Anbuley gehört. Sowohl mein Vater als auch meine Mutter sammelten schon immer Musik. Außerdem tanzten sie viel, sie waren große Musikliebhaber. Ich denke nicht dass ich aus einem wirklich ernstzunehmendem musikalischem Hause komme, zumindest was Auftritte und das ganze Showgeschäft angeht. Ich mache Pidgin-Musik, eine Mischung aus Hiplife und Hip Hop und allem anderen was mich beeinflusst hat. Bei M3nsa ist das nicht viel anders."


Die Brücke zur Irie Maffia aus Budapest

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Die Fokn Bois sind Kosmopoliten, soviel steht fest. M3nsa verbrachte nach seiner Schulzeit in Accra einige Zeit in Los Angeles bis London zu seiner Wahlheimat wurde. Wanlov, Sohn einer Rumänin und eines Ghanaers, war ebenfalls einige Zeit in Europa und den USA. Der Kontakt nach Budapest bzw. zum Kollektiv namens Irie Maffia entstand durch die langjährige Bekanntschaft zu der ungarisch-ghanaischen Rapperin und Sängerin Senna Dagadu.

Wanlov the Kubolor: "Wir kannten Senna Dagadu, sie ist Singer/Songwriter, Rapperin und eine sehr nette und attraktive Frau. Wir sind schon lange mit ihr befreundet. Sie lebte lange in Ghana und ging hier zur Schule. Sie ist halb Ungarin und halb Ghanaerin. Als M3nsa nach London ging und ich in die USA, ging sie nach Ungarn und wurde dort Teil des Band-Kollektivs namens Irie Maffia. Sena brachte die Band für 3 Veranstaltungen nach Ghana bei denen wir ebenfalls spielten. Wir wollten schon länger eine Kollaboration machen. Durch Sena Dagadu lernten wir also die Irie Maffia kennen."


Das Album: The Fokn Duna Quest in Budapest

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Letztes Jahr als Wanlov gerade in Paris an der Vollendung seines dritten Albums "African Gypsy" (Pidgin Music) saß und M3nsa in London sein Album "N° 1 Mango Streets" fertig stellte, da lud der Produzent der Irie Maffia die Beiden kurzerhand für einige Gigs nach Budapest ein. Sie nutzen die Gelegenheit um ins Studio zu gehen wo sie innerhalb kürzester Zeit alle Titel des Albums The Fokn Duna Quest in Budapest aufnahmen.

Wanlov the Kubolor: "Besonders dieses Album hat eine Menge anderer Musiker und Rapper in Ghana umgehauen weil sie uns zunächst aufgrund des Pidgen-Musical "Coz Ov Moni" kannten in dem wir die Hauptrollen spielten. Plötzlich kamen wir mit einem mächtigeren Sound um die Ecke, cluborientierter; die Texte spiegeln unsere Erfahrungen außerhalb Ghanas wieder. Ich mag den Begriff "international" nicht, aber ich denke die Art und Weise wie das Album entstanden ist...die Beats machen eine Einordnung des Albums besonders für die Ghanaer schwer. Es ist jedenfalls kein Hip Hop. Denn in Ghana gibt es 2 Typen von Hip-Hop: Highlife beeinflussten Hip Hop, und Reggae beeinflussten Hip Hop. Aber unser Album hat seinen eigenen Stil, der in Ghana bislang nicht verfolgt wurde bzw. nicht existierte."


Junge Sounds aus Ghana heutzutage

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Mittelerweile, so Wanlov the Kubolor, sei es in Ghana zur Formel des Erfolgs geworden, ein Tanzflächen-Hit zu produzieren und diesen mit einem nach amerikanischen Hip Hop anmutendem Videoclip zu promoten. Die Fokn Bois bringen sich trotz der internationalen Produktion als Ghanaer in ihr Album mit ein, nicht zuletzt aufgrund er Themen die sie behandeln und ihrem Bezug zu Hiplife und Pidgin-Musik. Zwar klingen die Beats des Albums für ghanaische oft Ohren sehr exotisch, dennoch sind sie sehr tanzbar und cluborientiert. Die Tatsache dass ihr Album in einem Studio in Budapest entstanden ist hat den Sound natürlich mitgeprägt.

Wanlov the Kubolor: "Jedenfalls wird das Album die ghanaischen Musiker dazu inspirieren in Zukunft mit Leuten aus allen Ecken der Welt zu arbeiten und, im Falle dass solche Kollaborationen zustande kommen, sich selbst treu zu bleiben, und Spaß zu haben. Wir hatten jedenfalls großen Spaß während der Album -Aufnahmen in Budapest. Viele Menschen nehmen die Dinge viel zu ernst wenn es um Musik geht, sie vergessen dabei dass das Leben an sich schon ernst genug ist und es manchmal Aufgabe der Musiker ist, andere Menschen weniger ernst fühlen zu lassen."


Das die Fokn Bois vielen ihrer ghanaischen Musik-Kollegen ein Schritt vorraus sind spiegelt sich nicht nur in ihrem kritischen Abstand gegenüber der eigenen Musikszene in Ghana, sondern vor allem in ihrer Empfänglichkeit für neue Projekte aus denen neue Soundkollagen entstehen, die Ghana so noch nicht gehört hat. Neben Dub, Country-House, Afro-Tech, und Afro-Cumbia-Pop finden sich hier auch viele Elemente die wir aus der Club-Musik Englands wie z.B. Dubstep oder Grime kennen. Für die Zukunft kann man nur hoffen dass solche eklektischen Projekte mehr Fuß hierzulande fassen. Labels wie Akwaaba Music leisten dabei nachhaltige Pionierarbeit vor Ort an der wir uns als Hörer nur erfreuen können.



Mehr zum Thema


Jetzt im Programm

16.04 bis 18.00 Uhr
Nova

Zozan Mönch

Moderation:
Zozan Mönch

HÖREN

PLAYLISTS




CD der Woche

The Princess

Parov Stelar [mehr]





Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Videogalerie





Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.