Mittwoch, 16.05.2012
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Funkhaus Europa
Musik
Polvorosa
Sendung vom 22. Februar 2012
Die Geschichte der dreiköpfigen Band Polvorosa reicht bis in die 80er Jahre zurück. Damals sorgte der Kopf der Gruppe Daniel Puente mit systemkritischem Punkrock für Schlagzeilen in Chile. Nachdem er nach Europa ausgewandert war, erfand sich die Band um ihn neu: Statt Punkrock wird heute Elektro-Pop mit Latin-Elementen gespielt. Wir haben den Schlagzeuger Kersten Ginsberg getroffen und wollten mehr über die Band erfahren.
Polvorosa leitet sich von dem Spruch: "Poner los pies en polvorosa" ab, was soviel heißt wie "Die Füße in den Staub setzen". Polvorosa lässt sich aber auch mit dem Wort "staubig" übersetzen. Es ist auch ein Idiom für "Weg" oder "ein staubiger Weg". Also das Bild, was hinter dem Wort steht, ist eigentlich staubig oder staubige Straße. Und es kann auch verschwinden heißen.
Polvorosa ist eine elektro-akustische, zeitlose und internationale Popmusik im Sinne von Folk oder Volksmusik mit Latin-Einflüssen. Es ist eine Mischung aus traditionellen und modernen Elementen aus den fünf Kulturkreisen, aus denen wir drei stammen und in denen wir leben: Lateinamerika, Spanien, Algerien, Frankreich und Deutschland.
Genau! Dieses Album ist ein One-Take-Album und wir haben es auch in vier Tagen aufgenommen. Letztendlich ist es ein Zufallsprodukt, wobei eine Chemie entstanden ist, die dermaßen viel Energie und viel Freude lostritt, dass wir uns alle drei darüber freuen, etwas gefunden zu haben, das funktioniert. Und vor allem etwas ohne große Arrangements oder große Absprachen, ohne formulierte Ziele und Formen.
Ich versuche dieses Ursprüngliche zurückzuholen. Das heißt, wir spielen die Instrumente in Echtzeit. Wir möchten die Liebe zum Echten rekultivieren, also auch auf Samples oder ähnliche Sachen verzichten. Das ist das Besondere an der Musik: Wir spielen jeden Tag solange bis wir das Gefühl haben, jetzt ist das Lied perfekt, jetzt ist es greifbar! Danach gehen wir ins Studio und spielen das Stück live ein. Und das sind Sachen, die fehlen mir oft, wenn ich heute moderne Musik höre.
"Otra Guerra" bedeutet "Noch ein Krieg". Es ist ein Stück, welches Daniel Puente eingefallen ist, als er damals in der Zeitung gelesen hatte, dass der Konflikt im Irak beendet sei. Das ist schon Jahre her. Wir sehen aber, dass dieser Konflikt niemals beendet wurde. Es scheint, als wäre das, was medial zu Ende erklärt wurde, fern von jeder Realität. Es geht darum, den Unterschied zwischen medialer Realität und der Wirklichkeit, die für Menschen erlebbar ist, herauszustellen, fühlbar zu machen und da einmal ein Licht drauf zu werfen.
(Murat Koyuncu)
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