Mittwoch, 16.05.2012
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Funkhaus Europa
Musik
5Planeten Dossier
Sendung vom 11. Juni 2011
Seit Jahren prägt Andy Gillis alias Uproot Andy die Global- und Tropical Bass-Szene. Seine unverkennbare Mischung aus Cumbia, Dancehall, Reggaeton, Dubstep und Moombahton findet nicht nur in seiner Wahlheimat New York großen Anklang.
5Planeten Moderator Francis Gay hat den Künstler während seiner Europa Tour (Auftritt bei Global Player am 17.06.2011 im Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld) getroffen.
Uproot Andy hat in New York mit eigenen Produktionen begonnen. Musikproduktionen für Theater und Film. Und dabei hat der Alltag in der Weltmetropole seinen musikalischen Werdegang deutlich geprägt. Durch den ständigen Kontakt mit den verschiedensten kulturellen Einflüssen und Strömungen kam er in Berührung mit allen möglichen Musikstilen. Zum DJ wurde er nicht wegen der aufkommenden Begeisterung für den elektronischen Clubsound, sondern durch traditionelle Musik (u.a. Salsa und Cumbia). Darin steckt für ihn der Ursprung jeder Tanzmusik. Traditionelle Musik inspiriert ihn zu zahlreichen Remixen, in denen er versucht, den ursprünglichen Song so zu zeigen wie er tatsächlich ist - nur eben eingebettet in einem Neuen Kontext.
New York ist voll von Latin Music. Dort leben z.B. viele Menschen aus Puerto Rico und Kolumbien. Die kolumbianische Hafenstadt Cartagena spielt da eine besondere Rolle. Für eine lange Zeit war Cartagena ein wichtiger Ort für den Sklavenhandel, eine afrikanische Vergangenheit, die heute dort sehr spürbar ist. Uproot Andy's Sound hat sich von den Kulturen inspirieren lassen, denn er selbst sieht sich als Teil der bunten Latino-Szene New Yorks.
Äußerst wichtig ist für ihn die Art wie er von Musik berührt wird. Es geht ihm nicht um irgendwelche politische Einstellungen, sondern um Inspiration. Die meisten Songs die ihn antreiben, versteht er inhaltlich gar nicht. Aber das ist auch nicht so schlimm, denn für Andy gibt es unendliche Wege einen Zugang zur Musik zu finden. Natürlich spielt dabei das Internet eine wichtige Rolle, aber auch über Freunde oder Bekannte lernt er Neues kennen. Auf seiner aktuellen Europa Tournee hat einen Zwischenstopp in Brüssel eingelegt und hatte dort Zeit, in einem kongolesischen Plattenladen zu stöbern. Erfolglos hatte er das Geschäft wieder verlassen, als er dann zufällig mit einem kongolesischen Mann auf der Straße ins Gespräch gekommen ist. Der Mann hat sich über das Interesse des Amerikaners für die Musik seines Heimatlandes gefreut und ihn daraufhin wieder mit in das Plattengeschäft genommen. Dank ihm hat Uproot Andy an dem Tag drei neue Artists kennen gelernt.
Dave Nada, ein befreundeter DJ und Produzent von Uproot Andy hatte die Idee, Dutch-House ein bisschen langsamer zu spielen. Der Ursprung von Dutch-House liegt im Reggeaton / Dancehall, da beide Stile einen ähnlichen Rhythmus besitzen. Dutch-House ist eine sehr elektronische Musikrichtung mit einem schweren Bass und hohen Syntheziser-Melodien. Durch die Verlangsamung ist der Stil dem Reggeaton wieder ähnlicher geworden, trotzdem ist etwas völlig Neues entstanden. Moombahton charakterisiert sich durch elektronische, basslastige Reggeaton Beats. Das Interessante an dem Phänomen Moombahton ist, dass der Ursprung in einer langsamen Variante des Dutch-House liegt, der wiederum eine schnelle Variante des Reggeaton ist. In den DJ-Sets von Uproot Andy passt der neue Musikstil hervorragend rein, da er ein ähnliches Arrangement und Tempo wie Cumbia, Dancehall und Reggeaton hat, aber dennoch überraschend anders ist.
Die meisten Sounds, die zur Zeit in den Clubs gespielt werden, sind aggressiv und wirken dementsprechend auf das Publikum. Andy schätzt natürlich starke Beats und Basslines, doch er liebt auch schöne Melodien. Und eines Tages tauchte das Lied "Sabali" von Amadou & Mariam. Er mochte es sehr und wollte es unbedingt in seinen DJ-Set unbedingt einbauen. So kam sein "Sabali-Remix" zustande. Darin benutzt er zwei verschiedene Drums: Ein typischer Clubsample aus Baltimore, das in Richtung HipHop und House geht, gemixt mit kolumbianischer Folkloremusik, in der sich die Drums eher vornehm anhören. Uproot Andy arbeitet an seinen Remixen aus dem Moment heraus. So auch bei "Sabali", der sich ohne Komplikationen zu einem Ganzen gefügt hat.
Das Original von der Sängerin Petrona Martinez ist ein sehr kraftvoller Song, ihre Stimme fasziniert und berührt den Hörer. "La Vida Vale La Pena" ist ein traditionelles Lied, dass nur aus Percussion-Elementen und ihrer Stimme besteht. Ihre ideale Vorlage für Uproot Andy. Er hat eine neue Melodie und eine neue Basslinie dazu geschrieben und trotzdem wirkt der Remix nicht überladen. Das ursprüngliche Lied von Martinez ist auch keine typische Cumbia. In Kolumbien spielen die traditionellen Bands viele verschiedene Rhythmen, wie beispielsweise Fandango, Bullerengue, Porro oder Mapalé. Dort ist Cumbia nur ein Teil eines Ganzen, es ist lediglich der Stil, der am weitesten auf der Welt verbreitet ist.
El General aus Panama hat "Tu Pum Pum" erfunden und zwar vor - 1988 - der Geburt des Reggaeton. Puerto Ricaner haben dann den Jamaikanischen Dancehall Sound für das spanische Publikum reproduziert. Der Style, der Flow und der Beat sind typisch Jamaikanisch, allein der Text wurde verändert. Nach und nach wurden der Beat und der Stil des Dancehall weiterentwickelt. So ist am Ende der Reggeaton entstanden.
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