Mittwoch, 19.06.2013
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Musik
Is Your Love Big Enough?
Warner
Lianne La Havas ist die neue Britsoul-Hoffnung - oder doch das Folkwunder des Jahres? "Is Your Love Big Enough?", das Albumdebüt der Tochter eines Griechen und einer Jamaikanerin, erfüllt hohe Erwartungen - und überrascht durch filigrane Töne. Unsere CD der Woche.
"Ist deine Liebe groß genug?", fragt Lianne La Havas kokett auf ihrem Albumdebüt. Der Titelsong ist ein rhythmisches Folkstück, spröde Gitarrenakkorde und forscher Gesang vereinen sich dabei zu einem Statement der Selbstvergewisserung. Kaum zu glauben, dass die 22-jährige Sängerin, die hier so selbstbewusst auftritt und in ihren Liedern ihr Innerstes nach außen kehrt, von sich sagt, dass sie anfänglich unter großer Schüchternheit litt. Die Antwort ihrer Fans, deren Zahl rapide wächst, dürfte auf ihre rhetorische Frage jedenfalls recht eindeutig ausfallen: Ja, klar, wir lieben sie.
Mit ihrem ausgefallenen Namen, der einem Filmstar aus den Fünzigerjahren entlehnt sein könnte, lässt Lianne La Havas bereits aufhorchen. Auch ihr schräger Dutt, der seitlich auf ihrem Kopf baumelt, hebt sie aus der Masse heraus. Doch es ist ihre Stimme und ihr eigenwilliger Stil, der sie in den letzten Monaten zum Liebling der britischen Musikpresse gemacht hat. In ihrer Heimat wird die Tochter eines Griechen und einer Jamaikanerin bereits als neue Soul-Pop-Hoffnung gehandelt, die in die Fußstapfen von Amy Winehouse und Adele treten könnte. Ihr Album, das nun erschienen ist, erfüllt die Erwartungen, die in sie gesetzt wurden.
Wie aus einem Traum entsprungen, so klingt das somnambule "Don't wake me up", das die Sängerin nach eigenen Angaben kurz vor dem Zubettgehen zu Papier brachte, nachdem sie den ganzen Tag auf ihrer Gitarre dahin geklimpert hatte; die Akkorde sind so zart, als seien sie einem Bossa Nova abgeschaut. Die verträumte Pianoballade "Lost and Found", die La Havas mit ihrem Ko-Autor Matt Hales alias Aqualung geschrieben hat, ist angeblich im Haus ihres Ex-Freundes entstanden und gewährt einen Einblick in ihre Gefühlswelt kurz nach der Trennung von diesem. "Au Cinema" ist eine akustische Hommage an das französische Kino à la "Betty Blue" und zugleich eine atmosphärische Meditation über das Leben an sich, das für Lianne La Havas allzu oft einem Film gleicht.
Überhaupt, Beziehungen: Das rockige "Forget" ist eine bratzig hingerotzte Abrechnung mit einer verflossenen Liebe, die ihr einst einen Korb gab. Im Duett mit dem US-Songwriter Willy Mason fasst sie in "No room for doubt" die Sprachlosigkeit, die Paare in der Krise befällt, in poetische Worte. Und in der swingenden, zum Fingerschnippen einladenden Nummer "Age", einer ironischen Betrachtung über den Altersunterschied zwischen zwei Liebenden, wägt sie frech das Für und Wider ab, das die Liason mit einem älteren Partner so mit sich bringt. Auch das ätherische, verschleppte "Elusive" und das hingetupfte "Gone", ein Abgesang auf eine gescheiterte Beziehung, handeln von Gefühlsangelegenheiten.
Zwei Jahre hat Lianne La Havas an ihrem Albumdebüt gefeilt, bevor sie im Oktober 2011 in der BBC-Show "Later … with Jools Holland" ihren Durchbruch feierte. Zwei EP's gingen dem Album voraus, das mit seiner luftigen und filigranen Machart viel Raum für ihre ausdrucksstarke, satte Stimme lässt. Subtil ziehen ihre konzentrierten Songs alle Aufmerksamkeit auf sich, ihre gekonnte Phrasierung rundet den Eindruck eines starken Willens zur Perfektion ab.
Kein schlechter Start für eine Newcomerin. 1989 in London geboren, entwickelte Lianne La Havas schon früh musikalisches Talent. Ihr Vater, ebenfalls Musiker, brachte ihr erste Handgriffe auf Gitarre und Klavier bei, doch die Wandlung zur Profi-Musikerin setzte erst nach ihrer Volljährigkeit ein. Dann aber ging alles ganz schnell: erste Bühnenerfahrung als Background-Sängerin bei der Paloma Faith, erste Solo-Auftritte, der Plattenvertrag bei einem Major-Label.
Lianne La Havas beruft sich auf US-amerikanische Soul-Vorbilder wie Jill Scott, Lauryn Hill und Mary J. Blige, die ihre Mutter gerne gehört hat. Tatsächlich fügt sie sich in die lange Reihe britischer Soulsängerinnen ein, die einen ganz eigenen, eher europäischen Stil geprägt haben - von den Jazzpop-Stars Sade und Dee C. Lee beim Style Council aus den Achtzigerjahren über Caron Wheeler (Soul II Soul) und die Acid Jazz-Ikonen N'Dea Davenport und Carleen Anderson in den Neunzigern bis hin zu Joss Stone oder Corinne Bailey Rae, den Protagonistinnen des britischen Soul-Revivals der letzten Jahre. Dass sie dabei mit ihrem weitgehend akustischen Britsoul für die blauen Stunden einen ganz eigenen Akzent setzt, dürfte ihr aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks die Türen öffen. Schon hört man, dass keine Geringeren als Prince und Stevie Wonder auf sie aufmerksam geworden sein sollen.
(Daniel Bax)
| Titel | Is Your Love Big Enough? |
|---|---|
| Vertrieb | Warner |
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