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CD der Woche 02. Juli 2012

L'ancolie

Fredda

Le Pop Musik / Groove Attack

Luftig-leichte Sommerchansons aus Frankreich - Fredda, die Frau mit der hauchenden Stimme, hat zuhause in ihrer Küche einen Songzyklus aufgenommen, der zwischen Chanson, Folk und Country flimmert. Ihr drittes Album "L'ancolie", unsere CD der Woche, verknüpft elegant mediterrane Romantik mit ironischen Betrachtungen und einer Prise Prärie.


Albumcover; Le Pop


Viele denken beim Wort "L'ancolie" unweigerlich an Melancholie, und da liegt man auch gar nicht falsch. "Es ist eine Gebirgsblume, die Akelei, die vor allem in der Region vorkommt, in der ich groß geworden bin. Daher kenne ich diese Blume gut und liebe sie", verrät Fredda. "Interessanterweise symbolisiert sie in der Literatur und der romantischen Poesie, die ich sehr wertschätze, die Melancholie. Die Autoren dieser Epoche haben also den Namen der Blume mit dem melancholischen Geisteszustand assoziiert." Und so kündigt die französische Sängerin die Klangfarbe ihres neuen Albums an.


Küchenmusik

"L'ancolie" ist Freddas dritte Scheibe und signalisiert eine Emanzipation der Sängerin von ihrer Vergangenheit. Begonnen hatte sie als Backgroundsängerin und Duopartnerin bei ihrem Lebensgefährten Pascal Parisot, der auch auf ihren beiden ersten CDs "Toutes Mes Aventures" (2007) und "Marshmellow Paradise" (2009) das Zepter in der Hand hielt. Mit einer neuen fünfköpfigen Band, die Produzent Alain Cluzeau in Szene setzte, suchte sie sich für "L'ancolie" nun einen ganz besonderen Aufnahmeort aus: "Daheim arbeite ich am liebsten, ich bringe das Studio zu mir nach Hause, da fühle ich mich am wohlsten. Ich wollte auch unbedingt den Sound eines Zimmers haben, meine Küche eignet sich großartig dafür."


Romantische Motive

Cover des Albums; Le Pop Musik Bild vergrößern

L'ancolie

Das intime Setting kommt der übergeordneten musikalischen Thematik sehr entgegen. Fredda begibt sich in den - im Booklet übersetzten - Texten, für deren Feinschliff teils Kollegin Marianne Dissard hinzugezogen wurde, auf die Spuren der Autoren und Künstler des 19. Jahrhunderts. Sie schaut ihnen beim Tagebuchschreiben und Malen über die Schulter, greift typisch romantische Motive wie Sehnsucht, Desillusionierung und Kontemplation auf. Und sie begibt sich immer wieder in die Natur, an ein mediterranes Meeresufer, in die Berge, ins sommerliche Idyll der kanadischen Provinz Quebec.


Ironische Miniaturen

In dem Stück "Vatanen" tanzt sie mit einer Hauptfigur des lakonischen finnischen Schriftstellers Arto Paasilinna Walzer, im lichtdurchfluteten "Fenêtre A Coilloure" blickt man mit dem Maler Henri Matisse aus seinem berühmten Fenster. Doch auf Freddas Werk geht es nicht durchgängig melancholisch zu. In der Miniatur "Il ne Me Reste" spielt sie zu pluckerndem Banjo auf ein hinlänglich bekanntes, weibliches Thema an: "Ja, ich singe hier wirklich über die berühmte biologische Uhr, auch wenn sie nicht auf mich zutrifft! Diese Zwänge, die eine Frau spürt, wenn sie kein Kind bekommen kann, den Druck ihrer Umgebung, der manchmal gar nicht so offensichtlich ist."


Western Français

Die erstaunlichste Geschichte verbirgt sich jedoch hinter dem Song "Constant": "Das war der Name meines Urgroßvaters väterlicherseits. Ich weiß, dass er Ende des 19. Jahrhunderts von seinem Heimatort in den Alpen nach Le Havre aufgebrochen ist, er hat ganz Frankreich auf dem Rücken eines Pferdes durchquert, um ein Schiff in die USA zu nehmen. Dort ist er ein richtiger französischer Cowboy geworden. Mit diesem Chanson habe ich seine Geschichte weitergesponnen und so ist es ein 'western français' geworden." Für die richtige Prärie-Atmosphäre sorgt der Gitarrist Mocke von der Pariser Poprockband Holden, ein ausgewiesener Spezialist für die gut abgehangene US-Musik.


Folk-Quellen

Überhaupt sind die musikalischen Einflüsse auf "L'ancolie" sehr vielfältig, da Fredda sich von vielen Quellen inspirieren ließ: "Bevor ich dieses Album aufgenommen habe, hörte ich viel Folk, vor allem von Frauen. Ich denke da an Karen Dalton, Vashti Bunyan, auch das letzte großartige Album von Lhasa, und ich habe ein großes Herz für Hindi Zahra. Davon abgesehen läuft bei mir zuhause immer viel traditionelle amerikanische Musik der dreißiger Jahre. Und Tom Waits kann ich immer hören."

"L'ancolie" liefert den perfekten Hängematten-Soundtrack für den Sommer: Intim und relaxt, verspielt und augenzwinkernd lädt Fredda in ihr sinnliches Reich ein.
(Stefan Franzen)



TitelL'ancolie
VertriebLe Pop Musik / Groove Attack


Jetzt im Programm

08.04 bis 12.00 Uhr
Le Week-End

Johannes Paetzold

Moderation:

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