Mittwoch, 19.06.2013

Suche im gesamten WDR Web

  • Tipps zur vergrößerten Ansicht
  • Alle WDR E-Mail Adressen von A bis Z
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • Inhaltsverzeichnis wdr.de
  • Hilfe
  • Audio


Hauptnavigation Funkhaus Europa


Partnersender


Banner Musik


Sie befinden sich hier: > WDR.de > Funkhaus Europa >Musik >Ondatrópica


CD der Woche 30. Juli 2012

Ondatrópica

Ondatrópica

Soundway Records

Ondatrópica ist wie ein Zeitsprung in die goldene Ära der Latin Musik: Eine Hommage an die legendären Disco Fuentes Studios und eine Session mit Jung und Alt der kolumbianischen Musik. Quantic und Mario Galeano bringen dabei Salsa- und Cumbiahelden aus den Sechzigern mit Talenten aus der neuen Generation zusammen. "Ondatrópica" ist unsere CD der Woche.


Gruppenfoto der All-Star-Band Ondatropica; Ondatrópica / Soundway Records


Will Holland alias Quantic und Mario Galeano sind zwar erst Mitte Dreißig, doch als besessene Plattensammler verehren sie kolumbianischen Cumbia, Porro und Salsa der Sechziger- und Siebzigerjahre, den Sound vom Lucho Bermúdez, Fruko, Anibal Velázquez oder Michi Sarmiento. Über diese Passion lernen sich Holland und Galeano kennen.


Retro-Fetischisten unterwegs

Cover von Ondatropica - Ondatropica; Soundway Records Bild vergrößern

Ondatrópica: "Ondatrópica"

Gemeinsam durchstöbern sie seit Jahren Flohmärkte, die Archive von Radiostationen und Lagerräume alter Plattenläden, um an die auf Vinyl gepressten Schätze zu kommen. Man trifft sich, zeigt sich die ergatterten Trophäen, empfiehlt gegenseitig Händler. Will Holland stellt sogar mehrere Compilations mit den ausgegrabenen Raritäten für das englische Liebhaber-Label Soundway Records zusammen und covert mit seiner Band Combo Bárbaro alte Klassiker. Der Sound kommt an, doch das Archivieren alleine reicht irgendwann nicht mehr aus. Schließlich lebt eine Reihe der großen Vorbilder noch und ihre ehemalige Arbeitsstätte - die legendären Discos Fuentes Studios in Medellin - steht ebenfalls. So wird die Idee einer All-Stars-Band geboren: Die Ondatrópica.


Musikalische Erbschaft neu interpretiert

Wen diese Idee an eine kolumbianische Version von Buena Vista Social Club erinnert, der liegt falsch. Denn die Strippenzieher Galeano und Holland wollen klassische und moderne Spielarten kolumbianischer Musik zusammenbringen. Legendäre Figuren der kolumbianischen Musik stehen zwar im Scheinwerferlicht, doch sie werden gekonnt von einer Gruppe jüngerer Musiker, darunter Mitglieder von Frente Cumberio und Quantics Combo Bárbaro begleitet. Dabei wird das musikalische Erbe Kolumbiens neu interpretiert - mit neuen Herangehensweisen in Komposition, Arrangement und Produktion, aber in einem klassischen und mythischen Setting. Galeano und Holland mieten sich dazu drei Wochen lang die Fuentes Studios in Medellin und laden lebende Legenden, die Musikgeschichte geschrieben haben, zu sich ein. Unter ihnen der Saxophonist und Bandleader Michi Sarmiento, der in den Siebzigern für eine besonders raue Version der Salsa stand. Der Multiinstrumentalist Fruko, der zusammen mit Joe Arroyo mit der Band Fruko y sus Tesos die kolumbianische Salsa revolutionierte. Oder der Akkordeon-Spieler und Sänger Anibal Velasquez, einer der bedeutendsten Cumbia-Interpreten des Landes.


Beatbox vs. Gaita

Diese altehrwürdigen Herren zwischen 70 und 80 begegnen auf Ondatrópica der Generation ihrer Enkelkinder. Etwa wenn die Rapperin Ana Tijou auf "Suena" zum Mikrofon greift oder der 26-jährige Rapper El Chongo als Beatboxer auf "Rap Maya" den 82-jährigen Gaita-Spieler Pedro Ramaya zum Duett herausfordert. Bei Ondatrópica trifft ein Mix aus klassischen Stilen wie Cumbia, Porro, Gaita und Champeta auf Boogaloo, Ska, HipHop, Dub und Funk. Amüsant sind einfallsreiche Cover-Versionen, wie der Black Sabbath Klassiker "Iron Man": Bei der schlurfenden Cumbia singt der Chor: "El Ron se acavó" - "Der Rum ist leer". Die Intonation der Vokalisten und eine quietschende Klarinette lassen vermuten, dass bei den Aufnahmen tatsächlich Rum im Spiel war. Die Single "Punkero Sonidero" ist eine treibende Cumbia mit psychedelischen E-Gitarren und Schweineorgel. Man spürt die Wildheit und Spontanität der Sessions in den Fuentes-Studios. Glaubt man den Erzählungen Hollands und Galeanos, so verlief nur ein Teil der Aufnahmen nach Plan.


Hommage an Discos Fuentes

Ondatrópica basiert vollständig auf analogen Aufnahmetechniken, kein Computer war am Werk. Über ein altes Tonbandgerät aus den Siebzigerjahren soll so der ursprüngliche Sound der Fuentes Studios eingefangen werden. Holland und Galeano wollen bewusst mit der klinischen Methode digitaler Produktion brechen, nehmen alle Musiker gleichzeitig auf und fangen dadurch den urigen Raumklang der Sixties und Seventies ein. Dazu kommt die Spontanität der alten Fuentes-Garde: Auch nicht geladene Gäste ereilt die Nachricht über die Ondatrópica-Sessions. Ohne Voranmeldung gesellen sie sich zur illustren Runde und spielen mit.


Der Sound von damals

Ondatrópica ist eine Hommage an ein Haus, das für die kolumbianische Musik eine ähnliche Bedeutung hat wie Motown für den Soul: Brutstätte, Innovationsschmiede, jahrzehntelange Hit-Fabrik. Die Musik dieser goldenen Ära und ihre Generation von Musikern wird noch heute in Kolumbien vergöttert. Auf Ondatrópica sind viele von ihnen vertreten - in neuer Frische. Will Holland und Mario Galeano ist es gelungen, den Sound von damals wieder zum Leben zu erwecken. Ondatrópica wächst dabei weit über eine pure Verbeugung an die alten Maestros hinaus und kreiert eine tropische Welle, die weit über Kolumbien hinaus rollt.
(Lukasz Tomaszewski)



TitelOndatrópica
VertriebSoundway Records



Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.