Mittwoch, 19.06.2013
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Musik
"Rebirth"
AfroJam Music
Layori ist eine junge Sängerin aus Nigeria. Eine vielgereiste Künstlerin, die heute in München lebt und mit vier versierten Jazzmusikern ihr neues Album "Rebirth" aufgenommen hat. Mit zwölf melancholischen Afro-Jazz Balladen, die uns den Einbruch der Herbstkälte erträglicher machen.
Funkhaus Europa Hörer kennen Layoris Song "Dada". Das ist nun eher eine Definitionsfrage, ob er von ihrem ersten Album stammt, auf dem dieser Song in mehreren Remixversionen zu hören ist, zusammen mit wenigen anderen Songs. Nein, das war doch eher nur eine sogenannte EP, erste Gehversuche einer Musikerin, deren neues Werk "Rebirth" sie nun wirklich als neue, aufstrebende Künstlerin präsentiert. "Rebirth" also ein Debut, auf dem Layori die freudige Aufregung einer Geburt gleich im doppelten Sinne erleben durfte, während der Aufnahmen zum Album war sie schwanger mit ihrer heutigen Tochter Mayowa: "Durch Mayowa war es sehr einfach, dieses Album zu machen. Ich war so inspiriert, sie ist ja mein erstes Kind. Es ist alles so überwältigend und gleichzeitig so eine intensive, dankbare Zeit, wenn das Leben in einem wächst. Es ist eine der großartigsten Erfahrungen, die du als Frau haben kannst."
Sicher inspiriert durch das werdende Leben in ihr, wird das Album "Rebirth" von Texten getragen, die tief unseren inneren Zusammenhalt mit dieser Welt ausloten. Natürlich ist der Eröffnungssong "Mayowa" gleich der Tochter gewidmet. "Du bringst mir Freude, machst mich zum Teil der Schöpfung", singt Layori. "Modupe" ist ein Dankeslied an den Schöpfer, "Iwa Lewa" besingt den Schöpfer in uns selbst. Und in "Ma Je Ka Dinu" wird die Liebe zwischen zwei Partnern in ihrer puren Form besungen. In "Owun Mi" dankt Layori einmal mehr ihrem Schöpfer für diese unglaubliche Gabe des Singens. Ein beseeltes Album also, dessen Texte überwiegend in Layoris nigerianischen Heimatsprache Yoruba gesungen werden. Aber schon mit kurzen Texten im Begleitheft möchte sie die Sprachbariere überbrücken. Darüberhinaus glaubt sie fest daran, dass Inhalte nicht nur über die Semantik befördert werden: "Ich wollte, dass meine Musik auf diesem Album für alle zugänglich ist. Ich habe die Worte meiner Sprache sehr sorgfältig ausgewählt, manche Worte habe ich bewusst immer wiederholt. Ich wollte, dass die Menschen - selbst wenn sie die Worte nicht verstehen - trotzdem mitsingen können." Mit Erfolg: Layori ist auch bei Konzerten in Deutschland erstaunt, wie viele Menschen ihre Lieder mitsingen können.
Verständlichkeit ist Layori wichtig, auf allen musikalischen Ebenen: "Rebirth" wurde arrangiert als leichtfüßig daher gleitendes Album in der Tradition des Vokal-Jazz. Auf überflüssiges wurde bewusst verzichtet, die Cajon Percussion ersetzt das Schlagzeug, der Fluss soll nicht gestört werden. Die Texte mögen auf Yoruba sein, Layori erhebt mit ihrem Album jedoch jederzeit den Anspruch auf ein weltweit verständlichen Werkes zwischen Pop und Jazz: "Die Musik - die Melodien und die Instrumente - die sind international. Sie sind für jeden zugänglich. Es ist die Musik einer Person, die viel gereist ist. In den USA groß wurde, in Kanada und Portugal gelebt hat und in London. Ich war wirklich überall." Und dieses kosmopolitische Leben will sie weiterhin nicht aufgeben. München mag ihre neue Heimat sein, aber sicher nicht ihre letzte Station: "Bis ich 50 bin, will ich die ganze Welt gesehen haben."
Genauso losgelöst wie die Sängerin selbst von einem festen Ort, ist auch ihre Musik. Dies ist kein weiteres westafrikanisches Singer Songwriter Album. Dies ist Vocal Jazz, songorientiert, im Sinne einer Nina Simone. Layori - also die nächste Jazz-Diva? Das ist ihr zu wenig, und man merkt ihr im Gespräch schnell an, dass ihr Ehrgeiz nicht mit dunklen Jazzkellern zufrieden wäre: "Man versucht immer wieder, meine Musik zu definieren. Ich würde sie so beschreiben: Afro-Jazz, mit einem Hauch Soul, sogar Pop. Und einer Spur Reggae. Ich selbst nenne sie moderne elegante Musik. Musik der Zukunft sogar. Weil sie zeitlos ist. Weil sie jedem zugänglich ist. Leicht ins Ohr geht. Und trotzdem eine Tiefe besitzt, die ins Herz geht."
Diese Leichtigkeit erhält "Rebirth" durch Layoris musikalische Mitstreiter. Cayonspieler Humphrey Cairo aus Aruba. Saxophonist Alberto Barreira aus Brasilien, der mit seinen Saxophon-Soli für die wenigen typischen Jazz-Frickeleien sorgt, die aber auch bei ihm immer wieder zur Songstruktur zurückfinden. Gitarrist Adrian Reiter aus Deutschland, der mit ihr die Songs komponiert und arrangiert hat. Für den "jazzy Vibe" des Albums macht Layori vor allem Rocky Knauer am Kontrabass verantwortlich, der all seine Expertise in dieses Projekt steckt. Und das bedeutet einiges, denn er hat jahrelang mit Chet Baker zusammen gearbeitet und tourt auch schon mal mit einem Helge Schneider, wenn der seinem Jazz frönt. Man merkt "Rebirth" an, dass Plattenfirma, Musiker und Hauptdarsteller große Anstrengungen unternehmen, dass sie mit diesem Werk über kleine Szenerien hinaus gehört werden. Für dieses Ziel gerät "Rebirth" mit seinen zwölf Songs zuweilen etwas glatt und verzichtet auf einige wünschenswerte Kanten und Ecken, was einem jazz-gewöhnten Ohr sicher auch an mancher Stelle etwas zu poliert klingen mag. Anders gesehen - würde man einer Norah Jones nun aber auch nicht ihre Verschmelzung von Ballade und Folk mit der Welt des Jazz vorwerfen!?
(Johannes Paetzold)
| Titel | "Rebirth" |
|---|---|
| Vertrieb | AfroJam Music |
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