Freitag, 24.05.2013
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Musik
Stille
Universal
Es war ein langer Weg für Chima - vom Rapper mit Vorschusslorbeeren zum Songwriter, der alles auf eine Karte setzt. Der Frankfurter mit nigerianischen Wurzeln wagt auf seinem neuen Album den Spagat zwischen opulenten Pophymnen, die Teenieherzen höher schlagen lassen, und intimen Balladen, die einen reifen und verletzlichen Charakter offenbaren. "Stille" ist unsere CD der Woche.
"Morgen nehme ich mein Leben in die Hand, erst Morgen aber dann richtig, Mann" - eine Hymne für alle Drückeberger bringt den Sänger Chima 2012 wieder ins Gespräch. Der lockere Beat spricht an, das Streicherarrangement verführt, die einprägsame Melodie und der Text passen und sprechen viele an. Jeder hat wohl schon mal unangenehme Pflichten verschoben. Chima gelingt es, das Zeitgeist-Symptom des überforderten Menschen in einen leichtfüßigen Popsong zu verpacken. "Du bist das Ende einer Odyssee zu mir selbst" singt er dann auf dem disco-beeinflussten Liebeslied "Ausflug Ins Blaue". Und das fasst gut sein neues Album zusammen - eine Reise ins Innere von Chima.
"40 ist das neue 30" könnte das Lebensmotto des Enddreißigers Chima sein. Hat man früher mit spätestens dreißig Jahren damit begonnen, sein Leben in geregelte Bahnen zu lenken, ist der klare Weg heute in der hektischen Welt der unbegrenzten Möglichkeiten schwer zu finden.
1972 in Nigeria geboren, wuchs Chima in Frankfurt auf, wo er erste musikalische Schritte als Rapper machte. Als Teil der Brothers Keepers machte er erstmals auf sich aufmerksam und veröffentlichte zwei HipHop-Alben, auf denen er aber auch schon seinen eindringlichen Gesangsstil präsentierte. Nach über zehn Jahren im Musikgeschäft landete Chima erst jetzt mit dem Song "Morgen" seinen ersten Charts-Hit. Doch der Erfolg kann flüchtig sein. Wichtiger ist es ihm, auf "Stille" einen authentischen Einblick in seine Gedankenwelt und einen eigenständigen Soundentwurf zu präsentieren.
Für den neuen Chima-Sound zeichnet das Produzenten-Team Beatgees verantwortlich. Die Berliner haben bereits für Flo Mega, Culcha Candela und Tim Bendzko produziert, mit dem Chima zuletzt auch auf Tour war. Mit den Beatgees klingt Chimas Musik warm und druckvoll zugleich. Spurenlemente von HipHop sind vorhanden. Es fallen jedoch vor allem die epischen Balladen auf, Popsongs mit Elektro-Einflüssen, ein bisschen NDW-Frechheit, und sogar ein Hauch von Chanson. Ein Sound, der Hipster und Hausfrauen gleichermaßen gefallen könnte. Beim Songwriting halfen Patrice und Nnekas Produzent Farhot, sowie der Frankfurter Songwriter Giuseppe Porello aus. Mit diesem Team im Rücken schwingt sich Chima auf zu neuen Höhen.
"Ich will mich vermehren, wenn ich fliege" singt Chima in der Pophymne "Fliegen": sphärischen Synthies, um abzuheben, aber auch perfekt geeignet als Weckton fürs Handy. Selbstbewusste Ansagen wechseln sich dabei ab mit Stücken voller Zweifel, wie zum Beispiel "Angst", in dem Chima auf einem minimalen Arrangement aus Streichern und Gitarre klagt: "Trotz zwei Handys, MySpace, Facebook geh' ich völlig allein". Doch er singt gegen die Angst und lässt Hoffnungsschimmer aufblitzen.
"Stille" wird so zu einer Art Selbsttherapie, die aber auch gute Laune verbreitet - eine Wirkung, die vergleichbar ist mit den zufällig gleichnamigen Massage-Rollern: "Der Chima-Massageroller löst Verspannungen und berührt die Physis, sowie die Psyche. Es können Blockaden gelöst werden, so dass die Lebensenergie ungehindert fließen kann."
(Adrian Nowak)
| Titel | Stille |
|---|---|
| Vertrieb | Universal |
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