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CD der Woche 13. Februar 2012

"Freedom Of Speech"

Speech Debelle

Big Dada, Rough Trade

Manche fühlen sich an Tracy Chapman erinnert, viele sehen in ihr die Nachfolgerin von Jazzpoet Gil Scott-Heron. Speech Debelle macht sich nun frei von hohen Erwartungen. Die Londonerin kümmert sich auf ihrem neuen Album lieber um echte Inhalte: "Freedom of Speech", unsere CD der Woche.


Speech Debelle; Speech Debelle


Britische Rapmusik unterscheidet sich trotz der gemeinsamen Sprache vom amerikanischen Stil. Dafür stehen Künstler wie Roots Manuva. Miss Dynamite, The Streets. Bislang aber gab es keinen Künstler in Großbritannien, der Reimkunst mit Dub Poetry und Spoken Word verband. Speech Debelle bringt auf ihrem neuen Album nun erstmals Politik und Dichtung aus Londons Straßen mit dem lautmalerischen Patois Jamaikas zusammen.


Wunderkind mit Mercury Prize

Corynne Elliot, Londonerin jamakanischer Abstammung, schreibt seit ihrem 9. Lebensjahr in ihre kleine Kladde Gedichte und Raps. Mit 26 Jahren tritt sie als Speech Debelle auf, veröffentlicht ein Album und im selben Jahr gewinnt sie den renommierten Mercury Musikpreis in England. Schnell ist die Rede vom "vom größten Ding im britischen HipHop seit Jahren". Das Album war ein Musikereignis, das sich abhob und sofort ins Ohr ging. Wunderbar gedrechselte Wortspiele, harmonisch onomatopoetisch ineinander verschachtelte Flows. Diese junge Londonerin verarbeitete mit rührender Offenheit die schwierige Beziehung zu ihrem Vater ("Daddys Little Girl"), legte sich gleich selbst auf die Couch ("Speech Therapy"), machte sich auf die Suche ohne die Antwort zu proklamieren ("Searching") und hatte der Welt aber auch schon einiges mitzuteilen ("Spinnin").


Hohe Erwartungen

Speech Debelle: "Freedom Of Speech"; Big Dada, Rough Trade Bild vergrößern

Speech Debelle: "Freedom Of Speech"

Die Folgezeit erwies sich als weniger einfach für Speech Debelle. Die Verkaufserwartungen nach einem Mercury Preis sind in England hoch, das Album "Speech Therapy" ging jedoch nur schleppend über die Ladentische. Und Speech Debelle tat sich schwer im Rampenlicht. Sie gab ihrer Plattenfirma Big Dada die Schuld an den schlechten Verkaufszahlen. Sie wurde beim Glastonbury Festival von der Bühne gebuht, als sie behauptete, sie könne den Song "Pray" von der Boygroup Take That besser aufführen als die Band selbst. Im vergangenen Jahr kommentierte sie mit ihrem Song "Blaze up a fire" die Unruhen der revoltierenden Jugendlichen in England. "Manchmal muss man einfach zündeln", rappte sie.


Neuer Anlauf

Inzwischen hat sie sich im Internet für ihre Statements aus "Blaze up a fire" entschuldigt. Sie verstehe zwar die Jugendlichen, aber sie wollte auch die Opfer der Unruhen nicht brüskieren. Der Song ist auf dem zweiten Album von Speech Debelle, "Freedom of Speech" vertreten. Zum Teil gibt Speech Debelle noch immer die "angry young woman". Aber dann hat sie sich sichtlich weiter entwickelt, neue Positionen eingenommen, ohne alte aufzugeben.

Sie lebt noch immer für die Botschaft ("Live for the Message"), aber sie umarmt auch einfach das Leben ("I‘m with it"). Mit Produzent Kwes, der mit Damon Albarn und vielen anderen Größen Großbritanniens gearbeitet hat, konnte sie diesmal sich stärker auf die musikalische Seite konzentrieren. Mit Roots Manuva steht ihr ein weiteres Flaggschiff britischen HipHops zur Seite.


Zurück auf dem Boden

Das schwierige zweite Album meistert Speech Debelle mit Bravour. Es bringt sie vom Wunderkindstatus auf den Boden, diese Haftung wird ihr gut tun. Sie engagiert sich mehr denn je für wohltätige Zwecke. Sie genießt das Leben mit den Kochrezepten ihrer jamaikanischen Mutter und führt in einer Videoserie durch die Geheimnisse der jamaikanischen Küche. Das hat sie auf die Idee gebracht, das nächste Album in ihrer zweiten Heimat Jamaika aufzunehmen. Ja, bitte: Denn wenn die Sonne und die Offbeats aus der Karibik dieses Talent noch weiter erhellen würden, könnte sie in noch unerahnte Höhen aufsteigen.
(Johannes Paetzold)



Titel"Freedom Of Speech"
VertriebBig Dada, Rough Trade


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Moderation:
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